Pinneberg
Schenefeld

Bürokratie: Übungsplätze für Hunde stehen vor dem Aus

Susanne Venthien und Frank Sander kämpfen für den Übungsplatz in Schenefeld

Susanne Venthien und Frank Sander kämpfen für den Übungsplatz in Schenefeld

Foto: Katy Krause

Auf dem Gebiet des Schenefelder Übungsplatzes sind bauliche Anlagen wie Trainingsgeräte nicht erlaubt. Kreis ordnet Räumung an

Schenefeld. Wenn der Hund sein Herrchen spazieren führt, wenn Bello und Fiffi nicht gehorchen oder Bulldogge Buster zunehmend aggressiv wird, dann sind Susanne Venthien und Frank Sander oft die letzte Rettung. Die beiden arbeiten seit Jahrzehnten als Hundetrainer im Kreis Pinneberg. Sie helfen Hundehaltern, die an ihren Vierbeinern verzweifeln. Doch derzeit haben die Tierspezialisten selbst dringend Hilfe nötig. Denn vor einigen Wochen flatterte ihnen Post von der Pinneberger Kreisverwaltung ins Haus. In dem Schreiben werden die Trainer darüber informiert, dass die Zeit der „Duldung“ der Hundeplätze in Schenefeld vorüber ist und sie diese Flächen bis Ende März räumen müssen.

Vor acht Jahren haben Venthien und Sander eine Weide in Schenefeld zur Pacht übernommen. Zwischen LSE und Halstenbeker Chaussee haben sie eine Anlaufstelle für Hundefreunde und deren Vierbeiner geschaffen. Das große Problem: Diese Fläche liegt im Außenbereich der Stadt. Hier sind bauliche Anlagen – und darunter fallen laut Gesetz auch die Spiel- und Trainingsgeräte für Hunde – verboten. Das war auch vor acht Jahren schon der Fall. Allerdings beabsichtigten die Politiker damals, den Flächennutzungsplan der Stadt zu überarbeiten. Dafür gab es eine politische Mehrheit, von der die Hunde­übungsplätze an dieser Stelle gewünscht waren, und die sie im neuen Flächennutzungsplan verankern wollte. Die Kreisverwaltung als zuständige Bauaufsichtsbehörde hielt deshalb still, duldete die Plätze bis heute.

Eine Bürgerinitiative zum Erhalt von Grünflächen, zahlreiche Auseinandersetzungen und Unterschriftensammlungen gegen weitere Wohn­bebauung sowie eine Kommunalwahl später liegen die Pläne von einst auf Eis. Die Änderung des Flächennutzungsplans wurde gestoppt. Mit den Hundeübungsplätzen hatte das nichts zu tun. Dennoch kommen sie jetzt offenbar unter die Räder. Der Kreis kann sie nicht länger dulden und verweist auf die Stadt. Die wiederum verweist auf den Kreis als zuständige Behörde.

„Jeder schiebt das Problem dem anderen zu“, sagt Venthien. „Für mich ist das aber essenziell. Ich muss für mich und meine Kinder sorgen.“ Im Unterschied zu Kollege Sander, der in Rellingen einen weiteren Übungsplatz hat, kann sie nirgendwoanders hin. Denn Flächen sind in der Metropol­region begehrt. Areale in Gewerbegebieten oder Bauland seien nicht zu bezahlen. „Alle möchten erzogene Hunde, aber wie das dann passieren soll, sagt uns keiner“, kritisiert Sander. Er und seine Kollegin zählen derzeit 115 Hundebesitzer zu ihren Kunden. In den vergangenen Jahren, so schätzen sie, haben etwa 700 Halter auf dem Schenefelder Platz mit ihren Hunden trainiert. Auch andere Kollegen in der Stadt sind betroffen.

„Das Hauptproblem bei den Hunde­übungsplätzen ist, dass diese baurechtlich nur zulässig sind, wenn eine Kommune oder Stadt eine entsprechende Nutzung im Flächennutzungsplan vorsieht“, erklärt Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung. Im Schenefeld sei das derzeit nicht mehr beabsichtigt. Dies hätte man den Betreibern des Hundeübungsplatzes mitgeteilt und sie zur Beseitigung des Platzes aufgefordert.

„Das ist doch Paragrafenreiterei. Haben wir in Deutschland keine anderen Probleme?“, fragt sich Venthien. Klar ist, dass der Fall jetzt nicht nur Stadtverwaltung und Bauaufsichts­behörde weiter beschäftigen wird, sondern auch die Politiker. Denn Vethien und Sander wollen ihren Übungsplatz nicht kampflos aufgeben. Am Mittwoch waren sie im Rathaus, suchten Hilfe bei Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. Die will das Thema nun noch einmal im Planungsausschuss am 23. April auf den Tisch bringen. „Hunde­schulen sind sehr sinnvoll für eine Stadt“, sagt Küchenhof. „Jeder Bürger möchte, dass sich Hunde benehmen. Demzufolge ist es nötig, dass die Tiere erzogen werden.“ Allerdings müssten die Politiker entscheiden, wie es weitergehen soll.

Einen Hoffnungsschimmer für die Tiertrainer gibt es vom Kreis: Sollten sich die Platzbetreiber und die Stadt doch noch einigen, werde die Behörde sich kooperativ verhalten und den Platz bis zur Änderung des Flächennutzungsplans dulden, so Carstens. „Dies zeichnet sich nach unserem Kenntnisstand im Moment aber nicht ab.“

Das Skurrile: In der Schenefelder Kommunalpolitik sieht man das ganz anders. Die Grundstimmung gegenüber den Hundeschulen ist fast durchweg wohlwollend. „Wenn Hunde üben können und hinterher auch ihre Besitzer sich besser verhalten, ist das doch positiv“, so Ronald Vierke, der für die SPD im Planungsausschuss sitzt. Allerdings vermutet er, dass es schwer wird, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Ausschusschef Mathias Schmitz (Grüne) ist optimistischer: „Irgendwie findet sich eine Lösung. Ob an diesem Standort, das müssen wir sehen.“