Pinneberg
Itzehoe

Angeklagter lehnt Angebot des Gerichtes ab

Bei Geständnis hätte der mutmaßliche Brandstifter André M. eine Strafe von maximal drei Jahren erhalten. Doch der Rellinger schweigt

Rellingen/Itzehoe. Bevor André M. am Ende des zweiten Prozesstages den Rückweg in seine Zelle antreten musste, wurde der 27-Jährige richtig gesprächig. Er tauschte sich mit seinen Eltern über Neuigkeiten von Zuhause aus, wünschte ihnen einen guten Heimweg und lobte eine Bekannte für ihre neue Tätowierung. Dann führten zwei Justizbeamte den schmächtigen Rellinger in Handschellen ab.

Während der Verhandlung vor dem Amtsgericht Itzehoe zeigte sich der mutmaßliche Feuerteufel von Rellingen genauso schweigsam wie seine Eltern. Kurz und knapp erklärten sie, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen. Ausführlich schilderten dagegen fünf Zeugen, darunter vier Polizisten, die Umstände der Festnahme am 8. September 2014. An diesem Abend endete eine Serie von Brandstiftungen und Sachbeschädigungen, die Rellingens Einwohner in Angst und Schrecken versetzte.

Vor Gericht geht es nach wie vor nur um die drei Taten vom 8. September. Die Polizei hatte zahlreiche Kräfte rund um die Wohnung der Familie M. zusammengezogen. An den Fenstern diverser Nachbarwohnungen, die freien Blick auf das Haus des Verdächtigen und dessen Umfeld gewährten, waren Zivilbeamte postiert. Auch mehrere Kameras überwachten den Bereich.

„Wir haben ihn durchgängig seit mindestens Ende Juli observiert“, berichtete Polizist Jan-Hendrik F.. Er schilderte, wie der Angeklagte aus dem Haus kam und sich aus einer Altpapiertonne mit brennbarem Material bediente. „Zehn Minuten später kam er ohne Zeitungspapier zurück. Ich habe das Haus verlassen, nachgesehen und brennendes Papier unter dem Reifen eines Fahrzeuges herausgezogen und gelöscht“, schilderte der Polizist. Einige Zeit später sei André M. mit seinem Vater aus dem Haus gekommen.

„Sie leuchteten mit Taschenlampen die Umgebung ab und unterhielten sich lautstark, so als wollten sie bemerkt werden.“ Als der Vater wieder reinging, habe der Angeklagte sich erneut Papier aus der Tonne geholt. „Er duckte sich mehrfach zwischen zwei Fahrzeugen ab, dann sah ich den Feuerschein. Daraufhin erfolgte der Zugriff.“

Renate von R., die der Polizei ihre Wohnung für die Observation zur Verfügung gestellt hatte, bestätigte die Angaben. „Ich schlafe nachts wenig und sitze viel vor dem Fenster, auch wenn da normalerweise nur wenig los ist.“ Das war jedoch in jener Nacht anders. Drei Polizisten befanden sich in der Wohnung der Rellingerin, einer sogar in ihrem Schlafzimmer.

„Ich habe auf dem Bett gestanden, um über ihn rückergucken zu können“, so die 74-Jährige. Dabei sah sie, wie André M. mehrfach unter den wachsamen Augen der Staatsgewalt zündelte und schließlich vor seiner Wohnungstür überwältigt wurde. Dann verließ die Rentnerin den Logenplatz. „Für mich war das erledigt, irgendwann musste ja mal Schluss sein.“

Zu Beginn der Sachbeschädigungsserie vernahm das Gericht Christoph L. von der Kripo. Er berichtete, dass Anfang 2014 erste Anzeigen vorlagen, die von der Familie M. stammten. So soll es unter anderem auf der Fensterbank vor dem Fenster von André M. gebrannt haben, außerdem sei eine Bedrohung sowie ein Einbruchsdelikt aktenkundig geworden. „Es gibt Leute in Rellingen, die meinen Mandanten aufgrund seiner Vergangenheit dort nicht haben wollen“, kommentierte Verteidiger Thomas Penneke diese Aussage.

Nach einer Bombendrohung auf eine Schule sei im Mai erstmals die Wohnung von André M. durchsucht worden. Beweise fand die Polizei keine. Auch Drohungen, die der angebliche Brandstifter über Facebook äußerte, konnten nicht zu M. zurückverfolgt werden. Der Schreiber nutzte einen anonymen Tor-Browser, die hinterlegte Mailadresse stammte von Trashmail.

Der Prozess wird am 27. März fortgesetzt. Ob dann auch die beiden nachgeschobenen Anklagen mit zwölf Taten ins Verfahren einbezogen werden, bleibt unklar. Ein Angebot des Gerichts, wonach André M. im Gegenzug für ein Geständnis aller 15 Taten eine Strafobergrenze von drei Jahren erhalten hätte, lehnte die Verteidigung ab.