Pinneberg
Kreis Pinneberg

„Oft fehlt einfach das Verständnis“

Axel Vogt ist erster Beauftragter für etwa 22.000 Menschen mit Behinderung im Kreis Pinneberg

Kreis Pinneberg. Als Vater eines schwerstbehinderten Jungen, der von Geburt an wegen Zerebralparese (Bewegungsstörung) auf Pflege angewiesen ist, weiß Axel Vogt, mit welchen Schwierigkeiten Betroffene und deren Angehörige täglich zu kämpfen haben. Nun ist der 55-Jährige erster offizieller Beauftragter des Kreises Pinneberg für die etwa 22.000 hier lebenden Menschen mit Handicaps. Seine persönlichen Erfahrungen seien der Auslöser gewesen, sich auf das Ehrenamt zu bewerben, sagt der Pinneberger. „Denn die ehrenamtliche Arbeit hält unsere Gesellschaft zusammen.“

Seine Aufgabe werde nicht leicht sein, ahnt Vogt, der beruflich in Kiel die Immobilienabteilung der Investitionsbank Schleswig-Holsteins leitet. Behinderte hätten ständig und überall mit Hemmnissen und Problemen zu kämpfen. So fehlten oft Fahrstühle, und Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer müssten dann Treppen überwinden, um Arzt, Bahn oder Behörde zu erreichen. An Bushaltestellen und Bahnhöfen seien sie mit unüberwindbaren Absätzen konfrontiert. Müssten sie Hilfsmittel von der Kranken- oder Pflegekasse finanziert haben, „dauert es immer ewig“, so Vogt. Entsprechende Anträge würden mindestens drei, oft sechs Monate lang geprüft und bearbeitet.

Diese Hürden sollten abgebaut und Anträge müssten viel schneller bearbeitet werden, fordert Vogt. Es gebe Fälle, in denen das beantragte Hilfsmittel gar nicht mehr ausreiche, wenn es endlich genehmigt ist. Oft fehle den Sachbearbeitern einfach das Verständnis, sich in die Problemlage hineinzuversetzen. Es dürfe auch nicht mehr passieren, dass Eltern bei der Arbeit informiert werden, dass ihr behindertes Kind eine Stunde früher nach Hause kommen müsse, weil der Unterricht ausfällt. „Hier muss es Verlässlichkeit geben.“

Seinen ersten Fall hat Vogt bereits auf dem Tisch. Es geht um ältere Menschen mit Rollatoren und Rollstuhlfahrer, die nicht ins Schwimmbad könnten, weil der Dusch- und Umkleidebereich viel zu eng gebaut sei. Darum werde er sich kümmern, verspricht Vogt. Schon in dieser Woche habe er dazu einen Ortstermin mit dem zuständigen Badleiter vereinbart. Er will ihn überzeugen, bei dem ohnehin geplanten Umbau des Bades die Duschen und Umkleiden großzügiger zu gestalten. Er werde sich nicht um jeden Einzelfall kümmern können, so Vogt. Aber er werde sich jeden Hilferuf und Problemfall anhören. Grundsätzliche Problemstellungen, die viele Menschen betreffen, werde er öffentlich machen. Auch werde er versuchen, mit Behörden, Pflegekassen, Einrichtungen und Firmen eine vernünftige Lösung für das Problem zu finden.

Vogt sieht sich nicht als Einzelkämpfer. „Ich muss mich vernetzen.“ So werde er sich mit dem Landes- und anderen Kreisbeauftragten für behinderte Menschen absprechen. Auch die Behindertenverbände im Kreis Pinneberg wolle er ansprechen. „Das gesamte Hilfsangebot muss bekannter gemacht und besser koordiniert werden.“ So gebe es durchaus die Möglichkeit für Angehörige – in vielen Fällen alleinerziehende Mütter –, von der Krankenkasse stundenweise Betreuungshilfen bezahlt zu bekommen. „Darauf hat jeder ein Anrecht, und wenn es nur darum geht, mal zum Friseur zu gehen.“

Für Anfragen und Anregungen ist Vogt unter der Telefonnummer 04121/45025800 und per E-Mail an beauftragter@kreis-pinneberg.de erreichbar. „Ein Büro im Kreishaus brauche ich nicht“, sagt er. „Ich komme aber gern ins Haus, um die Probleme mit den Betroffenen zu besprechen.“ Axel Vogt ist zunächst für zwei Jahre bestellt. Bis Ende 2016 soll er dem Kreistag empfehlen, ob diese Aufgabe weiterhin von einem Beauftragten oder einem Beirat am besten erledigt werden kann.