Pinneberg
Wedel

So helfen Wedeler den Flüchtlingen

Mehr als 70 Ehrenamtliche engagieren sich in vier Gruppen für eine Willkommenskultur in der Stadt

Wedel. Wedeler Ehrenamtliche haben mit ihrem Engagement für eine Willkommenskultur in der Stadt ganz schön was ins Rollen gebracht. Die Begrüßung von neuen Flüchtlingen funktioniert beispielsweise immer besser und am Dienstag, 20. Januar, eröffnen die Helfer zudem ein Willkommenscafé im Freien Evangelischen Gemeindehaus, Höbüschentwiete 11, das jeden ersten und dritten Dienstag eines Monats geöffnet sein soll.

Das Café ist als Anlaufstelle für Neuankömmlinge und Helfer gedacht. Ziel ist es, schnell und unbürokratisch Hilfe zu organisieren, wenn zum Beispiel ein Schulranzen oder ein Fahrrad gebraucht wird. 2014 wurden der Stadt 79 Flüchtlinge zugewiesen, im ganzen Kreis waren es 776 Menschen.

Ende Oktober hat alles angefangen, als die Stadt ihre Bürger um Unterstützung bei der Betreuung von Flüchtlingen bat. Daraufhin kamen etwa 80 Menschen zu einer ersten Versammlung ins Rathaus. Nur eine kleine Minderheit beließ es dabei, mehr als 70 Freiwillige wollten mehr tun. Ein Teil von ihnen kümmert sich nun um die Begrüßung der Neuankömmlinge. Anfangs habe es noch einige Schwierigkeiten gegeben, aus denen sie aber gelernt hätten, sagt Hüseyin Inak vom Diakonieverein Migration, der die Begrüßungsgruppe koordiniert. Er selbst fuhr beispielsweise mit einer ehrenamtlichen Begrüßerin zur Ausländerbehörde nach Elmshorn, um dort eine syrische Mutter mit vier Kindern abzuholen. Die Helferin habe alle Behördengänge begleitet, sagt Inak, der eine „Lebendigkeit auf beiden Seiten“ ausgemacht hat.

Anschließend fuhren alle gemeinsam nach Wedel, wo die Begrüßerin im Einwohnermeldeamt und beim Sozialamt der Familie unter die Arme griff. Später, nach einem Abstecher in die Unterkunft, wurden die Neuankömmlinge zu den ersten Einkäufen begleitet. In den Tagen darauf besuchte die Begrüßerin die Neuankömmlinge häufiger und zeigte ihnen, wo sie was in Wedel finden. „Die Flüchtlinge sind schnell selbstständig unterwegs“, meint Inak. Genau dies sei der Sinn der Willkommenskultur.

Außer in der Begrüßergruppe engagieren sich die mehr als 70 Ehrenamtlichen in drei weiteren Gruppen: Eine Gruppe betreut die Neuankömmlinge mittel- und langfristig, in einer anderen helfen beispielsweise ehemalige Lehrer, dass die Flüchtlinge erste Schritte in der deutschen Sprache machen. Auch ein Schüler ist dabei, der den Flüchtlingen kostenlos Nachhilfe anbietet. Die vierte Gruppe organisiert das Willkommenscafé.

Auch wenn schon viel erreicht wurde, stecke die Willkommenskultur noch in den Kinderschuhen, meint Joachim Rose von der städtischen Koordinierungsstelle Integration. „Die interne Koordination und Kommunikation muss sich noch richtig entwickeln.“ Im Moment arbeite man daran, die einzelnen Gruppen besser zu vernetzen.

Hüseyin Inak, selbst aus Wedel, lobt die Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen mit der Stadtverwaltung. „Eine Verwaltung, die so hilfsbereit wie die in Wedel ist, habe ich noch nicht erlebt“, sagt er. Warme Worte, die er auch für Wedels Bürger übrig hat. „Die neue Willkommenskultur hier ist ein Zeichen, dass es in Wedel eine offene Gesellschaft gibt.“