Pinneberg
Tornesch

„Egal, wie der Zug heißt. Hauptsache, er hält hier“

Foto: Marvin Mertens

Eigentlich sind sich alle einig, von den Bürgern bis zum Minister: Mehr Zugverbindungen aus dem Kreis Pinneberg nach Hamburg müssen her. Doch die Frage ist das Wie.

Tornesch. Je zwei Züge pro Stunde nach Altona und zum Hamburger Hauptbahnhof – dafür kämpft Torneschs Bürgermeister Roland Krügel seit Jahren. Nun bekommt er prominente Unterstützung. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer, SPD, sagte während eines Arbeitsgesprächs im Tornescher Rathaus: „Der Fokus muss auf dem Erreichen dieser Zwei-plus-zwei-Lösung liegen.“ Es müsse ein funktionierendes Gesamtkonzept mit Regionalbahnen (RB) der Nordbahn und den Regional-Express-Zügen (RE) der DB Regio AG geschaffen werden, so Meyer, der eine große Offenheit für Veränderungen im Schienenverkehr signalisierte.

An dem Arbeitsgespräch nahmen außer Krügels Amtskolleginnen Andrea Hansen (Uetersen) und Urte Steinberg (Pinneberg) auch die SPD-Landtagsabgeordneten Kai Vogel und Beate Raudies sowie Vertreter der Nordbahn, der DB Regio AG und der Nord-Ostsee-Bahn teil. Auch Bernhard Wewers, Geschäftsführer der Landesverkehrsgesellschaft Nah.SH GmbH war anwesend, ebenso Mitglieder der Tornescher Bürgerinitiative (BI) „Dorfbahnhof? Nein Danke!“. Mehr als 10.000 Unterschriften hatte die BI gesammelt, an Verkehrsminister Meyer und Nah.SH-Chef Wewers übergeben und so das Arbeitsgespräch angestoßen.

„Ein Zug, der durch den Bahnhof fährt, kann hier doch auch halten,“ sagte Gerhart Quast von der BI und verwies auf die Bedeutung einer guten Bahnanbindung vor dem Hintergrund des Ausbaus der A 7. Bürgermeister Krügel sagte, die Anbindung der Stadt sei nicht schlecht, für die 40.000 Pendler im Einzugsgebiet des Bahnhofs jedoch nicht ausreichend. „Mir ist egal, wie der Zug heißt, Hauptsache, er hält hier an“, verdeutlichte Krügel. Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg schloss sich den Tornescher Forderungen an. Derzeit pendelten etwa 20.000 Menschen täglich von der Kreisstadt aus. „Nach dem Umbau des Bahnhofs und der Fertigstellung der Gewerbe- und Wohngebiete, die derzeit entstehen, rechnen wir mit bis zu 27.000 Pendlern pro Tag“, so Steinberg. Die Situation am Pinneberger Bahnhof sei aber schon jetzt problematisch.

LVS-Chef Bernhard Wewers gestand ein, dass sich die „Haltepolitik“ in Pinneberg verschlechtert habe und in Tornesch noch nicht ausreichend sei. „Fakt ist aber, dass es auf der Strecke zwischen Elmshorn und Pinneberg ein Engpass auf der Schiene gibt“, so Wewers. Dennoch betonte er, dass die mit dem neuen Fahrplan einhergehende Entkoppelung von Regional-Express und Regionalbahnen richtig sei. Darin stimmte er mit Verkehrsminister Meyer, Torsten Reh von der DB Regio AG, Nordbahn-Geschäftsführer Peter Steinhart sowie Stefan Barkleit vom Fahrgastverband Pro Bahn überein.

Auch Barkleit forderte, die Zwei-plus-zwei-Lösung zu forcieren, da der RE die zusätzlichen Fahrgäste aus Pinneberg und Elmshorn nicht aufnehmen könne. „Sonst haben wir im RE eine Situation wie aktuell bei der Nordbahn“, so Barkleit. Das Verkehrsunternehmen, dass seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 zwischen Itzehoe/Wrist und Altona/Hauptbahnhof verkehrt, steht in der Kritik. Verspätete und überfüllte Züge sind besonders in Pinneberg an der Tagesordnung.

Nordbahn-Chef Steinhart verwies auf fehlende Fahrzeuge und technische Probleme. „Wir sind nicht zufrieden mit dem Start. Das letzte fehlende Fahrzeug wurde gerade ausgeliefert und ist hoffentlich nächste Woche einsatzbereit.“ Priorität der Nordbahn sei, alle Fahrten durchzuführen, „falls nötig auch mit geringerer Platzkapazität“, so Steinhart. Er machte klar, dass mehr als 580 Plätze pro Zug aufgrund zu kurzer Bahnsteige am Hauptbahnhof nicht möglich seien. „Dann brauchen wir eben mehr Verbindungen zum Hauptbahnhof“, antwortete Roland Krügel.

Kai Vogel, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, sagte, er könne den Ärger der Pendler verstehen. „Die Fahrgäste gehen davon aus, dass ein Fahrplanwechsel eine Optimierung mit sich bringt. Die ist für viele aber nicht spürbar“, so Vogel. „Wir sollten zudem nicht vergessen, dass die Zahl der Pendler mit dem A-7-Ausbau weiter zunehmen wird. Für diesen Fall muss ein Puffer geschaffen werden.“

Verkehrsminister Meyer, der sehr um einen flüssigen und zielführenden Dialog zwischen den Parteien bemüht war, zeigte Verständnis für die Argumentation der Verkehrsunternehmen, forderte aber auch weitere Befragungen der Reisenden und eine Erhebung der Fahrgastzahlen, auch in Kiel und Neumünster, um die Fahrpläne eventuell nachzujustieren. „Die optimale Lösung ist noch lange nicht erreicht“, sagte Meyer. Noch vor den Sommerferien soll es ein weiteres Arbeitsgespräch geben.