Pinneberg
Schenefeld

Der ausgezeichnete Kapitän der „Cap San Diego“

Rüdiger van Ancken, Kapitän der Cap San Diego, wurde für sein Engagement geehrt

Rüdiger van Ancken, Kapitän der Cap San Diego, wurde für sein Engagement geehrt

Foto: Katy Krause

Ehrenamtlich steht der 70-Jährige am Steuer der „Cap San Diego“. Für sein Engagement wurde der Schenefelder kürzlich gewürdigt.

Schenefeld. „Mein Mann ist auf dem Schiff“, sagt seine Frau am Telefon – na klar, wo soll Rüdiger von Ancken bei diesem herrlichen Wetter auch sonst sein? Der Schenefelder gehört zur rund 45-köpfigen Crew der „Cap San Diego“. Er und die anderen zahlreichen Helfer machen es mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit möglich, dass das Museumsschiff aus den 60er-Jahren fahrtüchtig und gut in Schuss ist und damit zum besonderen Flair des Hamburger Hafens beiträgt.

Auch während des Hafengeburts­tages gehörte das Frachtschiff mit der eleganten Silhouette zu den Publikumslieblingen der Zigtausenden Besucher. Sowohl vom Wasser als auch vom Land aus staunten Touristen und Hanseaten über den weißen Frachter mit seinen 150 Metern Länge und seinen 21 Metern Breite. Den großen Pott während der Parade zwischen den vielen kleinen Booten, unter denen auch die Helgoländer Börteboote zu finden waren, hindurchzusteuern, ist stets Rüdiger von Anckens Aufgabe.

Bereits seit 20 Jahren ist von Ancken im Einsatz auf der „Cap San Diego“

Dabei wird das Schiff immer von Schleppern begleitet, allerdings rein aus Sicherheitsgründen, wie der Schenefelder betont. „Man könnte den Eindruck haben, wir fahren nicht selbst, aber das stimmt nicht“, sagt er. Das Problem sei das fehlende Bugstrahl­ruder, das würde das Manövrieren im Notfall erschweren. Bei so einem großen Frachter ist auch das Wenden auf der Elbe eine Herausforderung, vor der Rüdiger von Ancken aber nicht zurückschreckt. Meist versucht er, hinter Wedel einzuscheren und die „Cap San Diego“ wieder in ihren Heimathafen zurückzusteuern.

Dabei trägt der Schenefelder als Kapitän die Verantwortung für die Crew und für die bis zu 500 Passagiere an Bord. Geld gibt es dafür allerdings nicht. Rüdiger von Ancken steuert das Schiff ehrenamtlich. Seit 20 Jahren ist der heute 70-Jährige bereits im Einsatz auf der „Cap San Diego“, deren Eigner die Stiftung Hamburger Admiralität ist. Eine Betreibergesellschaft und ein Förderverein versuchen, mit Spenden, Ausflügen, Eintrittseinnahmen durch Ausstellungen im Bauch des Schiffes sowie Einnahmen durch Übernachtungen an Bord das Überleben der „Cap San Diego“ zu sichern. Möglich ist das aber nur, weil es so viele ehrenamtliche Helfer gibt, die ihre Fähigkeiten in den Dienst des Frachters stellen.

Ehrenmedaille von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz

Stellvertretend für sie alle, wie Rüdiger von Ancken ausdrücklich betont, erhielt er nun kürzlich eine besondere Auszeichnung. Hamburgs Bürgermeisters Olaf Scholz überreichte ihm für sein Engagement im Rathaus der Hansestadt eine Ehrenmedaille. „Das Gemeinwohl ist das höchste Gesetz“ steht auf der Rückseite der Medaille. „Sie soll auf eine Holzplatte montiert werden und auf die Brücke kommen“, sagt Rüdiger von Ancken.

Dort kann er sie im Auge behalten, so sehen sie aber auch die anderen Crewmitglieder und die Passagiere des Schiffes. Denn wer auf der „Cap San Diego“ mitfährt, kommt relativ nah an den Kapitän heran, darf die Brücke besuchen und sich einen Eindruck davon machen, was es bedeutet, ein solches Schiff zu lenken.

„Auf der Förde bei schönem Wetter zu fahren, ist das Höchste“

Die nächsten Fahrten sind für Sonnabend und Sonntag, 11. sowie 12. Juli, geplant. Dann steuert der Schenefelder das Museumsschiff die Elbe hinauf. Am Sonntag, 9. August, geht es sogar ein ganzes Stück weiter. Dann schippert Rüdiger von Ancken die „Cap San Diego“ in Richtung Cuxhaven, ebenso am Sonnabend, 15. August. Zu den Lieblingsfahrten des Kapitäns auf „seinem“ Schiff zählen Touren um die Insel Helgoland und nach Kiel. „Auf der Förde bei schönen Wetter zu fahren, ist das Höchste.“

Rüdiger von Ancken fuhr fast ein halbes Jahrhundert zur See. 1981 endete die letzte Dienstfahrt des Kapitäns, der damals für die Reederei Hamburg Süd unter anderem auch auf der „Cap San Diego“ unterwegs war. Der will er möglichst noch lange treu bleiben. Vorgesorgt hat er trotzdem. Auch für den Fall, das er nicht einmal kann, hat er drei Ersatz-Kapitäne angelernt.