Pinneberg
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Erlösende Nachricht für leukämiekranken Simon

Foto: privat

Spenderin für an Leukämie erkrankten Pinneberger gefunden. 26-Jähriger wird auf Stammzelltransplantation vorbereitet

Pinneberg. Für Simon und seine Familie war dieses Wochenende ein ausgesprochen gutes. Gleich zwei erlösende Nachrichten erreichten den an Leukämie leidenden Pinneberger am Krankenbett: Eine passende Spenderin wurde gefunden, der dringend benötigten Stammzelltransplantation steht somit nichts mehr im Wege. Zudem bereitete der Hamburger Sportverein dem leidenschaftlichen Fan mit dem Sieg über Augsburg ein weiteres Geschenk. Das Spiel verfolgte der 26-Jährige im Radio am Sonnabend bereits auf der Transplantationsstation, wohin er nach der guten Nachricht gleich verlegt wurde.

Hier bereiten ihn die Ärzte auf den Eingriff vor. Vor dem Pinneberger liegen noch ein paar schwere Tage. Mit einer starken Chemotherapie und anschließender Bestrahlung sollen möglichst alle Krebszellen getötet werden und so den neuen Stammzellen ein möglichst guter Start verschafft werden. Die Transplantation ist für Ende April, Anfang Mai geplant, wie sein Vater Christian A. am Montag berichtet. Acht Stunden war die Familie am Sonnabend im Krankenhaus, sprach mit den Ärzten über die anstehende Zeit. Leicht wird es nicht. Das wissen sie. „Simon hat eine sehr aggressive Leukämie. „Die Voraussetzungen sind nicht so gut“, sagt der 55-Jährige. „Aber wir sind sehr froh, dass wir einen Spender gefunden haben. Damit sind wir einen großen Schritt weiter. Ob dann alles klappt, wissen wir nicht.“

Gewissheit gibt es erst etwa zwei Wochen nach der Transplantation. Dann ist absehbar, ob Simons Körper die Stammzellen annimmt. Mit den nötigen Vorbereitungen und der Therapie wurde bereits am Sonnabend begonnen. „Die Chemo nimmt ihn sichtlich mit. Bei unserem letzten Besuch ist eingeschlafen“, sagt sein Papa. Ob Freundin Sarah, die Eltern, die beiden Schwestern oder Freunde – sie alle unterstützen Simon in seinem Kampf gegen den Krebs, besuchen ihn täglich.

Die Transplantation, die für den an Blutkrebs leidenden Pinneberger überlebenswichtig ist, ist überhaupt nur dank der Hilfe einer Frau aus Europa möglich. Mehr weiß die Familie nicht über die Spenderin, die das Leben von Simon retten könnte. Aus Datenschutzgründen haben die betroffenen Spender und Empfänger erst nach zwei Jahren die Möglichkeit, mehr über einander zu erfahren – wenn es beide denn wollen.

Klar ist, dass sich die Frau als Stammzellspenderin registrieren ließ und damit in der weltweiten Knochenmarkspenderdatei zu finden war. Klar ist auch, dass ihre Stammzellen mit denen von Simon fast identisch sein müssen. Anders würde die Transplantation nicht gelingen. In der Regel vererben Eltern ihren Kindern die Gewebemerkmale. Dennoch findet sich nur bei einem Drittel der Leukämiepatienten innerhalb der Familie ein geeigneter Spender. Der Großteil muss seinen genetischen Zwilling suchen. So wie in Simons Falls.

Am 28. März organisierten Familie und Freunde deshalb auch eine Typisierungsaktion im Elmshorner Kreishaus. 2100 Menschen nahmen diese Gelegenheit wahr und ließen sich registrieren. Da die Auswertung der Daten zwischen acht bis zehn Wochen dauert, ist es laut Christian A. auch unwahrscheinlich, dass die Spenderin dank der Aktion am 28. März gefunden wurde. Trotzdem ist er stolz darauf, dass die Familie innerhalb von zwölf Tagen die Aktion auf die Beine stellen konnte. „Wenn so einem anderem geholfen werden kann, ist das auch gut.“

Die Chance für Betroffene, ihren Zwilling zu finden, hat auch Simons heiß geliebter HSV am Sonnabend weiter erhöht. Anlässlich des Bundesligaspiels warb der Supporters Club dafür, sich für Simon und andere in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. Auch dank der Helfer des UKE kamen so 1112 neue Spender zusammen.

Registrieren lassen kann sich jeder, der zwischen 18 und 55 Jahre alt und gesund ist. Wer sich nicht registrieren lassen kann oder will, der kann auch anders helfen. Denn jede Typisierungsaktion kostet Geld, pro neuem Aufgenommenen rund 50 Euro. Die sollen den Freiwilligen nicht in Rechnung gestellt werden, und so ist die DKMS auf Spenden angewiesen. Auf dem Spendenkonto für Simon sind laut Stand von Montag bereits 54.142 Euro eingegangen. „Das ist sehr erfreulich. Allerdings ist das nur die Hälfte der Kosten, die durch die Aktion entstanden sind“, so Annika Schirmacher von der DKMS. Weitere Infos wie Helfer spenden können gibt’s unter www.dkms.de/de/geld-spenden.