Pinneberg
Kreis Pinneberg

Suchhunde: Immer auf der richtigen Spur

Christine Biederstaedt trainiert mit Retrieverdame Dani bei K-9 Suchhunde Pinneberg vermisste Menschen und weggelaufene Tiere aufzuspüren

Christine Biederstaedt trainiert mit Retrieverdame Dani bei K-9 Suchhunde Pinneberg vermisste Menschen und weggelaufene Tiere aufzuspüren

Foto: Anne Dewitz

Die Suchhunde des K-9-Stützpunktes Pinneberg finden vermisste Menschen und Tiere wieder. Ein Trainingsbesuch...

Pinneberg. Gustav zögert. Hinter der Hecke duckt sich eine Katze, die ihn interessiert. Sie faucht warnend. Da besinnt sich der Gebirgsschweißhund auf seine Aufgabe: Er soll Retriever Dani finden. Gustav hechtet er los. Christine Biederstaedt lässt ihm Leine, eilt hinterher. Der Hund spürt entlang der Einfamilienhäuser, schnüffelt an Einfahrten und Wegen, dreht um und spurtet weiter. „Er macht zu“, sagt Hundetrainerin Ariane Kümpers, Leiterin des K-9-Stützpunktes Pinneberg. Zumachen heißt ausschließen.

K-9 ist eine spezielle Methode, Suchhunde auszubilden, die auf Alexandra Grunow und Rovena Langkau aus Bayern zurückgeht. Mittlerweile gibt es in Deutschland, der Schweiz und Österreich viele Stützpunkte, die Hunde und Besitzer im sogenannten Trailen ausbilden. Der Hundeführer lernt, sein Tier zu lesen. „Wir achten bei der Ausbildung darauf, die Tiere nicht zu überfordern“, sagt Kümpers. Denn die Nasenarbeit ist für die Hunde extrem anstrengend.

Nasenarbeit ist für die Hunde extrem anstrengend

Der Wind drückt Geruchspartikel in Gustavs feine Nase. Blitzschnell kombiniert er. Bevor ihn seine Besitzerin aus einem Tierheim geholt hat, lebte er bei einem Jäger. „Dort hat er gelernt, über Witterung großflächig zu suchen“, sagt Heike Willers, die seit 2011 trailt. Damit wäre Gustav nicht für die Forensik geeignet, wo es darauf ankommt, in der Spur zu bleiben, um Beweismittel nicht zu übersehen.

Nun folgt er offenbar seinem eigenen Plan, nimmt eine Abkürzung, bleibt vor einem geparkten Auto stehen und zeigt an. Dahinter versteckt sich allerdings ein Mensch, der die angebundene und gesuchte Hündin im Auge behält. „Damit besorgte Spaziergänger sie nicht mitnehmen oder die Polizei rufen, weil sie glauben, sie sei ausgesetzt“, sagt Kümpers. Nur hat niemand damit gerechnet, dass Gustav aus einer anderen Richtung zum Ziel kommt.

„Bisher hat er nur das Mantrailing, also die Suche nach Menschen geübt“, sagt Christine Biederstaedt, Besitzerin von Retriever Dani. Nun soll Gustav lernen, Artgenossen zu finden. Behutsam lenkt sie ihn durch geschickte Leinenführung und richtige Körperhaltung weiter zur wartenden Dani. Er soll sich mit dem Rücken zu der Hündin setzen. So wird im Ernstfall vermieden, dass das entlaufene und verängstigte Tier vertrieben wird. Dann bekommt Gustav seine Belohnung.

„Leider verschwinden immer wieder Hunde“, sagt Kümpers. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der Hund jagt, hat sich erschreckt, wurde gestohlen, wurde vom Auto angefahren, die Leine ist gerissen, das Brustgeschirr ist nicht ausbruchssicher. K-9-Suchhundezentren bilden ein bundesweites Netzwerk von Ehrenamtlichen, die helfen die Tiere wiederzufinden.

Wer einen Hund vermisst, soll Registrierungsstelle Tasso informieren

„Zunächst beraten wir telefonisch, kommen aber auch zum Verlustort, wenn nötig“, sagt die Trainerin. Das vermisste Tier soll möglichst schnell aufgefunden oder das Suchgebiet stark eingegrenzt werden. Ein Laie kann dabei viel falsch machen. „Leider werden entlaufene Tiere häufig vor den Suchern hergetrieben, im schlimmsten Fall auf eine Straße“, so Kümpers. „Einige Dilettanten schleppen sogar die Geruchsprobe bei der Suche mit.“ Da der Hund der frischesten Spur folgt, wird das Suchgebiet kontaminiert und ein weiterer Einsatz sinnlos. Oberstes Gebot ist deshalb: Ruhe bewahren. „Der Besitzer sollte an dem Ort, wo der Hund entwischt ist, warten. Oft läuft er im Bogen dorthin zurück. Dann Mitmenschen um Hilfe bitten.“

Ist das Tier registriert, muss die Registrierungsstelle Tasso informiert werden, außerdem umliegende Tierheime und -ärzte, Polizei, Förster, Jäger und die Straßenmeisterei. Taucht es nicht wieder auf, rücken die ehrenamtlichen Suchteams aus, legen sogenannte Schleppen, die das Tier zum Besitzer führen. Die müssen schon mal zwei Nächte im Auto verbringen, in der Hoffnung, dass ihr Liebling aufkreuzt.

So haben die Helfer kürzlich einen aus einer Tierpension ausgebüxten Drogenspürhund eingefangen, aber auch schon Katzen und sogar Kängurus. Die Erfolgsquote liegt bei 90 Prozent. „Die Suche steht und fällt mit dem Geruch“, sagt Kümpers. „Daher empfiehlt es sich, mit einer Kompresse am Maul seines Tieres zu wischen und diese in einem sauberen Einwegglas kühl aufzubewahren.“ Mit einem Datum versehen und alle drei Monate durch eine frische ersetzen. Dabei Gummihandschuhe tragen.

Hilfe bei der Suche eines vermissten Tieres gibt es bei Ariane Kümpers unter Telefon 0151/62 61 48 96. Weitere Infos auf www.suchhunde-pinneberg.de.