Pinneberg
Elmshorn

Mit dem Pinsel den Norden eingefangen

Kunstverein Elmshorn zeigt Werke des Malers Hans Wrage. Er gilt mit seinen Stadt- und Hafenporträts als Chronist Hamburgs

Elmshorn. Er wurde auch der Chronist Hamburgs genannt. Der 1921 in Neustadt nahe dem Michel geborene Maler Hans Wrage malte bis zu seinem Tod mit 91 Jahren vor allem Motive seiner Heimatstadt. „Viele Bilder zeigen den Hafen, Altenwerder, Altona, aber auch Landschaften Norddeutschlands und Dänemarks“, sagt Christel Storm, Erste Vorsitzende des Kunstvereins Elmshorn. Dieser präsentiert mit seiner Ausstellung „Stadt – Landschaft – Natur“ eine Sammlung von Wrages Ölgemälden und Aquarellen, die wie eine optische Chronik gelesen werden kann.

Seine Bilder malte Wrage stets unmittelbar vor dem Motiv. „Vieles von dem, was er vor allem in den 60er- und 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts etwa in Altona, St. Pauli oder am Hafen und seinen Nebenarmen künstlerisch fixierte, gehört längst der Vergangenheit an“, sagt Storm. Eröffnet wird die Hans-Wrage-Schau mit insgesamt 80 Bildern am Sonntag, 8. März, um 11 Uhr in der Galerie der Sparkasse, Königstraße, und anschließend nur wenige Meter entfernt im Torhaus, dem Domizil des Kunstvereins.

Der junge Wrage entdeckte früh sein Interesse an der Kunst. „Doch seine Eltern waren bettelarm und konnten es sich nicht leisten, ihn Kunst studieren zu lassen“, sagt Storm. Der Vater war arbeitslos, die Mutter ernährte die Familie mit Heimarbeiten. So lernte Hans Wrage zunächst den Beruf des Schauwerbegestalters und dekorierte Schaufenster. An der Volkshochschule nahm er mit gerade einmal 15 Jahren Kunstunterricht bei Friedrich Ferdinand Schaper (1869-1956), einem namhaften Mitglied des Hamburger Künstlerclubs. Schon bald wurde Wrage Soldat, geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft (1943-1947).

„In dem Lager in Memphis/Tennessee profitierte er vom Bildungsangebot, das die Amerikaner den Gefangenen bieten“, sagt Storm. Die Idee dahinter: Literatur, Musik und Malerei verdrängen braunes Gedankengut. Wrage nutzte die Gelegenheit zum Malen. Wieder frei, war er in den 50er-Jahren an der Handelsschule für Wirtschaftswerbung als Lehrer für Gestaltung tätig, wo er bis 1982 arbeitete. Er vertiefte seine künstlerischen Studien an der Landeskunstschule am Lerchenfeld, lernte von Rolf Böhling und Erich Wessel und wurde im Jahr 1958 Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler in Hamburg.

„Er hat immer und immer gemalt. Sein Leben lang“, sagt Storm. Tausende Aquarelle, Ölgemälde, Zeichnungen sind entstanden. Doch die Kataloge sind nicht vollständig. „Wrage hat in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren auch immer gut verkauft“, sagt sie. Häufig fertigte er zuvor Skizzen an. Der Nachlass wird von Wrages Witwe auf dem Dachboden gut dokumentiert verwahrt. Davon konnte sich Storm bei der Vorbereitung zur Ausstellung überzeugen.

„Ich muss zugeben, mein erster Eindruck war, dass sich Wrages Bilder ziemlich ähneln“, sagt die ehemalige Buchhändlerin. Nach genauerer Betrachtung würden aber schnell die Unterschiede deutlich. „Während sich Wrage in den 50er-Jahren mit der Farbgebung zurücknimmt und klare Formen dominieren, ist seine Pinselführung 50 Jahre später viel freier, die Konturen verschwimmen und die Bilder haben etwas Atmosphärisches“, sagt die Elmshornerin.

Initiiert hat die Ausstellung Wrages Galerist Holger Carstensen. Er hatte sich beim Kunstverein Elmshorn mit dem Nachlass des Hamburgers beworben. „Wir stimmen jedes Jahr im Sommer im Vorstand ab, welche Ausstellungen wir zeigen“, sagt Storm. In diesem Jahr werden es sieben sein, darunter viele junge Künstler. „Der Kunstverein möchte auch dem Nachwuchs ein Forum bieten“, sagt Storm. Das dürfte im Sinne Wrages gewesen sein.

Die Ausstellung „Stadt – Landschaft – Natur“ ist bis zum 29. März im Torhaus, Probstendamm 7, von Dienstag bis Freitag, 10 bis 12 und 16 bis 18 Uhr, sowie Sonnabend und Sonntag 11 bis 13 Uhr geöffnet. In der Galerie der Sparkasse Elmshorn, Eingang Probstendamm, während der Öffnungszeiten. Der Eintritt ist frei.