Pinneberg
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Eltern quittieren Mensa-Dienst

Verein stellt Mittagsversorgung an Johannes-Brahms-Schule in Pinneberg ein und klagt über mangelnde Informationen

Pinneberg. Eine schlechte Informationspolitik, keine Anerkennung ihres Engagements und eine fehlende Perspektive: Den Eltern der Johannes-Brahms-Schule, die ehrenamtlich seit Jahren für die Mittagsversorgung der Schüler sorgen, reicht es. Sie quittieren den Dienst – und zwar mit sofortiger Wirkung. Wie der rund 70 Mitglieder starke Trägerverein „Kommunikationszentrum an der JBS“ am Donnerstag mitteilte, gibt es von der kommenden Woche an somit für die 1150 Schüler ab 12 Uhr keine Möglichkeit mehr, vor Ort etwas zu essen zu erhalten.

Die Ankündigung erwischte die Pinneberger Stadtverwaltung eiskalt. Auch die Stadt erfuhr erst am Donnerstag von dem unmittelbaren Mittagessenstopp. „Das würden wir sehr bedauern“, erklärt Marc Trampe, Sprecher der Stadt Pinneberg. „Wir hoffen, dass wir doch noch gemeinsam mit dem Verein für die Mittagsversorgung an der Johannes-Brahms-Schule eine kurzfristige Lösung finden können.“

Das Problem ist, dass bereits die bisherige Lösung ursprünglich nur als kurzfristige gedacht war. 2013 gab der Pächter des benachbarten VfL-Heims den Betrieb auf. Er hatte in Kooperation mit der Schule eine Mittagsversorgung im VfL-Heim am Fahltskamp angeboten. Damals sprangen die Eltern ein, um die Versorgung erst einmal sicherzustellen. Mit dem eigens gebildeten Trägerverein „Kommunikationszentrum an der JBS“ schloss die Stadt eine Kooperationsvereinbarung über die Mittagsversorgung an der Johannes-Brahms-Schule. Die Laufzeit umfasste das Schuljahr 2013/14. Bis spätestens Sommer 2014 sollte die Cafeteria so um- und ausgebaut werden, dass hier warme Mahlzeiten vernünftig über die Küchentheke gehen könnten.

Aus der provisorischen Lösung ist eine Dauerlösung geworden. Ein ums andere Mal seien Zusagen zum Baubeginn verschoben, die Eltern vertröstet worden, berichtet der Verein. „Zur Krönung wurde zum 22. Dezember der endlich angelaufene Cafeteria-Umbau auch noch gestoppt und es seitens der Stadt nicht für nötig gehalten, den Verein zeitnah darüber zu informieren“, kritisiert Christoph Forsthoff, Vorstandsmitglied des Schulvereins, der sich auf den anstehenden Umbau vorbereitet und mit Essenslieferanten auch Absprachen getroffen hatte. „Das ist nicht nur schlechter Stil, sondern offenbart auch wenig Wertschätzung. So sieht für uns keine Zusammenarbeit aus, Schweigen ist keine Basis für eine Kooperation.“

Elternverein kritisiert Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung

Pinnebergs Sprecher Trampe verweist darauf, dass der Investitionsstopp aufgrund des zwei Millionen Euro großen Haushaltslochs gesetzlich notwendig war und außer dem Cafeteria-Ausbau eine Vielzahl an Projekten in Pinneberg betroffen sind. „Es war uns nicht möglich, jeden Einzelnen zu informieren“, so Trampe. Er verweist darauf, dass der Cafeteria-Umbau nur auf Eis liege, noch sei nicht entschieden, wie es weitergehe. Bis zum 6. Februar will die Stadtverwaltung der Politik einen neuen Haushaltsentwurf vorlegen. Ziel sei es, diesen am 26. Februar zu verabschieden.

Der Johannes-Brahms-Schule nützt das derzeit nichts. Die Schüler stehen ohne Essen da. „Wir sind eine Ganztagsschule, in der Schüler ab 12 Uhr jetzt keine Möglichkeit haben, sich etwas zu essen zu besorgen. Das ist eine glatte Katastrophe“, sagt Schulleiterin Ortrud Bruhn, die die Beweggründe der Eltern allerdings gut verstehen kann. „Ich wundere mich, dass die Eltern das überhaupt so lange mitgemacht haben und sich immer wieder vertrösten ließen.“