Pinneberg
Kreis Pinneberg

Die Suche nach Erdöl wird konkret

PRD Energy wertet die Daten von 40 Bohrlöchern im Kreis Pinneberg aus, aus denen bis 1986 gefördert wurde

Kreis Pinneberg. Die Aussicht, dass bald wieder Erdöl im Kreis Pinneberg gefördert werden könnte, wird immer konkreter. Das kanadische Unternehmen PRD Energy, das bis 2018 im Raum Barmstedt und Elmshorn auf zwei Flächen mit einer Größe von je 125 Hektar nach Erdöl suchen darf, wertet bereits die Daten ehemaliger Erdölförderer im Kreis Pinneberg aus.

So seien zwischen 1954 und 1986 800.000 Tonnen Erdöl, fast eine Milliarde Liter, im Norden des Kreises aus der Erde geholt worden, sagt der PRD-Geologe Christoph Krämer. Das entspricht einem Drittel der Ölförderung Deutschlands im Jahr 2012. In Mittelplate, dem größtem Ölfeld im Wattenmeer, wird jährlich fast die doppelte Menge gefördert. Doch der Ölpreis – seit 1987 hat er sich etwa vervierfacht – lässt die Förderung kleinerer Ölmengen wieder lukrativ werden.

Die 800.000 Tonnen würden heute rund eine halbe Milliarde US-Dollar auf dem Weltmarkt erzielen. PRD untersucht die Daten von 40 Bohrlöchern im Kreis Pinneberg – 18 in Lutzhorn, 17 in Brande-Hörnerkirchen, vier in Bokel und eines in Groß Offenseth-Aspern. Jetzt liegt auch eine erste Raumempfindlichkeitsstudie vor, in der Umweltaspekte untersucht wurden, die gegen eine Förderung sprächen.

„Natur- und Wasserschutzgebiete sowie geschützte Biotope sind ausgeschlossen“, sagt Krämer. Die Studie könnte Orte wie Bevern, Hemdingen oder Tornesch zu möglichen Förderstandorten machen. Bedingung: Die Berechnungen und eine Probebohrung müssten es rentabel erscheinen lassen, sagt PRD-Sprecherin Gabriele Junker.

Das Unternehmen, das in Berlin seine Deutschland-Zentrale hat, will sein Anliegen nun stärker in die Öffentlichkeit bringen. „Wir hätten die Bürger sicherlich frühzeitiger und umfassender informieren sollen“, sagt Gabriele Junker. PRD nehme die Sorgen vieler Anwohner ernst, die vor allem die möglichen Gesundheitsgefahren der Fracking-Technologie fürchten. Beim Fracking werden Wasser und Chemikalien in den Untergrund gepumpt, um unterirdische Gesteinsschichten aufzubrechen. Doch Gabriele Junker stellt klar: „Wir wenden kein Fracking an, weil es hier unnötig ist. Wir würden herkömmlich nach Erdöl bohren, mit einer Stahl- und Betonummantelung und dem horizontalen Bohrverfahren.“ Dieses Verfahren sei weitgehend sicher und habe bei 30.000 Bohrungen in Norddeutschland zu keinerlei Problemen geführt.

Christa Neumann-Wilken aus Bokel traut diesen Aussagen nicht. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern der Initiative Fracking-freies Auenland, die bereits 340 Unterstützer hat. So dokumentiere das Landesamt für Bergbau in Hannover sehr wohl 80 Störfälle beim Bohren nach Erdöl, so Neumann-Wilken. Im Münsterland sei Ölschlamm ausgetreten. Und in Lutzhorn lagere Bohrschlamm aus der früheren Förderzeit unter der Kartbahn.

„Ich möchte nicht auf Ölfördertürme schauen“, sagt die Umweltschützerin. Sie ist zudem überzeugt, dass die Rohstoffvorräte im Untergrund bereits erschöpft sind. Die Bokelerin glaubt vielmehr, dass die Suche in Wahrheit den Salzstöcken im Erdreich von Barmstedt und Elmshorn gilt, um dort etwa Kohlendioxid zu speichern. „Wir dürfen uns nicht die Umwelt verschandeln lassen, ohne die Spätfolgen zu kennen“, sagt Neumann-Wilken.

Wenn die Firma PRD behaupte, dass sie das Öl ohne Fracking fördern könne, sei dies nur die halbe Wahrheit. Denn auch bei der herkömmlichen Förderung von Erdöl würden chemische Fluide ins Erdreich gepumpt, die dann ins Grundwasser gelangen könnten.

Die PRD-Vertreter geben zu, dass auch bei der herkömmlichen Förderung Chemikalien eingesetzt werden. Aber die seien so abgesichert, dass nichts passieren könnte, versichert Krämer. Junker sagt: „Das ist wie bei einem Schwamm. Das Öl sprudelt heraus, indem man in die porösen Erdschichten hineinsticht.“

Aber so weit sei es lange noch nicht. Wenn die Auswertung der Altdaten sowie weitere seismische Untersuchungen ergeben sollten, dass noch mindestens weitere Hunderttausende Tonnen Erdöl im Erdreich des Kreises lagern, würde eine Probebohrung beim Bergbauamt beantragt. Das muss bis 2018 geschehen. Sollte die Bohrung erfolgreich sein, könnte es nach dem Wunsch von PRD bald losgehen. Christoph Krämer: „Wir würden so schnell wie möglich mit der Förderung beginnen.“