Pinneberg
Kreis Pinneberg

Männer, die auf betagte Schönheiten abfahren

Old- und Youngtimer-Fans aus dem Kreis Pinneberg haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Das Mitwirken ist kostenlos

Kreis Pinneberg. Wer bei Ente, Käfer und Jaguar nicht an den Tierschutzverein, sondern an Autos denkt, ist bei Manfred Baier und seinen Mitstreitern an der richtigen Adresse. Denn bei den Angehörigen der Interessengemeinschaft (IG) Young- & Oldtimer stehen betagte Kraftfahrzeuge aller Marken im Mittelpunkt der Freizeitgestaltung.

„Youngtimer sind Autos oder Motorräder, die mindestens 25 Jahre alt sind. Als Oldtimer werden Fahrzeuge bezeichnet, die 30 Jahre und mehr auf dem Buckel haben”, umreißt der Rentner aus Kölln-Reisiek den Einzugsbereich der IG, die erst im Oktober vergangenen Jahres von ihm ins Leben gerufen wurde. Damals dachte Baier, der einen top-restaurierten Jaguar E-Type von 1968 sowie mehrere historische Mopeds und Kleinkrafträder besitzt, noch daran, die Interessengemeinschaft auf Elmshorn und Umgebung zu begrenzen. Doch nachdem die Abendblatt-Regionalausgabe Pinneberg über die vierrädrige Raubkatze des 74-jährigen Hobbyschraubers und die geplante Gründung der IG berichtet hatte, konnte sich der frühere Former im Schiffsmotorenbau über zu wenig Resonanz nicht beklagen. Baiers Ausstellungsstand auf einer Oldtimer-Messe in der Horster Elbmarschenhalle sorgte für weitere Nachfrage.

Mittlerweile haben sich mehr als 30Old- und Youngtimer-Fans der Gemeinschaft angeschlossen. Das Einzugsgebiet umfasst neben dem Kreis Pinneberg auch Hamburg und geht noch darüber hinaus. „Sogar aus Frankfurt hat sich jemand gemeldet, der im Internet die Abendblatt-Geschichte gelesen hatte”, freut sich Baier.

Näher dran sind Anton Schlenger-Evers, 59, aus Elmshorn und Ronald Maaß, 64, aus Neuendorf. Schlenger-Evers ist stolzer Besitzer von drei britischen Triumph-Sportwagen: Zwei Spitfire, Baujahr 1964 und 1970, sowie ein Triumph GT von 1971 gehören neben einem VW Golf der ersten Generation zum Fuhrpark des Diplom-Ingenieurs.

Rentner Ronald Maaß hat selbst (noch) kein historisches Fahrzeug. Doch der frühere Heizungsbauer aus Neuendorf hilft gern mit, wenn Schlenger-Evers seine betagten Fahrzeuge in der heimischen Garage wieder auf Vordermann bringt. Auch dieses Engagement passt in den Rahmen. „Wir sind kein Club und kein Verein. Die Teilnahme an der IG ist ebenso kostenlos wie zwanglos”, sagt Manfred Baier. Die Interessengemeinschaft soll als Anlaufstelle dienen, in die alle Teilnehmer ihre Erfahrung und jede Menge Tipps bei der Restaurierung alter Fahrzeuge sowie der Ersatzteilbeschaffung und Pflege der Veteranen einbringen. Auf diese Weise könnten Anfänger vom Wissen der alten Hasen profitieren.

Motive, sich im Umgang mit den Automobil-Klassikern vergangener Jahrzehnte zu befassen, gibt es genug – manchmal auch der romantischen Art. So gehört zur IG ein in Ehren ergrauter Oldtimerfan, der sich einen Renault R4 zulegte. Der Grund: Er hatte in einem solchen Gefährt einst in Frankreich sein erstes Liebesabenteuer erlebt.

Der Wunsch, sich beim Aufbau und der Restaurierung eines angejahrten Autos selbst technische Kenntnisse anzueignen oder zu erproben, kann nach der Erfahrung von Baier und Schlenger-Evers ebenso der Einstieg sein wie der Erwerb eines noch gut erhaltenen historischen Fahrzeugs. „Klar, jedes Hobby kostet Geld“, sagt Baier, doch könnten zahlreiche Fahrzeuge schon mit relativ geringem Aufwand erworben und betrieben werden. So gibt es nach Auskunft der Experten den als Ente bekannten Citroën 2CV schon für 3000 bis 5000 Euro zu kaufen. Zweckmäßig sei es, die Hilfe einer auf Oldtimer spezialisierten Werkstatt in Anspruch zu nehmen. Doch auch die Mitglieder der Interessengemeinschaft stehen Einsteigern gern mit Rat und Tat zur Seite.

Informationen über Preise und Angebote gibt es auch im Internet und in Fachzeitschriften. Generell gilt, dass Oldtimer oft erheblichen Wertzuwachs haben und daher auch als Anlageobjekte gehegt und gepflegt werden. Auch Fahrzeuge, die an der Schwelle zum Young- oder Oldtimer stehen, können je nach Typ zum lukrativen Wertobjekt werden.

Auch wenn sich in der Wintersaison die Aktivitäten der IG gewissermaßen noch in der Warmlaufphase befinden, plant Baier schon für die kommenden Monate. Unter anderem soll ein jährliches Young- und Oldtimertreffen veranstaltet werden. Außerdem gehören eine Frühjahrs- und eine Saisonabschlussfahrt zum Programm sowie auch spontane Ausflugstouren.

Schon jetzt gibt es jeweils am letzten Mittwoch im Monat eine Stammtischrunde der IG im Gasthaus Wilhelmshöhe in Elmshorn, Kaltenweide 236. Dort sollen nicht nur Erfahrungen ausgetauscht und Kontakte geknüpft und vertieft werden, sondern auch Fachleute vom TÜV oder Motorölexperten zu Wort kommen.

Der nächster Termin ist der 25. Februar, Beginn ist um 19 Uhr. Gäste sind herzlich willkommen. Wer mehr über die IG wissen möchte, kann sich auch vorab mit Manfred Baier, Telefon 04121/75695, in Verbindung setzen.