Pinneberg
Prozess

Rellinger muss wegen Vergewaltigung ins Gefängnis

Der Eingang zum Landgericht in Itzehoe

Der Eingang zum Landgericht in Itzehoe

Foto: Carsten Rehder / picture alliance / dpa

Landgericht Itzehoe verurteilt den 32-Jährigen wegen einer Vergewaltigung im Elmshorner Steindammpark zu zweieinhalb Jahren Haft.

Elmshorn/Rellingen.  Firat U. vergrub seinen Kopf in den Armen. Er wollte nicht hören, was der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing zu sagen hatte. Gerade hatte dieser den 32-Jährigen zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt – wegen Vergewaltigung. Nach Überzeugung der 2. Strafkammer des Landgerichts Itzehoe hat der Rellinger am späten Abend des 23. September 2014 im Elmshorner Steindammpark die 24 Jahre alte Isabell B. mit Gewalt zum Sex gezwungen.

„Die ganze Darstellung des Angeklagten halten wir schlichtweg für lebensfremd und in keiner Weise nachvollziehbar“, so Hülsing. Firat U. hatte angegeben, Isabell B. in der Regionalbahn gegenübergesessen und sie dort mehrfach berührt zu haben. In Elmshorn seien beide ausgestiegen, ohne viele Worte in den Park gegangen und hätten dort im Gebüsch Sex gehabt.

Isabell B. war am Tag zuvor nach Dresden gereist und die ganze Nacht durchgefahren. Sie nahm dort einen Gerichtstermin wahr, der für sie schlecht lief. Aus Frust trank sie zwei Bier und eine kleine Flasche Wodka, dann fuhr sie zurück. An das Kern­geschehen im Steindammpark wollte sie sich nur bruchstückhaft erinnern können. „Die Frau kannte sie vorher nicht. Sie haben ausgesagt, dass es im Zug keinerlei Konservation gegeben hat. Warum hätte die Frau sie dann freiwillig küssen, mit ihnen ins Gebüsch gehen und sich dort selbst ausziehen sollen“, fragte der Richter.

Gegen diese Einlassung spreche auch der Zustand der 24-Jährigen nach dem angeblich einvernehmlichen Sex. „Nicht einer, nicht zwei, nein fünf Zeugen haben beschrieben, dass die Frau völlig in Tränen aufgelöst war, dass sie am ganzen Körper zitterte und apathisch in der Ecke kauerte.“ Indizien, dass Isabell B. den Angeklagten zu Unrecht belasten könnte, gebe es keine. „Sie haben die Situation im Zug ausgenutzt, haben erkannt, dass die Frau ein leichtes Opfer darstellt“, so Hülsing weiter. Beim Opfer gebe es tragfähige Anhaltspunkte für eine Verdrängung. „Das große Problem des Verfahrens war die mangelnde Erinnerung der Frau.“ Die Kammer sei überzeugt, dass sie „ein traumatisierendes Erlebnis mit dem Angeklagten gehabt hat“.

Zu diesem Ergebnis war zuvor auch Staatsanwältin Sarah Führer gekommen. Sie forderte für den Angeklagten drei Jahre und drei Monate Haft. Verteidiger Henry Brendel kam dagegen zu einem ganz anderen Ergebnis. „Ich habe ganz große Zweifel“, so Brendel. Aufgrund der Erinnerungs­lücken des Opfers gebe es keine objektiven Tatsachen, die für einen erzwungenen Geschlechtsverkehr sprächen. Dagegen spreche auch die ärztliche Untersuchung, die keine Verletzungen bei dem Opfer ergeben habe.