Pinneberg
Schenefeld

Schenefelder boxen sich durch

Kriminalpräventiver Rat der Stadt und Polizei organisieren kostenloses Angebot für Kinder und Jugendliche

Schenefeld. Dienstag, 15.50 Uhr, im ersten Stock der Fitnessworld in Schenefeld fliegen die Fäuste. Doch was jetzt sehr gewalttätig klingt, soll genau das Gegenteil bewirken. „Boxen statt Gewalt“ lautet das Motto des neuen Präventionsprojekts für Jugendliche, das der Kriminalpräventive Rat der Stadt ins Lebens gerufen hat. Einmal pro Woche treffen sich die Schüler im Alter von zwölf bis 16 Jahren eine Stunde lang, um ihre Grenzen auszutesten, um Regeln zu lernen und um sich auszupowern.

An diesem Dienstag sind es zwölf Jugendliche, die alle auf ein Kommando hören – und zwar das von Alexander Finck. Autorität auszustrahlen, ist der 44-Jährige gewöhnt. Immerhin arbeitet der Schenefelder auf der örtlichen Polizeiwache. Finck ist Polizeioberkommissar und leidenschaftlicher Boxer. Seit mehr als 20 Jahren hält er sich so fit. „Es gibt kaum einen Sport, bei dem man so schnell an seine körperlichen Grenzen kommt“, sagt Finck. Aus seiner Sicht ist die Sportart optimal, um den Jugendlichen wichtige Werte zu vermitteln. Durchhaltevermögen, Disziplin und Fleiß: Nur mit diesen Eigenschaften erreiche man etwas beim Boxen. Werte, die den Jugendlichen laut Finck dann auch dabei helfen, sich im Berufsleben durchzuboxen.

Der Polizist steht voll hinter der Idee, leitet den Kursus ehrenamtlich. Es ist wohl die Mischung aus seinem autoritären Auftreten und seinem Engagement, dass die Jugendlichen dazu bringt, durchzuhalten. Auch wenn sie bei so mancher Übungsanweisung verzweifelt aufstöhnen. Finck stellt kurze, präzise Aufgaben. Anfangs werden die Muskeln aufgewärmt und gedehnt. Später geht es an die Boxsäcke. Immer im Zweierteam. Denn eines der wichtigsten Ziele des Präventionsprojektes ist es, die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen zu stärken. Beim Draufhauen auf den Boxsack geht es eben um das Gegenteil vom Problemlösen durchs Draufhauen.

„Wir vermitteln den Kindern im Training und in persönlichen Gesprächen grundlegende Werte durch sportliche Ziele. Durch die sportlichen Erfolge erfahren sie Anerkennung und lernen, dass sich Leistung lohnt“, sagt Jörg Wilcke, Mitglied in der AG und Mitarbeiter im Jugend- und Kommunikationszentrum Schenefeld (JUKS). Er ist sich sicher: „So formen wir in den Reihen der Kinder eigene Vorbilder und bieten Orientierung für eine spätere berufliche Entwicklung.“ Ein erwünschter Nebeneffekt ist der Kontakt zwischen Polizei und der Schenefelder Jugend. So lernen die Jugendlichen Finck als Respektperson aber auch als jemanden kennen, dem sie vertrauen können. Das ist Finck seine Freizeit wert.

Mit der Stoppuhr in der Hand durchschreitet er die Boxerreihen. Es ist mittlerweile an diesem Dienstag 16.20 Uhr geworden. Die Kursstunde nähert sich ihrem Ende. Doch nun müssen noch einmal alle ran. Wobei es nun nicht mehr ums Boxen geht, sondern vielmehr ums Laufen. 30 Sekunden intensiv auf einer Stelle trippeln. Danach gibt es eine kurze Pause und wieder trippeln. Das soll die Ausdauer verbessern, so Finck. Die ist bei einigen verbesserungswürdig. Viele der Schüler machen ansonsten überhaupt keinen Sport. Ihre Freizeit verbringen sie am Computer.

Einige Jugendliche haben vorher überhaupt keinen Sport gemacht

Der Boxkursus ist für manche bereits zum Einstieg in eine andere aktivere Freizeitgestaltung geworden, wie Stefanie Wahl weiß. Die Vertrauenslehrerin an der Schenefelder Gemeinschaftsschule ist Mitglied im Rat für Kriminalprävention und berichtet: „Eine Schülerin hat sich durch den Boxkursus bereits sehr verändert“. Sie sei selbstbewusster geworden. Vorher habe sie überhaupt keinen Sport gemacht, jetzt würde sie außer dem Boxen auch weiteren Sport machen.

Im Oktober vergangenen Jahres hoben die Organisatoren das Projekt aus der Taufe, testweise. Nach knapp einem halben Jahr ziehen die Mitglieder der Arbeitsgruppe Umfeldverbesserung des Kriminalpräventiven Rates eine durchweg positive Bilanz. Die Teilnehmerzahl sei konstant. Etwa 20 Jugendliche nehmen das kostenlose Angebot wahr, überwältigende 80 hatten Interesse an dem Kursus angemeldet. Dass regelmäßig trainiert werden kann, machten eine Spende des Kriminalpräventive Rates – 200 Euro für Boxhandschuhe –, die Bereitschaft des Fitnessworld-Betreibers, die Räume zur Verfügung zu stellen, und das ehrenamtliche Engagement von Finck möglich.