Pinneberg
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Klassik statt Konsole in der Drostei

Pinneberger Schüler organisieren Konzert für Zwölf-Orte-Festival. Es soll Jugendliche für klassische Musik begeistern

Pinneberg. Weg von der Konsole, rein in den Konzertsaal – das Kulturprojekt Tonali will Jugendliche mit einem Festival für Klassik begeistern. Und wer könnte das besser als die Jugendlichen selbst? Sechzig Schüler aus Hamburg und Umgebung widmeten sich der Aufgabe, ein Konzert für das Zwölf-Orte-Festival von Tonali zu organisieren und zu kuratieren.

Mit dabei: die Schüler der Klasse 8e der Pinneberger Johannes-Brahms-Schule (JBS). Sie organisierten einen Konzertabend mit der Hamburger Violinistin Christa-Maria Stangorra in der Drostei. „Die Schüler kümmern sich in Zusammenarbeit mit den Leitern der beteiligten Spielstätten um das Konzert, aber auch um die Unterbringung und Verpflegung der Musiker“, sagt Lea Gollnast, Projektleiterin des Zwölf-Orte-Festivals. „Die Schüler stehen in direktem Kontakt mit den auftretenden Musikern und werden dabei auch von Tonali unterstützt.“

Die JBS ist die Patenschule der Geigerin Christa-Maria Stangorra aus Reinbek. Sie begann bereits im Alter von vier Jahren mit dem Violinenunterricht und durchlief verschiedene Musikschulen. Seit 2013 studiert Stangorra an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Im Tonali-Wettbewerb 2014 wurde die junge Violinistin mit dem Preis für Musikvermittlung ausgezeichnet. Vor acht Monaten gastierte sie beim Schulkonzert in der JBS Pinneberg. An diesem Donnerstag, 15. Januar, kehrt sie nun für das Zwölf-Orte-Konzert in die Kreisstadt zurück.

Für die Schüler war die Organisation eines klassischen Konzertes eine völlig neue Erfahrung. Beeke Loof, Nicole Brug, Leander Forsthoff und Frederieke Bothe leiteten als Schülermanager die Vorbereitungen für das Konzert. „Wir haben schnell gemerkt, dass man das nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte“, sagt Beeke Loof. Gut, dass die JBS-Schüler Unterstützung von Mona Ritter hatten. Die 18-Jährige absolviert ihr freiwilliges soziales Jahr in der Drostei und half unter anderem bei der Umsetzung des Flyers.

Die Schülermanager haben mit ihren Mitschülern das Programmheft und die Werbung gestaltet, den Ticketverkauf angekurbelt und die Verpflegung sowie die Unterbringung der Künstlerin organisiert. „Das war ganz schön viel Arbeit, aber mir hat das Projekt trotzdem Spaß gemacht“, sagt Nicole Burg, die selbst Klavier spielt.

Tonali besteht seit 2009. Ins Leben gerufen wurde das mehrfach ausgezeichnete Kulturprojekt von den Hamburger Cellisten Amadeus Templeton und Boris Matchin. Ihr Ziel: Jugendlichen klassische Musik näherbringen.

„Das Projekt umfasst einen Komponisten-Wettbewerb, einen Instrumental-Wettbewerb und einen Publikumswettbewerb“, sagt Lea Gollnast. „Beim Publikumswettbewerb werden die Jugendlichen eingebunden und selbst zu Konzertveranstaltern.“ Die Klasse 8e konnten den Publikumswettbewerb im vergangenen Jahr gewinnen. Die Jugendlichen mobilisierten die meisten Schüler für eine Teilnahme an der Finalrunde des Wettbewerbs in der Hamburger Laeiszhalle.

Bei Tonali sind alle Wettbewerbe miteinander verwoben. Das Siegerstück des Komponisten-Wettbewerbs fließt zum Beispiel als Pflichtaufgabe in den Instrumental-Wettbewerb ein. Dieser richtet sich an talentierte Nachwuchsmusiker im Alter zwischen 16 und 21Jahren. Zwölf schaffen es in die Endauswahl. Im Fokus der Instrumentalisten stand 2014 die Geige.

Der erste Preis des Instrumental-Wettbewerbs ist mit 10.000 Euro dotiert. Außerdem werden verschiedene Sonderpreise vergeben. Teil des Wettbewerb ist auch ein besonders für junge Zuhörer konzipiertes Konzertprogramm. Dieses wird an den jeweiligen Patenschulen der jungen Musiker gespielt. „Die Jugendlichen sollen abgeholt werden und die Konsole oder den Bolzplatz gerne gegen den Konzertsaal eintauschen“, sagt Lea Gollnast.

Das Zwölf-Orte-Festival, das den Untertitel „Klassik in deinem Kiez“ trägt, schließt wiederum an den Instrumental-Wettbewerb an. Das Auftaktkonzert fand im Dezember im Sasel-Haus statt. Die Veranstaltung in der Drostei ist die erste der Zwölf-Orte-Reihe im neuen Jahr.

Das Konzert „Zwölf Orte – Klassik in deinem Kiez“ mit Christa-Maria Stangorra, Violine, und Daria Parkhomenko, Piano, beginnt an diesem Donnerstag, 15.Januar, um 19.30 Uhr. Auf dem Programm stehen Werke von Schubert, Goldmark, Brahms und Ysaye. Der Eintritt kostet fünf Euro. Informationen zu den darauf folgenden Konzerten gibt es unter der Adresse www.zwoelforte.tonali.de im Internet.