Pinneberg
Schulpolitik

Eltern protestieren vor dem Quickborner Rat

Mit Plakaten und Spruchbändern machten 150 Eltern und Schüler ihrem Ärger lautstark vor der Ratssitzung in Quickborn Luft

Mit Plakaten und Spruchbändern machten 150 Eltern und Schüler ihrem Ärger lautstark vor der Ratssitzung in Quickborn Luft

Foto: Burkhard Fuchs

Die freie Gemeinschaftsschule in Quickborn steht vor dem Aus, weil der geplante Standort zu laut sein soll und wohl nicht genehmigt wird.

Quickborn. So gut besucht war eine Quickborner Ratssitzung noch nie. 150 Eltern und Schüler machten ihrem Ärger Luft. Ihr Vorwurf: Die freie Gemeinschaftsschule, die zurzeit 80 Schüler betreut, hänge vom 1. August an in der Luft, weil ein neuer passender Standort für die Container fehlt. Und der bereits beschlossene Umzug der Goetheschule ins Schulzentrum-Süd wurde erneut lautstark abgelehnt.

Am kniffligsten scheint die Situation zurzeit für die Privatschule von Johannitern und der Anerkannten Schulgesellschaft (ASG) zu sein, die bis zum Sommer 2016 am Justus-von-Liebig-Ring ein neues Gebäude errichten wollen. Ihr jetziges Containerdorf muss bis Ende Juli woanders wieder aufgebaut werden. Doch erst am Donnerstag wurde der dafür erforderliche Bauantrag bei der Kreisbauaufsicht eingereicht.

Lärmpegel von bis zu 70 Dezibel gemessen

Ob dieser Standort auf einer Fläche am Kreisel unweit des jetzigen allerdings genehmigt wird, ist zweifelhaft. „Eine generelle Zulässigkeit ist nicht gegeben“, sagt Kreissprecher Oliver Carstens. Bürgermeister Thomas Köppl hält den Standort für ungeeignet. „Die Schüler wären von drei Seiten dem Lärm ausgesetzt: von der Straße, der AKN-Bahn und der Malchower Brücke. Da würde kein Mensch eine öffentliche Schule bauen.“ Ein Gutachten habe im Januar dort einen Lärmpegel von 60 bis 70 Dezibel gemessen, zwei bis vier Mal so hoch wie erlaubt, sagt Stadtplanerin Renate Hegemann.

Elternvertreterin Anna Graf kann das nicht nachvollziehen. Der Schulträger werde seinerseits ein Lärmgutachten vorlegen, das sicherstelle, dass die Grenzwerte eingehalten werden, kündigt sie an. Dass jetzt dieser Zeitdruck entstanden ist, sei kein Versäumnis des Schulträgers. Die Behörden in Quickborn und Elmshorn würden das Problem aussitzen. Zunächst plante die Privatschule, ein Bürogebäude als Zwischenlösung umzubauen. Dieser Antrag sei bis heute nicht beschieden.

Maike Möller, frühere Leiterin der Johanniterschule, die 2013 ihre Neubaupläne auf dem Gelände der ehemaligen Schokoladenfabrik wieder aufgab, plädierte an die Politiker, der Privatschule ungenutzte Räume in der Ernst-Barlach-Schule anzubieten. Dem erteilte SPD-Ratsherr Karl-Heinz Marrek eine klare Absage: „Es geht nicht, dass wir auf dem Rücken der staatlichen Schulen eine private Schule fördern.“

80 Schüler nach Sommerferien ohne Schule?

Eine Lösung dieser Problematik ist somit ungewiss. Schulleiter Elmar Süß von der ASG will sich zurzeit aus taktischen Gründen dazu öffentlich nicht äußern. Dass die Aufstellung der Container nahe der Brücke genehmigt wird, erscheint angesichts der Lärmfrage unwahrscheinlich. Der Neubauantrag auf demselben Gelände, der formal noch nicht gestellt ist, hätte sich dann erledigt. Allerdings droht so das Szenario, dass nach den Sommerferien
80 Schüler andere Schulen aufsuchen müssten, die noch dazu eine Ganztagsbetreuung erforderlich machen. Eile ist also für beide Seiten geboten.

Noch weniger Aussicht auf Erfüllung hat der Wunsch der Eltern von der Goetheschule, dass deren Standort erhalten bleibt. Bis 2017 sollen die Grundschüler in die frühere Realschule umziehen, hat der Rat beschlossen. Das wollen die Eltern nicht hinnehmen, die zum wiederholten Male der Politik Hunderte von Protestunterschriften übergaben. Doch eine Sanierung des alten Schulgebäudes komme aus Kostengründen nicht in Frage, sagte Bürgermeister Köppl. Das würde die Stadt mit sechs Millionen Euro belasten, zusätzlich zu den 15,4 Millionen Euro, die die Umgestaltung des Schulzentrums Süd kosten. „Das würde uns die Kommunalaufsicht nicht genehmigen.“