Pinneberg
Schenefeld

Schenefelder versuchen ihren Klimaschatz zu heben

Foto: Katy Krause

Schenefeld hat 2015 zum Energiejahr erklärt. Der informative Auftakt der Veranstaltungsreihe lockte nur wenige Besucher. Kritik hagelt es von den Grünen, die der Bürgermeisterin eine schlechte Organisation vorwerfen.

Schenefeld. Es gibt verborgene Schätze, die es sich zu suchen und zu bergen lohnt. Darin ist sich Marilyn Heib sicher. So sicher, dass sie darüber Bücher schreibt und Vorträge hält, um anderen den Weg zum Schatz zu zeigen. Ob privat im Haushalt, in Unternehmen oder in öffentlichen Gebäuden – überall gibt es laut Heib enormes Potenzial, Energie und Geld zu sparen. Mustergültig Energie sparen und effizienter sein? Das will auch die Stadt Schenefeld, die 2015 zum Energiejahr erkoren hat.

Somit passte es perfekt, dass Heib mit ihrem Vortrag „KlimaSchatz“ den Auftakt für die Veranstaltungsreihe bildete, mit der Schenefeld die Werbetrommel für das städtische Projekt rühren will. Doch so richtig perfekt lief’s nicht. Gerade einmal 15 Besucher verliefen sich in die Stadtbücherei, um dem durchaus hörenswerten und informativen Vortrag zu lauschen. Darunter waren allerdings zahlreiche Bekannte und Wegbegleiter der Autorin, die lange Zeit in Hamburg gearbeitet hat und dort in verschiedenen Vereinen aktiv war. Die Schenefelder lockte der Infoabend nicht.

Energie und Klimaschutz sind die Themen der Grünen. Umso glücklicher müssten sie über die Veranstaltungsreihe sein. Sind sie aber nicht. Im Gegenteil, ihnen stößt die Umsetzung der Idee sauer auf. Denn unter den 23 Veranstaltungen, die der neue Werbeflyer zum Energiejahr auflistet, finden sich auch zahlreiche Termine, die wenig bis gar nichts mit dem Thema zu tun haben – wie „Frauenpower. Starke Frauen, starke Stimmen: Treffen Sie den richtigen Ton“, der Putztag der Stadt und Mehr Energie und Leichtigkeit im Alltag (ein Workshop zum Thema Burnout).

„Das hat mit Klimaschutz nun wirklich nichts zu tun“, kritisiert Jochen Ziehmann. Der Grüne ist Vorsitzender des Energieausschusses in Schenefeld und ärgert sich sehr über die Planung. Er sei entsetzt, dass die Bürgermeisterin die Aktion geplant habe, ohne die Politik einzubeziehen. Auch Grünen-Chef Mathias Schmitz kritisiert die Art der Umsetzung. Er finde die Themenauswahl in Teilen unglücklich. „Da wurde viel Potenzial liegen gelassen“, sagt Schmitz, der aber schon froh ist, dass das Thema Energie überhaupt einmal aufgegriffen werden.

So sieht es auch Energieexpertin Heib. Sie lobte Schenefeld für die Initiative und warb dafür, den Veranstaltungsflyer mehr unter die Leute zu bringen und auch anderen Bürgermeistern zu zeigen. „Vielleicht nimmt sich die eine oder andere Kommune das zum Vorbild“, so Heib. Die 36-Jährige studierte Maschinenbau mit dem Schwerpunkt regenerative und rationelle Energietechnik, arbeitete für das Öko-Forschungsinstitut und leitete bereits mit 27 Jahren den internationalen Vertrieb von Photovoltaikanlagen und Solarthermie der Conergy AG in Hamburg.

Auch privat engagiert sie sich für den Klimaschutz, Heib gründete 2007 den Verein Go for Climate und ist Mitglied im Hamburger Klimaschutzfonds. 2012 gründete sie das Unternehmen bettervest mit, das eine Plattform zur Finanzierung energieeffizienter Projekte durch private Kleinsponsoren ermöglicht (Crowdinvesting). Städte oder Unternehmen, denen das Geld fehlt, können mithilfe des Portals beispielsweise das nötige Kapital für energetische Projekte einwerben. „Es geht hier um mehr als nur den Klimaschutz“, erklärte Heib. Es gehe auch um den Wirtschaftsstandort Deutschland, Wachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen.

Heib brachte außerdem zahlreiche Beispiele, wie sich mit kleinen Mitteln Großes bewirken lasse. Den Kühlschrank auf sieben Grad einstellen (25 Euro im Jahr), die Heizung um ein Grad herunterdrehen und dafür einen Pulli im Haus tragen (55 Euro), Wäsche auf die Leine statt in den Trockner (87 Euro), eine sparsamere Beleuchtung (40 Euro), sich vom Stand-by-Betrieb aller Haushaltsgeräte verabschieden (rund 100 Euro): Heib rechnete vor, dass jeder allein durch ein verändertes Wohnverhalten rund 860 Euro und 2800 Kilogramm CO2 pro Jahr einsparen könne. Das war hochspannend, eindrücklich, hilfreich – und dafür verdammt schlecht besucht.