Pinneberg
Tornesch

Eine Region mistet aus

Täglich bringen rund 300 Kunden ihren Sperrmüll zum Recyclinghof in Tornesch – insgesamt 18.500 Tonnen im Jahr

Tornesch. Die Tage werden länger, und viele Pinneberger befreien ihre Keller und Gartenhäuschen vom Sperrmüll. Mit kaputten Gartenstühlen, alten Fernsehern und dem ersten Grünschnitt geht es dann zum Recyclinghof nach Tornesch. Durchschnittlich 300 Kunden täglich liefern dort ihren Müll ab – insgesamt 18.500 Tonnen im Jahr.

Ein lachender Buddha müsste man sein. Dann könnte man nachschauen, ob die Leute ihren Müll auch in die richtigen Container schmeißen und ihnen gegebenenfalls Glück bringen. Man könnte auch einfach nur gute Laune ausstrahlen an trüben Tornescher Tagen. Es ist bestimmt kein schlechtes Leben als Buddha im Hasenkamp, auf dem Einfahrtsvordach des Tornescher Recyclinghofs. Vor allem kein langweiliges. Denn in diesen Tagen herrscht dort ein Kommen und Gehen. Gerd Ihlenfeld aus Pinneberg hat sich an diesem Tag einiges vorgenommen. Seine alte rote Couchgarnitur muss unbedingt weg, die neue Sofalandschaft steht längst bereit. Geschickt rangiert Ihlenfeld den Anhänger vor den richtigen Container. Ruckzuck sind Zweisitzer und Sessel entsorgt, und Gerd Ihlenfeld braust wieder vom Hof.

„Vor allem am Sonnabend ist hier die Hölle los. Freitags räumen die Leute ihren Kram zusammen, und einen Tag später stehen sie dann bei uns auf der Matte“, weiß Dirk Portala, der bei der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung (GAB) den Recyclinghof leitet. Acht Mitarbeiter sind am Hasenkamp tätig. Die Kunden können Sperrmüll gratis abgeben, Bauschutt kostet 12,50 Euro bis 100 Kilogramm. „Wenn es richtig voll ist, muss man schon mal 20 Minuten Schlange stehen“, sagt Portala. Doch einen wie ihn kann so etwas nicht schocken, bringt ja nichts, wenn auch noch der Chef hektisch wird. Dafür hat er einen Sinn für ausgeprägt feinen Humor: „Eingangsportala“ steht über der Bürotür.

In der Sondermüll-Station werden pro Jahr 80 Tonnen Schadstoffe abgegeben

Dafür, dass ihr Auto bis unters Dach vollgestopft mit Teppichresten und Laminatstücken ist, haben Bettina und Joachim Behrmann aus Pinneberg eigentlich noch ziemlich gute Laune. „Unsere Tochter ist ausgezogen, und wir haben alles komplett renoviert: Wände streichen, Teppichboden raus, Laminat rein. So wild war das mit dem Laminatlegen gar nicht“, findet Joachim Behrmann und wuppt einen blauen Sack über den Containerrand. „Spart gewaltig Geld, wenn man solche Sachen selbst macht.“

Die Mitarbeiter des Tornescher Recyclinghofs sehen Leute wie die Behrmanns gern. Doch eine vorschriftmäßige Entsorgung in die richtigen Boxen ist längst nicht selbstverständlich. Da steht der Fernseher plötzlich im Sperrmüll und das Kinderfahrrad bei den Grünabfällen. „Versteh’ ich auch nicht, eigentlich steht doch alles groß dran“, sagt Dirk Portala und zeigt die Station für Sondermüll, an der Matthis Albarts alles Mögliche von Salzsäure über Wandfarbe bis hin zur Autobatterie annimmt. 80 Tonnen solcher Schadstoffe kommen am Hasenkamp im Jahr zusammen.

Mit Sondermüll haben Nicole und Ralf Berg aus Kölln-Reisiek nichts am Hut. Ihnen liegt angesichts des nahenden Frühlings vielmehr der Geruch von Bratwurst und Nackensteak in der Nase. Und deshalb muss der alte Grill weg. „Völlig durchgerottet“, befindet Nicole Berg und lüpft das alte Bettlaken, das ihr Auto vor aus dem Altgrill austretenden Rost und Ruß schützen soll. Ehemann Ralf hat längst ein neues Gerät im Visier. Nun soll es die Oberklasse sein. „500 bis 700 Euro werden wir wohl anlegen müssen“, meint er.

Thomas Becker aus Halstenbek kommt mit seinem Landrover vorgefahren. Vollgepackt mit dem, „was sich so über das Jahr angesammelt hat. Inklusive der obligatorischen Schüssel mit Altbatterien.“ Schließlich zieht er eine alte Dartscheibe aus seinem Auto. „Wollen Sie die mitnehmen?“, fragt er und lacht.

Mal gut, dass Dirk Portala das mit dem Mitnehmen nicht gehört hat. Denn in Containern zu stöbern und Sachen einfach einzupacken, ist streng verboten. Sowohl für Recyclinghof-Mitarbeiter als auch für Kunden. Schließlich sind Wertstoffe, die an Händler weiter verkauft werden, für die GAB bares Geld wert. Verhältnisse wie in Großstädten, wo Händler schon vor dem Recyclinghof den Entsorgern auflauern, gibt es in Tornesch ohnehin nicht. „Gottseidank“, meint Dirk Portala. Was wäre das bei pro Jahr anfallenden 750 Tonnen wiederverwertbarem Schrott auch für ein Chaos.

Dem lachenden Buddha hätte übrigens beinahe dasselbe Schicksal wie dem Sperrmüll gedroht. Wenn ihn nicht irgendeine gute Seele aus dem Container gefischt und auf das Dach gesetzt hätte.