Pinneberg
Elmshorn

Auf der „Klostersande“ wird klar Schiff gemacht

Elmshorner Förderverein will den ausgedienten Frachter mit kulturellem Leben füllen

Elmshorn. Ein Kranwagen hievt eine 380 Kilogramm schwere Stahlplatte an Bord des Frachtschiffes „Klostersande“. Vorsichtig wird sie im vorderen Frachtraum auf die Halterungen aufgesetzt, mit denen sie verschweißt wird. Millimeterarbeit. Doch die Platte sitzt perfekt. Christian Bumann, Spezialist für Landmaschinen und Oldtimer-Fan aus Altenmoor, leitet die kleine Gruppe an Fachleuten an, die sich an diesem Sonnabend am Nordufer des Elmshorner Hafens zusammengefunden hat, um den Innenausbau des ehemaligen Kölln-Flocken-Frachters voranzutreiben. Andere Helfer machen mit Hochdruckreiniger an Deck klar Schiff.

Die 1,50 breite und 5,60 Meter lange Platte wird das Zwischendeck. An ihr soll eine zehnstufige Treppe installiert werden. Bislang mussten Besucher über eine Leiter ins Innere klettern. „Wir müssen bei künftigen Veranstaltungen für einen sicheren Zugang sorgen“, sagt Hans Barzel, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins MS Klostersande. Er veranschaulicht die Pläne an einem Modell im Maßstab 1:20, das er angefertigt hat. „Unter der Stahlkonstruktion soll eine Doppelstahltür zwischen den beiden Frachträumen eingebaut werden.“ Das ginge aber erst, wenn wieder etwas Geld in die Kasse käme. 800 Euro würde sie kosten. „Das Geld müssen wir erst noch aufbringen“, sagt der 69-Jährige. Er hofft darauf, dass die Elmshorner weiterhin spenden. „Jeder Euro zählt.“ Auch, um künftig eine Bühne, einen Tresen, Stühle und Tische anschaffen zu können.

Dank engagierter Bürger konnte Elmshorn ein Stück seiner Stadtgeschichte retten. Im Dezember konnte der im Juli 2013 gegründete Förderverein MS Klostersande das Binnenschiff „Klostersande“ kaufen. 55.000 Euro zahlt der Verein für das 1967 für die Peter Kölln Werke gebaute, 55 Meter lange und 6,62 Meter breite Schiff, das bis in das Jahr 2000 Hafer und Futtermittel über die Krückau transportierte. Die „Klostersande“ war mit einer Kapazität von 500 Tonnen das größte und letzte Schiff einer Viererflotte, das eingesetzt wurde. Es folgten mehrere Verkäufe, ehe 2011 Andreas Bätjer, Eigentümer der Firma PAN Pontonanlage Norderelbe, die „Klostersande“ erwarb. Im Mai 2013 kehrte das Schiff in den Elmshorner Hafen zurück, wo es bis heute liegt.

Seitdem sammelten engagierte Bürger Spenden, um das Stück Elmshorner Geschichte in der Stadt zu halten. Eigner Andreas Bätjer ist dem Verein wohlgesonnen und kam ihm beim Kaufpreis entgegen. „Wir haben zunächst 25.000 Euro angezahlt und überweisen dann sechs jährliche Raten von 5000 Euro“, sagt Barzel. Er hofft zudem auf Unterstützung in Form von Materialspenden durch Elmshorner Firmen und Gewerbetreibende, damit der Umbau zügig vorankommt.

Es gab zunächst einige Unstimmigkeiten über die Liegegebühren im Elmshorner Hafen – immerhin 600 Euro jeden Monat. „Die muss zwar auch die ‚Gloria‘ zahlen, bekommt den Betrag aber als Spende in gleicher Höhe von den Stadtwerken wieder“, sagt Barzel. Diesbezüglich sei der circa 80 Mitglieder starke Förderverein mit der Stadt noch im Gespräch. Auch darüber, wie die „Klostersande“ künftig genutzt werden soll. Der Verein wünscht sich einen Ort für Kulturveranstaltungen aller Art, einen Treffpunkt für Elmshorner aller Generationen. Der riesige Laderaum mit einer Breite von 6,60 Metern und über 40 Metern Länge bietet weit mehr als 250 Quadratmeter Fläche. Das Schiff könnte künftig als Café, Pub, für Lesungen, Theateraufführungen oder Tagungen genutzt werden.

Zwei Termine stehen schon fest: Beim dritten Schippertreffen in Elmshorn ist die „Klostersande“ bei der Zusammenkunft mit historischen Segelschiffen vom 5. bis 7. Juni dabei. „Das wird ein nettes Beisammensein mit Klönschnack, Matjes und Schipperklavier“, sagt Barzel. Das Industriemuseum sorgt unter anderem für ein attraktives Kinderprogramm. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Industriemuseum will sich die Mannschaft der Klostersande in diesem Jahr am 3. und 4. Oktober an den „Tagen der Industriekultur am Wasser“ in der Metropolregion Hamburg beteiligen.