Pinneberg
Schenefeld

Schenefeld baut an einer neuen Mitte

Agenda 2015: Bürgermeisterin Christiane Küchenhof und Centermanagerin Corina Schomaker werfen gemeinsam einen Blick auf Pläne und Projekte

Schenefeld. Sie sind zwei starke Frauen, die Schenefeld auf ihre Weise prägen. Und bei beiden geht es 2015 um die richtige Mitte: Corina Schomaker, Centermanagerin des Stadtzentrums, und Christiane Küchenhof, Bürgermeisterin von Schenefeld, müssen sich im neuen Jahr mit dem Zentrum ihrer jeweiligen Wirkungsstätte befassen. Was liegt da näher, als gemeinsam einen Blick in die Zukunft zu wagen und zu schauen, was 2015 für beiden und somit auch für Schenefeld auf der Agenda steht?

Besonders wichtig in diesem Jahr wird Schenefelds Stadtkern, zu dem sowohl das Rathaus als auch das Einkaufszentrum zählen. Allerdings gehört der Sitz der Verwaltung zum Stadtkern Süd und das Center liegt im Stadtkern Nord, dazwischen verläuft die vierspurige Landesstraße (LSE). Schon diese Bezeichnungen zeigen, was der Stadt seit Jahren fehlt: eine richtige Mitte. Bereits vor Jahrzehnten gab es Pläne, das Areal rund um das Rathaus am Holstenplatz umzugestalten und so einen richtigen Ortskern zu kreieren. Doch aus den Plänen wurde nichts, die Konzepte landeten in der Schublade. Diesmal soll es anders werden.

„In diesem Jahr stellen wir die Weichen für Schenefelds neuen Stadtkern“, ist sich Bürgermeisterin Küchenhof sicher. Möglich macht das ein Schreiben, das noch Ende 2014 die Schenefelder Stadtverwaltung erreichte. Dabei handelt es sich um den Bescheid vom Kieler Innenministerium, dass Schenefeld ins Förderungsprogramm zur Entwicklung von „Aktiven Stadt- und Ortsteilzentren“ aufgenommen wurde. Das bedeutet in den kommenden Jahren kräftige Zuschüsse von Land und Bund für die Schenefelder Entwicklungspläne.

2015 stehen 48,4 Millionen Euro an Städtebauförderungsmitteln zur Verfügung, die sich laut Innenministerium auf 27 Kommunen für 30Fördergebiete aufteilen. 120.000 Euro fließen zunächst als Anschubfinanzierung für vorbereitende Untersuchungen und das Erstellen eines Konzepts nach Schenefeld. Die Stadt muss ein Drittel, also 60.000 Euro, drauflegen. Damit soll in den kommenden Wochen die Verkehrssituation analysiert, die Gebäudesubstanz und Nutzung der betroffenen öffentlichen Einrichtungen wie Rathaus, Stadtbücherei, Sozialberatung und Bürgerbüro geprüft werden.

Mithilfe der externen Gutachten sollen in diesem Jahr Ziele und Projekte festgelegt werden. Das Planungsgebiet erstreckt sich von der Straße Borgfelde über das Rathausareal, die LSE und das Stadtzentrum hinweg bis zum Kiebitzweg. Auch das rund 10.000Quadratmeter große Gewerbeareal, auf dem Eigentümer Max-Dieter Altmann einst die Erweiterung des Stadtzentrums und später umfangreiche Wohnbebauung plante, ist inbegriffen.

Unter anderem geht es um die Schaffung eines neues Dienstleistungszentrums, in das öffentliche Einrichtungen unter einem Dach zusammengeführt werden sollen. Auf der Wunschliste mancher Partei steht auch die Schaffung von neuem Wohnraum, die Verbesserung der Verkehrssituation durch eine Entschleunigung der LSE, möglicherweise einen Kreisverkehr oder die Verlegung des Busbahnhofs vom Schenefelder Platz direkt vor die Tür des Stadtzentrums. Eine politische Arbeitsgruppe wurde bereits gebildet. Es gibt auch Stimmen, die einen Bürgerworkshop zu diesem Thema befürworten. Eine von ihnen ist Bürgermeisterin Küchenhof. „Es geht hier um das Herzstück der Stadt. Es macht keinen Sinn, einen Stadtkern zu planen, den die Schenefelder nicht wollen.“ Mithilfe eines Workshops Wünsche und Ideen der Bürger zu erfragen, erhöht aus ihrer Sicht die Akzeptanz des Projekts.

Eine, die sich diesen Workshop nicht entgehen lassen würde, ist Corina Schomaker. Sie blickt gespannt auf die Entwicklungen, macht sich über mögliche neue Einzelhandelsflächen rund ums Rathaus aber keine Sorgen. „Ich befürworte die Pläne. Davon profitieren wir alle. Das Stadtzentrum gehört zur Mitte Schenefelds. In anderen Städten ist das nicht so. Wir wollen zusammen einen Weg gehen und ein Bild daraus machen“, so Schomaker. Auch sie sucht den Dialog.

Unter anderem soll es am 31. Januar während des Centertalks um die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs und die Idee einer Verlegung des Busbahnhofs gehen. Dürfte sie sich etwas für die Entwicklung auf dem riesigen Areal von Nachbar Altmann wünschen, so wäre es Wohnbebauung und Gastronomie. „Es fehlt ein Café, wo die Leute auch einmal draußen sitzen können“, sagt Schomaker, die auf Synergien für ihr Center hofft.

Während sich Schenefeld auf den Weg zu einem richtigen Ortskern macht, arbeitet die neue Centermanagerin an der Mitte des Schenefelder Einkaufzentrums. Es geht um die Umgestaltung des Marktplatzes, wie die Centermitte heißt. Schomaker will in Abstimmung mit der Berliner Eigentümergesellschaft des Centers eine Modernisierung des Platzes anschieben. Es geht um neue Möbel, andere Pflanzen, eine klarere Abgrenzung der Gastronomiebereiche. Standen dort bis Jahresende noch die Häuschen des Weihnachtsdorfes, verlockt dort jetzt eine Eisbahn Kunden dazu, die Schlittschuhe zu schnüren. In einem Center eine Eisbahn zu installieren, kostet Energie – viel Energie. Das passt eigentlich so gar nicht zu Schenefelds Plan von einer Mustergültigkeit in Sachen Energieeffizienz. Die strebt Küchenhof an.

Seit 2013 arbeitet Schenefeld zusammen mit der Deutschen Energie-Agentur an der Einführung eines Energie- und Managementsystems. Unter anderem wird sich die Stadt 2015 daran machen, das Schulzentrum aufwendig energetisch zu sanieren. Kosten: etwa 1,1 Millionen Euro. Um dem Energiesparwunsch mehr Ausdruck zu verleihen und andere mit ins Boot zu holen, ruft die Stadt 2015 als Energiejahr aus. Dies bedeutet, dass sich zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen mit diesem Thema befassen. Ein Flyer, der noch in Arbeit ist, wird in öffentlichen Einrichtungen wie dem Rathaus ausliegen. Unter anderem befasst sich am Freitag, 6.Februar, die Lesung „KlimaSchatz“ in der Stadtbücherei mit Praxisbeispielen, um mit Energieeffizienz Kosten zu sparen.

Auch bei einem VHS-Kursus am 25.Februar geht es ums Energiesparen im Haushalt, am 27. März ums CO2-arme Kochen. Am 6. Mai lädt die Bürgermeisterin zur kostenlosen Infoveranstaltung ins Rathaus ein. Thema der Sanierungskampagne „Die Hauswende“ sind Wärmedämmung, Heizungstechnik und moderne Fenster. Mit viel Energie geht es auch 2015 ans Feiern.

Außer dem Stadtfest, das voriges Jahr ausfiel, wird auch das Oktoberfest in Schenefeld erneut gefeiert, und zwar vom 25. bis 27. Oktober am Rathaus, während das Stadtfest wohl mehr in Richtung Schenefelder Einkaufszentrum wandert. Dort treffen sich am 10.Oktober auch die Energiebündel der Stadt bei einer Messe, die übrigens auf dem Marktplatz organisiert wird.