Pinneberg
Wedel

In Wedel drücken mehr Studenten die Lehrbank

15 Prozent mehr seit 2012: Neue Fächer locken Nachwuchs an Wedeler Fachhochschule

Wedel. 15 Prozent mehr Studenten im Vergleich zu 2012. Allein mit Beginn des neuen Semesters im Oktober starteten 264 neue Wissbegierige an der Wedeler Fachhochschule ihre Ausbildung. Mit 1122 Studenten hat die Fachhochschule ein Hoch erreicht, wie sie es seit zehn Jahren nicht erlebt hat. Es läuft und das bereitet vor allem dem Chef der Fachhochschule (FH) Freude. „Die guten Anmeldezahlen bestätigen uns in unserem Kurs, Studieninhalte an der zukünftigen Nachfrage in Informatik, Technik und Wirtschaft auszurichten und akademischen Nachwuchs gezielt in den Disziplinen auszubilden, die langfristig gute berufliche Entwicklungschancen bieten“, sagt Professor Eike Harms, Präsident der Fachhochschule Wedel.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass es für die Fachhochschule ganz anders aussah. 2009 sackte die Zahl der Studenten auf ein Tief von 948. Hinzu kam die Hiobsbotschaft aus Kiel, dass anstatt der versprochenen Erhöhung der Landeszuschüsse die private Bildungseinrichtung sogar mit viel weniger Geld auskommen sollte. Rund zwei Millionen Euro steuert das Land Schleswig-Holstein zur Finanzierung der Wedeler Fachhochschule bei. Die trägt die Kosten zu 55 Prozent durch Studiengebühren, 35 Prozent kommen vom Land und zehn Prozent stammen aus Drittmitteln. Die Studenten befürchteten aufgrund der Kieler Einsparbemühungen, dass die Gebühren für sie steigen würden. Sie wehrten sich mit Unterstützung von kommunalen Politikern und der Uni-Leitung erfolgreich. Die Unsicherheit wirkte sich aber in den Folgejahren nicht gerade positiv auf die Anmeldezahlen aus. Erst 2012 ging es wieder spürbar aufwärts – dafür aber auch kräftig.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die seit 1948 bestehende Fachhochschule seit zwei Jahren verstärkt auf neue Angebote setzt. Das zahlt sich aus. Allein 35 Erstsemester meldeten sich für den neuen Bachelor-Studiengang Computer Games Technology an. Einer von ihnen ist Leon Kegebein. Der 19-Jährige machte vor kurzem erst sein Abitur am Wolfgang-Borchert-Gymnasium in Halstenbek. Anschließend standen ihm viele Türen offen. Doch sein Weg führte ihn ins nicht so weit entfernte Wedel. „Ich wusste, dass ich etwas mit Informatik machen will und ich habe vor, in die Videospielindustrie zu gehen. Da bot sich der Studiengang der Wedeler FH einfach an“, berichtet der Rellinger. Seine Studiengebühren in Höhe von 1290 Euro pro Semester übernahmen erst einmal seine Eltern. Dass er sie irgendwann tragen muss, schreckt ihn nicht. Aus seiner Sicht ist die Wedeler Fachhochschule genau das Richtige für ihn.

Nachdem ihm Freunde, die beim Tag der offenen Tür der FH waren, von ihren Eindrücken berichteten, machte sich Kegebein über die Angebote der Bildungseinrichtung schlau. Er entdeckte den geplanten neuen Studiengang Computer Games Technology und war begeistert. „Ein Volltreffer“, sagt Kegebein. Es war genau das, was er sich für seine Ausbildung vorgestellt hatte. Seit Mitte Oktober besucht er an fünf Tagen die Woche Seminare. Auf seinem Stundenplan stehen Grundlagen der Mediengestaltung, Programmierung und später auch Gamedesign und Special Effects. Der 19-Jährige ist sicher, dass er damit am Ende seines Studiums in etwa drei Jahren einen Job finden wird. „Die Videospielindustrie ist eine wachsende Branche. Meines Wissens nach könnte ich das, was ich in Wedel lerne, so nirgendwo anders studieren.“

Dass die Wedeler FH schon viele gefragte Fachkräfte und sogar ganze Unternehmen hervorbrachte, dafür gibt es einige Beispiele. So wie Johannes Ryks und Matthias Woggon, die 2008 die Firma eyefactive gründeten. Die beiden Medieninformatiker entwickelten während ihrer Studienzeit in Wedel ein Multitouch-System, mit dem sich Tresen, Wände oder Fußböden in computergesteuerte Anzeigentafeln verwandeln lassen. Für die Studenten Tobias Keip und Christoph Keller ging es von Wedel aus nach Hollywood, na ja nicht ganz. Sie arbeiten für zwei Firmen in London, die die Filmbranche mit Special Effects versorgen. Unter anderem brachten sie dem Zauberlehrling Harry Potter das Fliegen bei und ließen ihn und seine Kameraden auf ihren Besen durch Hogwarts sausen.

Damit es auch in Zukunft trotz demografischen Wandels an der Wedeler Fachhochschule so positiv weitergeht, will die FH weiter auf neue Angebote setzen und durch innovative Studiengänge beim Bildungsnachwuchs punkten. Die Nachfrage an Experten in bestimmten Bereichen sei groß. Dieser hohen Nachfrage stehe eine große Lücke an spezialisierten Fachkräften gegenüber. „Absolventen mit diesen Fachrichtungen hätten exzellente Karriere-Chancen. Die FH Wedel wird ihre Studienangebote weiter ausdifferenzieren, solange sie dem Nachwuchs und der Wirtschaft nützen“, so FH-Pressesprecherin Angela Koch. Für das kommende Wintersemester plant die FH unter anderem auch englischsprachige Studiengänge einzuführen, die auch Studenten aus dem Ausland nach Wedel locken sollen.