Pinneberg
Elmshorn

KZ-Überlebende spricht in Elmshorn

Schüler gestalten die zentrale Gedenkfeier des Landes für Opfer des Nationalsozialismus

Elmshorn. Sie überlebte Bergen-Belsen, weil ein britischer Soldat nach der Befreiung des Konzentrationslagers sah, dass sie sich noch bewegte. Jemand hatte sie bereits auf einen Berg Leichen gelegt. Liesa Ruether, geboren 1927 in Hannover, überlebte den Holocaust. Am Dienstag, 27. Januar, wird die Jüdin als Zeitzeugin bei der zentralen Gedenkfeier der Opfer des Nationalsozialismus in Elmshorn von ihrem bewegenden Schicksal berichten.

Der schleswig-holsteinische Landtag gedenkt in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit der Stadt Elmshorn. Der von Bundespräsident Roman Herzog initiierte Gedenktag wird seit 1996 am 27. Januar – dem Jahrestag der Befreiung der Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee 1945 – begangen. So wird an Millionen von Menschen erinnert, die von den Nazis verfolgt, gequält und ermordet wurden.

Die öffentliche Veranstaltung im Saalbau der Freien Waldorfschule, Adenauerdamm 2, in Elmshorn wird um 18 Uhr die Streicherklasse der 6d der Elsa-Brändström-Schule mit „Ich wandre durch Theresienstadt“ und „Ade Kamerad“ eröffnen. „Beide Lieder stammen von der Komponistin Ilse Weber, die am 6. Oktober 1944 mit ihrem Sohn Tomáš im KZ Auschwitz ermordet wurde“, sagt Anna Haentjens, die die künstlerische Leitung inne hat. Beim Gang in die Gaskammer soll Weber für ihren Sohn und andere Kinder das von ihr komponierte Schlaflied „Wiegala“ gesungen haben. „Ihr Mann versteckte ihre Texte im KZ und kehrte nach seiner Befreiung zurück, um sie wieder auszugraben“, erzählt Haentjen.

Schüler der Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule tragen eine kurze Szene aus Webers Gedicht „Ein Koffer spricht“ vor. Das Kammerorchester der Bismarckschule Elmshorn spielt mit den Stücken „Bay a Glezele Mashke“ und „Der Heyser Bulgar“ traditionelle Klezmer-Musik. Die Klasse 6b der Anne-Frank-Schule tanzt zum jüdischen Lied „Hewenu shalom alechem“. Die Rockband der Erich Kästner Schule (KGSE) präsentiert „Schrei nach Liebe“ (Die Ärzte). Schüler der Leibniz Privatschule drehen die Geschichte „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne weiter. „So viel Phantasie hat niemand besessen“ lautet der Titel einer szenischen Collage, vorgetragen von KGSE-Schülern. Es geht um eine stark reduzierte Beschreibung aus der Sicht eines jüdischen Häftlings. Grundlage ist das Buch „ZehnNullNeunzig in Buchenwald“ von Rolf Kralovitz.

Das interreligiöse Gebet sprechen Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und Landesrabbiner Dov-Levy Barsilay. Traditionell wird auch in diesem Jahr zum Abschluss das Lied „Von guten Mächten treu und still umgeben“ von Dietrich Bonhoeffer gemeinsam gesungen. Die Schüler Johanna Schmieding und Lukas Huckfeldt übernehmen die Moderation. Als Redner werden Landtagspräsident Klaus Schlie, Bürgervorsteher Karl Holbach und Kreispräsident Burkhard E. Tiemann erwartet.

Der Eintritt ist frei, doch wegen der begrenzten Sitzplätze werden Eintrittskarten ausgegeben. Restkarten sind an der Stadttheaterkasse, Königsstraße 56, sowie bei Konzert und Event, Kirchenstraße 8, erhältlich. Eine gesonderte Veranstaltung, die um 10.30 Uhr beginnt, ist Schülern vorbehalten.