Pinneberg
Pinneberg

Waschen, saugen, polieren – Schönheitskur fürs Auto

Stephan Schröder kämpft mit dem Sauger gegen hartnäckige Hundehaare

Stephan Schröder kämpft mit dem Sauger gegen hartnäckige Hundehaare

Foto: Marco Tripmaker

Der Frühling ist da, viele Pinneberger bringen ihr Auto auf Vordermann. Im Waschpark an der Mühlenstraße landen auch Rasenmäher.

Pinneberg. Winfried Jagolski ist kein Mann der großen Worte. Niemand, der zu Übertreibungen neigen würde oder diese nötig hätte. Man kann ihm also die Geschichte mit den Hunden in der Waschbox – passiert vor ein paar Jahren – beruhigt abkaufen. „Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Da standen tatsächlich zwei Hunde im Waschpark und wurden von ihrem Herrchen einshampooniert und abgebraust. Das ist wirklich passiert“, beteuert der 74-Jährige.

Winfried Jagolski muss es wissen. Er wohnt direkt an der Waschanlage an der Pinneberger Mühlenstraße und schaut für den Inhaber seit Jahrzehnten nach dem Rechten. An diesem sonnigen Frühlingstag kommen zwar keine Hunde zur Reinigung, aber dafür ein Mann mit Rasennmäher, einer mit hartnäckig haftenden Taubenkot an der Rückscheibe seines Wagens und ein Paar an seinem Hochzeitstag, das diesen Tag an der See verbringen möchte, allerdings nicht mit einem ungewaschenen Auto.

Das rote Schätzchen von Brigitte und Günther Preuschoff aus Pinneberg ist erst ein paar Tage alt. „Eigentlich schon ein Jahr. Haben wir gebraucht gekauft“, verrät der Rentner. Aber die Scheiben sind ihm noch nicht sauber genug, und im Kofferraum finden sich Spuren vom gerade angeschafften Kaminholz. Also, nichts wie in den Waschpark. Mit einem schmuddeligen, neuen Auto wollen die Preuschoffs nun auch nicht durch die Gegend fahren. „Zumal wir heute Hochzeitstag haben. Wir wollen nach Büsum“, erzählt Brigitte Preuschoff und poliert auf Geheiß ihres Gatten noch schnell die Türrahmen. „Da sammelt es sich immer.“

Auch in der Waschbox gibt es klareRegeln, die beachtet werden müssen

Ab April geht das Ehepaar mit dem Wohnmobil an Nord- und Ostsee auf Tour, aber für die Stadt ist der kleine Flitzer natürlich praktischer. „Wir sind ohnehin recht reiselustig, waren gerade mit dem Bus in Cornwall“, sagt Günther Preuschoff und rückt mit dem Lederlappen der Frontscheibe seines Autos zu Leibe.

Doch die Jubilare haben nicht mit Winfried Jagolski gerechnet, der über den großzügigen Hof zur Waschbox Nummer vier geeilt kommt. „Ich empfehle Ihnen unbedingt das Perlmittelprogramm. Müssen Sie haben. Perlt alles ab und trocknet fast von allein.“ Gesagt getan. Günther Preuschoff sprüht den Dacia erneut ab, und tatsächlich zieht sich die Feuchtigkeit wie magisch zusammen. „Vielen Dank für den Tipp und schönen Tag noch!“

Er hätte tatsächlich schön werden können. Wenn nicht die korpulente Frau mit dem Pferdeanhänger gewesen wäre. Mit einem Affenzahn fährt sie auf Box Nummer drei zu. Winfried Jagolski ist fassungslos. Schüttelt den Kopf und prescht, fit wie ein Mitfünziger, auf das Gespann zu. „Hey, hey, hey. Zurück! Sie fahren mir ja das ganze Dach ab. Dort hinten haben wir extra einen Freiwaschplatz. Steht doch auch groß dran.“

Gut, dass einer wie Jagolski aufpasst. Er kennt den Inhaber des Hobby-Waschparks, Klaus Karde, gefühlt schon seit Ewigkeiten. „Das Ganze hier ist 1978 aus einem Baugeschäft hervorgegangen. Deshalb haben die Autos hier auch so viel Platz zum Rangieren.“ Winfried Jagolski hat immer einen Blick auf die Anlage, schließlich wohnt er direkt vorn an der Straße. „Mit exklusiver Aussicht aus dem Schlafzimmer“, scherzt er.

Der 74-Jährige füllt Chemikalien zum Waschen nach, prüft die Bürsten und Sauger und weist auch mal die Kunden ein, wenn es wie an schönen Wochenendtagen besonders voll ist. „Wir haben hier jeden Tag von sechs bis 22 Uhr geöffnet – auch sonntags.“

Wolfgang Timm aus Pinneberg steht mit einem gefährlich anmutenden Ungetüm in der Box und strahlt Dreck von den spitzen Zacken. „Das ist ein Balkenmäher. Ich habe gerade die Grabenkante sauber geschnitten. Wenn man solche Geräte nicht regelmäßig pflegt, sind sie schnell hinüber. Ich finde, für drei Euro ist das hier eine saubere Sache.“

Winfried Jagolski, der mit den vielen Stammkunden per Du ist, fügt hinzu: „Es kommen auch viele Kunden mit Motorrädern und Booten zu uns. Oder wie dort. Leute mit Reifen.“ Der 74-Jährige zeigt auf den benachbarten Waschplatz, wo sich ein Ruheständler mit Hochdruckpistole, Schlauch und schweren Sommerreifen abkämpft.

Stephan Schröder aus Appen plagen ganz andere Sorgen. Er hat seine Stirn in Falten gelegt, während er die Heckscheibe seines Wagens abstrahlt, den Pistolenkopf aus kaum zwei Zentimetern Entfernung auf das Glas gerichtet. Dann ist Erleichterung in seinem Gesicht zu erkennen.

Obwohl es nur ein Gebrauchsgegenstand ist, soll das Auto sauber sein

„Alles weg. Gott sei Dank. Ich bin nur hier, weil mir eine Taube draufgekackt hat. So ein Placken“, sagt er und formt mit den Händen einen Kreis groß wie ein Pfannkuchen. „Ist alles die Scheibe runtergelaufen. Muss man sofort wegmachen. Frisst sich sonst richtig rein, das Zeug.“ Sauber sein müsse so ein Auto generell schon, „auch wenn es ein Gebrauchsgegenstand bleibt“, meint Stephan Schröder, der sich mittlerweile zu den Staubsaugern vorgearbeitet hat.

Denn Golden-Retriever-Hündin Peida macht ihm zu schaffen, beziehungsweise viel mehr ihre widerspenstigen Haare. „Der Kofferraum ist bald mal wieder dran. Muss dringend ausgeseift werden. Kriegt man kaum wieder raus die Haare“, weiß Schröder.

Dann fällt ihm ein: „Dafür gibt es doch so spezielle Handschuhe.“ Winfried Jagolski, der längst auch bei seinem Stammkunden an der Saugstation angekommen ist, nickt zustimmend mit dem Kopf: „Jo, damit kriegste alles weg.“