Pinneberg
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Unternehmer sollen die Stadt beleben

Pinnebergs Stadtmarketing muss mit weniger Geld auskommen. City-Manager setzt auf Geschäftsleute, die als Event-Sponsoren auftreten

Pinneberg. Seit 2012 ist Dirk Matthiessen Wahl-Pinneberger. Der aus Heide an die Pinnau gewechselte City-Manager hat sich zum Ziel gesetzt, das Image der Kreisstadt aufzupolieren. Die Erwartungen der Politiker gehen viel weiter. Matthiessen soll Leerstände beseitigen. Und Veranstaltungen auf die Beine stellen, die positive Schlagzeilen bescheren. Dabei muss der Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins Jahr für Jahr mit weniger Geld auskommen. Die Anschubfinanzierung der Stadt wird sukzessive zurückgefahren. Zu spüren bekommen das jetzt auch all jene, die sich kulturell engagieren.

Ob SummerJazz-Festival oder Erntedank in Waldenau-Datum – künftig gibt es weniger Unterstützung vom Marketingverein. Im Fall des vom Hamburger Abendblatt präsentierten Kleinkunstfestivals Comedy & Arts, das jedes Jahr Tausende in die Innenstadt lockt, setzte sich Bürgermeisterin Urte Steinberg erfolgreich bei mehreren Sponsoren dafür ein, das Stadtmarketing bei dessen Beitrag zur Finanzierung der Veranstaltung zu unterstützen.

Ein Lösungsansatz, der für andere Veranstaltungen den Weg weisen könnte. Dass er auf größeres Engagement von Unternehmern hofft, daraus macht Matthiessen kein Geheimnis. „Wir setzen auch auf unsere Mitgliedbetriebe im Stadtmarketingverein“, sagt er. Es gehe darum, „gemeinsam Verantwortung für den Standort" zu übernehmen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Hatte das Stadtmarketing in seinem ersten Jahr 2012 noch mit 120.000 Euro von der Stadt kalkulieren können, wurde der Zuschuss 2013 bereits auf 100.000 Euro gekürzt. 2014 flossen noch 80.000 Euro. Von 2015 bis 2017 wird von 75.000 auf 60.000 Euro heruntergekocht. Ob danach überhaupt noch gefördert wird, ist angesichts der desaströsen Finanzlage der mit mehr als 100 Millionen Euro verschuldeten Stadt Pinneberg zumindest fraglich.

Die Finanzkrise, Hunderte Schüler, die gegen Baumängel und katastrophale Lernbedingungen protestieren: Matthiessen macht kein Geheimnis daraus, dass die aktuelle Situation den Imagewandel nicht unbedingt leichter macht. „Das sind betrübliche Nachrichten“, sagt er. Und spricht von „einem schwierigen Nährboden“ für die im Entstehen begriffene neue Marke Pinneberg.

Frustriert wirkt der City-Manager dennoch nicht. Er erkenne positive Signale. Etwa die vermehrte Bautätigkeit in der Kreisstadt. Die Volksbank investiert in der City. Das frühere Kreishausareal und die Eggerstedt-Kaserne sollen bebaut werden. „Wichtige Signale“, sagt Matthiessen. Wenn Investoren an die Stadt glaubten, setze das Zeichen.

Um die Finanzen des Pinneberger Stadtmarketings auch künftig auf eine solide Basis zu stellen, müssen neue Mitglieder gewonnen werden. Diesbezüglich sei eine positive Tendenz zu erkennen, so Matthiessen. So seien allein im Jahr 2014 zehn neue Mitglieder beigetreten. In der Regel sind das Betriebe. Die jährlich gezahlten Beiträge überträfen schon jetzt die Summe der städtischen Förderung. „Ziel ist es, Ende 2015 die 100.000 Euro-Marke zu knacken“, sagt Pinnebergs City-Manager.

Es gibt Kritiker, die die Schwerpunktsetzung des Pinneberger Stadtmarketings bemängeln. Matthiessen weiß das. Immerhin 60.000 Euro flossen in die aktuelle Marketingkampagne. Das knallrote „P“, der Schriftzug „Persönlich. Ehrlich. Anders“ – nicht jedermanns Sache. Allerdings hatten die Verantwortlichen von Anfang an betont, dass es darum gehe, zu provozieren. Aufmerksamkeit zu erregen. Dirk Matthiessen betont, dass „der große Aufschlag“ hinter ihm liege. Künftig werde nur noch punktuell in die Kampagne investiert. Mit gezielten Anzeigenaktionen etwa. Den City-Manager freut, dass die Stadtverwaltung ihren Auftritt auf das Markenbild ausgerichtet hat. Bei in der Stadt beheimateten Unternehmern sei es häufig schwieriger, Logo und Slogan im Briefkopf unterzubringen. Firmen hätten eben ihre eigene „Corporate Identity“. Derzeit verteilt Matthiessen kleine Sticker, die das rote „P“ zeigen. Pinnebergs Politiker etwa wurden bedacht – und gebeten, das Symbol am Revers zu tragen. Bürgermeisterin Urte Steinberg hat für die PR-Kampagne als Punkerin posiert: „Die Rückmeldungen von den Bürgern zu dem Markenauftritt sind überwiegend positiv. Kritische Stimmen gehören dazu“, sagt sie. Das Stadtmarketing entwickele sich „zum Erfolgsmodell“.

Geht es um die Veranstaltungen, stehen laut Matthiessen noch 50.000 Euro im Jahr zur Verfügung. Das Stadtmarketing schultere weiterhin die Verkaufsoffenen Sonntage. Zudem engagiere man sich für das Weihnachtsdorf und das Open-Air-Kino. Bei Comedy & Arts, das in diesem Jahr am 6. und 7. Juni steigt, ist der Verein Veranstalter.