Elmshorn

Red Car schreibt tiefrote Zahlen

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Arne Kolarczyk

Elmshorner Firma, die Tourbusse an Bushido, Silbermond und Sasha vermietete, hat Insolvenz angemeldet

Elmshorn. Die Stars der Musikbranche fuhren auf Luxusbusse aus Elmshorn ab. Ob Silbermond, Sarah Connor, Bushido, Revolverheld, Sasha, Scooter oder die Söhne Mannsheims – sie alle nutzten für ihre Tourneen die roten Doppeldeckerfahrzeuge der Firma Red Car. Doch während die Musik-Promis Millionen verdienen, geht es dem einstigen Elmshorner Vorzeigeunternehmen schlecht. Am 1. Februar eröffnete das Amtsgericht Pinneberg das Insolvenzverfahren über die Red Car GmbH Betriebsgesellschaft & Co. KG.

Bereits Anfang Dezember hat der Pinneberger Rechtsanwalt Oliver Dankert das Sagen auf dem Betriebshof an der Hamburger Straße übernommen. Zu diesem Zeitpunkt erklärte Geschäftsführer Jan Ahrens die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens. Die Agentur für Arbeit sprang zunächst ein, um die Gehälter der verbliebenen 13Mitarbeiter zu zahlen, von denen fünf am Standort Elmshorn arbeiten.

Seit der offiziellen Eröffnung des Verfahrens am 1. Februar muss die Firma die Löhne und Gehälter wieder selber zahlen. „Ich prüfe derzeit, welche Fortführungsmöglichkeiten es gibt“, sagt Insolvenzverwalter Dankert auf Abendblatt-Anfrage.

Er betont, dass seit der Insolvenzanmeldung alle gebuchten Touren auch gefahren worden sind. „Es ist uns auch gelungen, die Kunden zu halten.“ Sein Ziel sei es nun, den Fortbestand des einstmals erfolgreichen Unternehmens dauerhaft zu sichern.

Der Niedergang von Red Car – er vollzog sich schleichend über Monate. Laut dem Insolvenzverwalter sieht die Geschäftsführung den Grund für die prekäre finanzielle Lage in mehreren falschen Investitionsentscheidungen. Das Geschäft mit den Luxusbussen ist äußerst kapitalintensiv.

Allein der Anschaffungspreis eines Luxusbusses liegt inklusive des notwendigen Umbaus bei 800.000 Euro. Bis zu 30 Busse soll das Unternehmen laut Medienberichten vor etwa sieben Jahren besessen haben, die Rede war auch von 60 Mitarbeitern. Laut dem Insolvenzverwalter sind aktuell zehn der knallroten Doppeldecker, sogenannte Nightliner, für Red Car unterwegs. Die Fahrzeuge sollen ausnahmslos finanziert beziehungsweise geleast sein.

Die Firmengründer, zwei Brüder, stammen aus Hamburg und kamen mit ihrem Unternehmen im Jahr 2000 nach Quickborn. Damals verfügte Red Car über zwei Busse. Mit der steigenden Zahl an Fahrzeugen wurde der Platz im Gewerbegebiet zu eng, sodass die Firma nach Elmshorn umsiedelte.

Lounge-Sitzecken aus Leder, elegante Dielenfußböden und Holzvertäfelungen an den Wänden, schwarze Fliesen in der Toilette: Dem Luxus in den Bussen ist kaum eine Grenze gesetzt. Cappuccino-Maschine, Mikrowelle, Flachbildschirm, Playstation 3 sowie eine HiFi-Anlage mit iPod-Anschluss sollen für die Musiker die Zeit zwischen den Konzerten wie im Flug vergehen lassen.

Basis der Nightliner sind konventionelle Busse, die innerhalb von vier Wochen zu überdimensionalen Reisemobilen umgerüstet werden. „Die Firma hat ein Modulsystem entwickelt, das speziell auf die Kundenwünsche zugeschnitten werden kann“, so der Insolvenzverwalter. Je nach Wunsch wurde eine Bar installiert oder ein Separee abgeteilt. Alle diese Aufträge übernahm die eigene Werkstatt des Unternehmens am Elmshorner Stammsitz.

Im Obergeschoss der Doppeldecker ist Platz für bis zu 18 Betten. So viel Luxus hat natürlich seinen Preis: Für einen Singledecker mit bis zu zwölf Betten an Bord sowie einem 470PS starken Motor lag die Tagesmiete inklusive Fahrer und Sprit bei zuletzt 600 Euro. Der Doppeldecker mit bis zu 18 Schlafplätzen war ab 950 Euro pro Tag im Angebot.

Damit sich die Kosten für Anschaffungen, Umbau und die fortlaufenden Sicherheitsüberprüfungen rentieren, müssen die Fahrzeuge viel unterwegs sein. „Es handelt sich um ein saisonabhängiges Geschäft“, erläutert Dankert. Gerade jetzt im Winter sei die Nachfrage geringer. Hinzu komme die harte Konkurrenzsituation und der Preiskampf in der Branche.

Dem war Red Car zum Schluss nicht mehr gewachsen. Das Unternehmen hatte noch versucht, außerhalb der Musikbranche neue Kunden zu gewinnen. Zum Beispiel ließen sich die Spieler des Bundesligisten HSV Handball mit den speziellen Bussen zu ihren Auswärtsspielen kutschieren. „Hauptstandbein war aber immer die Musikbranche“, so Dankert.

Die Liste der Musiker und Bands, die die Dienste der Elmshorner Firma auf ihren Tourneen in Anspruch genommen haben, ist auf der Homepage von Red Car zu finden. Sie ist lang und beeindruckend. Ob diese Liste mit weiteren klangvollen Namen fortgeschrieben werden kann, ist zurzeit unklar. Der Insolvenzverwalter hofft, in Kürze eine Entscheidung über die Zukunft von Red Car treffen zu können.

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