Pinneberg
Rente mit 70

Sozialverband: „Viele schaffen es nicht mal bis 65“

Foto: Andreas Gebert / dpa

Vorsitzender des Sozialverbandes Deutschland im Kreis Pinneberg kritisiert den vom Chef der Bundesagentur für Arbeit zum Jahresbeginn publizierten Vorschlag einer freiwilligen Rente mit 70 scharf.

Kreis Pinneberg. Gerhard Renner, Vorsitzender des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) im Kreis Pinneberg, hat den vom Chef der Bundesagentur für Arbeit zum Jahresbeginn publizierten Vorschlag einer freiwilligen Rente mit 70 scharf kritisiert. „Unsere Erfahrungen zeigen: Viele Arbeitnehmer halten nicht mal bis 65 durch und nehmen sogar Rentenabschläge in Kauf, um einer immer härteren Arbeitswelt zu entkommen“, so Renner. Anstatt die Lebensarbeitszeit immer mehr zu verlängern, sollte sich die Arbeitsagentur mehr um Gesundheit am Arbeitsplatz, flexible Wochenarbeitszeiten für Ältere und eine gute Ausbildung der jungen Menschen kümmern. „Das wäre das beste Gegenmittel zum Fachkräftemangel“, so Renner.

Von den 60- bis 65-Jährigen sei überhaupt nur ein Drittel sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Nur etwa jeder 20. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeite bis zum geltenden Regelalter für den Rentenbeginn. Für die überwiegende Mehrheit seien hierfür vor allem gesundheitliche Gründe ausschlaggebend, sagt Renner. „Mit der Rente ab 70 werden Menschen unter Druck gesetzt, die ein ganzes Berufsleben in die Rentenkasse eingezahlt haben, um einen gesicherten Lebensabend verbringen zu können. Aber vielfach reicht der Lohn nicht, um ausreichende Rentenansprüche zu erreichen. Deshalb nehmen viele Rentner Neben- und Minijobs an – aus Not, nicht aus Spaß.“ Die durchschnittliche Rente von Männern liege bei 1060 Euro, Frauen bekämen im Schnitt nur die Hälfte davon. Die Ausweitung des Niedriglohnsektors, Zeiten der Arbeitslosigkeit und die bereits erfolgten Rentenkürzungen verstärkten den Trend zur Altersarmut.

Renner: „Wir brauchen keine absurden Renten-Ideen, sondern das engagierte Handeln aller Entscheidungsträger, um endlich mehr Gerechtigkeit und solidarisch finanzierte Sozialsysteme zu schaffen. Da gibt es riesiges Betätigungsfeld für die Politiker auch im Kreis Pinneberg. Die einen schicken ihr Geld in Börsen- und Immobiliengeschäfte, die anderen dürfen Anträge für die Grundsicherung schreiben – so etwas hält unsere Gesellschaft nicht mehr lange aus.“