Pinneberg
Kreis Pinneberg

507 Raser verlieren Führerschein

Kreis Pinneberg verhängt 2014 weniger Fahrverbote und nimmt weniger Geld aus der Tempoüberwachung ein

Kreis Pinneberg. 507 Fahrverbote hat die Bußgeldstelle des Kreises Pinneberg im vorigen Jahr gegen Raser verhängt. Spitzenreiter war ein Autofahrer, der in Schenefeld mit Tempo 142 an der Radarfalle auf der LSE vorbeiraste. Dort ist die Geschwindigkeit auf 50 Kilometer pro Stunde reduziert. Der Verkehrssünder musste für drei Monate seinen Führerschein abgeben und 680 Euro an Bußgeld zahlen.

Insgesamt trieb die Bußgeldstelle im vorigen Jahr 839.968 Euro von Temposündern ein. Das ist im Vergleich zu 2013 ein Rückgang von 143.119 Euro. Auch die Anzahl der verhängten Fahrverbote hat sich reduziert. 2013 mussten im Kreis noch 680 Raser ihren „Lappen“ vorübergehend abgeben. „Der Rückgang zeigt, dass die Verkehrsüberwachung ihre Wirkung erzielt. Gerade in Schenefeld“, sagt Dörte Koppelmann, die Leiterin der Bußgeldstelle des Kreises.

Das Gerät in der Nähe des Stadtzentrums überwacht seit September 2012 beide Seiten der LSE und sorgte zu Beginn für eine regelrechte Explosion der Fallzahlen. 250 Fahrverbote gingen 2013 allein auf dieses Gerät zurück, der Spitzenreiter war sage und schreibe 126 Kilometer pro Stunde schneller als erlaubt. 2014 ist die Radarfalle in Schenefeld noch für 149 Fahrverbote verantwortlich. Zum Vergleich: Die übrigen sechs fest installierten Blitzer (Starenkästen) brachten es zusammengerechnet gerade einmal auf 99 Fahrverbote.

Hinter Schenefeld liegt Bilsen (55 Fahrverbote) auf Platz zwei, es folgen Borstel-Hohenraden (17), Heede (11), Rellingen (9) und Bokholt-Hanredder mit 7 Fahrverboten. Der Standort in Heidgraben war 2014 aufgrund einer Fahrbahnsanierung längere Zeit außer Betrieb. „Wir gehen davon aus, dass Heidgraben Anfang dieses Jahres wieder in Betrieb geht“, sagt Koppelmann.

Nicht mehr betrieben wird der Standort an der Rosenstraße in Klein Offenseth-Sparrieshoop. Kreis und Polizei als Partner des Geschwindigkeitsprojektes sind sich einig, die Zahl der fest installierten Blitzgeräte auf sieben zu beschränken. Koppelmann: „Wir wollen den Kreis ja nicht mit Blitzern zupflastern.“ Mit dem Standort in Sparrieshoop, der seit Inbetriebnahme der Anlage in Schenefeld aufgegeben worden war, wären es acht Starenkästen. „Auf Wunsch der Gemeinde haben wir den Kasten als Attrappe stehen lassen“, so die Leiterin der Bußgeldstelle. Laut Koppelmann sind 2015 keine Änderungen geplant. „Wenn wir erkennen, dass ein neuer Standort notwendig ist, dann müssen wir nachdenken, welcher bisherige geschlossen werden müsste.“

In Schenefeld stehen Blitzgeräte der neuesten Generation. Hierfür gibt es eine Kamera, sodass auf der LSE ständig eine Richtung überwacht wird. Für die übrigen sechs Starenkästen verfügt die „Blitzer-Kooperation“ über zwei Kameras. Drittes Standbein ist der mobile Blitzer, der täglich im Kreis zum Einsatz kommt und vorrangig im Umfeld von Schulen, Kitas, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen platziert wird.

Der Einsatz des mobilen Blitzers, der auch an Unfallschwerpunkten und auf Raserstrecken eingesetzt wird, führte 2014 zu 251 Fahrverboten (minus 57 gegenüber 2013). Die Laserpistole, die gelegentlich zum Einsatz kommt, brachte 2014 drei Temposündern eine „führerscheinlose Zeit“ ein.

Die Kooperation zwischen Kreis und Polizei, die beide jeweils fünf Mitarbeiter für das Projekt abstellen, feiert am 1. Juli 2015 ihr zehnjähriges Bestehen. Überlegungen des Innenministeriums, Personal in der Verkehrsüberwachung einzusparen, sind inzwischen vom Tisch. Ein solches Vorgehen hätte höchstwahrscheinlich das Ende der Kooperation bedeutet. „Uns ist sehr daran gelegen, das gemeinsame Projekt fortzusetzen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist gut“, so Koppelmann weiter.

Verwarngelder für geringe Vergehen machen größten Teil der Einnahmen aus

2013 erzielte der Kreis aus dem Projekt abzüglich Aufwendungen einen Überschuss von 934.879,38 Euro. Für 2014 liegt eine Gesamtabrechnung noch nicht vor. Das liegt daran, dass sich der Kreis nur um die Bußgeldfälle kümmert. Die Verwarngelder für geringe Vergehen, die den größten Teil der „Blitzereinnahmen“ ausmachen, bearbeitet die Zentrale Ordnungswidrigkeitenstelle in Neumünster. Dem Kreis fließen erst später Teile dieser Einnahmen zu. Nur wenn ein Verwarngeld nicht bezahlt wird oder der Temposünder Widerspruch einlegt, wird die Bußgeldstelle des Kreises aktiv. Sie bearbeitete 2014 insgesamt 14.213 Fälle – genau 4000 weniger als 2013.