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Appen

Neuer Plan für Recycling an Appens alter Deponie

Schäferhof übernimmt Gelände. Behinderte Menschen sollen Baumaterial aufbereiten

Appen. Der Recyclinghof an der stillgelegten Mülldeponie in Appen soll mit einem neuen Konzept weitergeführt werden. Der Schäferhof, der das Gelände demnächst übernimmt, will mit dem Betrieb von 2017 an Recycling und Sozialwirtschaft verbinden. In Kooperation mit der Hamburger Entsorgungsfirma Otto Dörner wurde das Konzept „Schäferhof Recycling Plus“ entwickelt und kürzlich bei einer Einwohnerversammlung vorgestellt.

Das Konzept sieht vor, gebrauchte Baustoffe und weiteres Material, das vor allem bei Abbrüchen und Umbauten anfällt, nicht nur zu entsorgen. Vor allem soll Baumaterial aufbereitet und weiterverkauft werden. „Wir denken da zum Beispiel an alte Dielen, Fliesen oder Türen, die sicher noch einen Abnehmer finden“, sagt Schäferhof-Geschäftsführer Rainer Adomat. Durch die beteiligte Firma Dörner, die auch Abbrucharbeiten erledigt, sei für genügend Materialnachschub gesorgt. Die aufbereiteten Teile sollen über Baumärkte für gebrauchtes Material sowie eine Bauteilbörse verkauft werden. Zudem ist der Verkauf von Produkten geplant, die auf dem Schäferhof hergestellt werden, wie Holzschnitzel, Rindenmulch und Kaminholz. Zusätzlich zum Direktverkauf soll ein Internetvertrieb aufgebaut werden.

Das Projekt soll laut Adomat bis zu zwölf Arbeitsplätze und Qualifizierungsmöglichkeiten schaffen für Menschen, die eine Behinderung haben oder sozial benachteiligt sind. Sie können zum Beispiel im Lager oder beim Sortieren, Reinigen und Verpacken beschäftigt werden, aber auch in Buchhaltung, Vertrieb und Service. Auf dem Schäferhof können derzeit bis zu 52 Menschen in besonderen Lebenslagen leben und arbeiten. Weitere 80 Arbeitsplätze gibt es in der angegliederten und von der Lebenshilfe Pinneberg betriebenen Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Die Beschäftigten arbeiten derzeit im Reitbetrieb, im Garten- und Landschaftsbau und im Bereich Verpackung und Montage.

Der Recyclinghof, eine gemeinsame Idee von Schäferhof und Lebenshilfe, soll künftig ein weiterer Teil dieses Konzepts sein. „Vor allem die Wiederaufbereitung von Bauteilen sichert uns eine Alleinstellung im Großraum Hamburg“, sagt Andreas Flynn, Leiter der Lebenshilfewerkstatt in Pinneberg. „Das gibt es so hier noch nicht.“ Vorgesehen sind darüber hinaus Umweltbildungsangebote zu den Themen Müllvermeidung, Wiederverwertung und Klimaschutz. Und nicht zuletzt soll das Projekt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Schäferhofs sichern und dafür sorgen, dass dessen gemeinnützige Arbeit gestärkt wird und die Auflagen zur Sicherung und Beobachtung der Deponie erfüllt werden können. Denn der Schäferhof hat das frühere Deponiegelände übernommen.

Das neue Betriebskonzept soll laut Adomat keine zusätzliche Verkehrsbelastung mit sich bringen. Im vergangenen Jahr gab es täglich 68 Anlieferungen oder Abholungen, im Durchschnitt waren darunter zwölf Lastwagenfahrten. Es ist jedoch geplant, eine Halle für den Wiederaufbereitungsbetrieb auf dem Gelände zu bauen. Um konkret über mögliche Investitionen zu sprechen, sei es jedoch noch zu früh, so der Geschäftsführer.

Die bisherige Betriebserlaubnis für die Firma Otto Dörner ist bis Ende 2016 befristet. Sollen auf dem Areal anschließend weiterhin Reststoffe verwertet werden, ist eine Ausweitung des Sondergebiets Schäferhof und damit eine Änderung des Flächennutzungsplans notwendig. Das Sondergebiet ist vom Landschaftsschutzgebiet ausgenommen und darf unter bestimmten Auflagen für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. So muss ein sozialer Zweck mit Beschäftigungsmöglichkeiten gegeben sein. Rainer Adomat glaubt fest an das Konzept, weiß aber auch, dass noch ein längerer Weg vor den Initiatoren liegen könnte. „In der Sache müssen viele Dinge beachtet und vorbereitet werden“, sagt er. Daher haben die Initiatoren ein Planungsbüro mit der weiteren Vorbereitung beauftragt.

Appens Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak steht den Plänen positiv gegenüber. „Ich halte das Konzept für durchführbar“, sagt er. „Es ist eine vernünftige Lösung zur existenziellen Sicherung des Schäferhofs.“ Und dieser sei immerhin eine Institution in Appen, die weit über die Gemeinde hinaus bekannt sei. Dennoch müssten bei der Ausweisung des Sondergebiets bestimmte Voraussetzungen festgelegt werden. Vor allem dürfe der neue Recyclinghof keinen zusätzlichen Verkehr mit sich bringen, so Banaschak. Grundsätzlich sei es gut, wenn durch das Projekt weitere Arbeitsplätze für Behinderte geschaffen würden.

Bedeutende Mehreinnahmen für die Gemeinde durch die Gewerbesteuer erwartet der Bürgermeister allerdings nicht. Damit das Projekt tatsächlich verwirklicht werden kann, muss zunächst der Gemeinderat grünes Licht geben. Er kommt am 26. März zusammen. Darüber hinaus müssen Kreis und Land den Plänen zustimmen. Und auch die weitere Beteiligung der Öffentlichkeit ist laut Rainer Adomat vorgesehen.