Erst ein Jahr nach Orkan Xaver beseitigen Fachfirmen im Kreis Pinneberg jetzt die letzten Schäden in den Wäldern

Kreis Pinneberg. Die Kettensäge jault durch den Wald. Am Schulauer Moorweg in Wedel ist Jan Wittek vom gleichnamigen Forstbetrieb zusammen mit seinen Mitarbeitern am Werk. Was die Experten hier zerlegen und beheben, sind keine neuen Schäden. Sondern tatsächlich noch Folgen der beiden Sturmtiefs Christian und Xaver. Die beiden Orkane tobten Ende 2013 in Norddeutschland und hinterließen deutliche Spuren. So deutlich, dass ein Jahr danach im Kreis Pinneberg erst die letzten Sturmschäden behoben werden können. Grund: Es fehlte an nötigen Fachfirmen.

Die verfügbaren konnten die Auftragsfülle nur nach und nach abarbeiten und konzentrierten sich erst einmal auf den Norden Schleswig-Holsteins, der besonders schlimm von den Stürmen betroffen war. Dort fiel fast ein Drittel des Waldbestandes dem Unwetter zum Opfer. „Die Auswirkungen der Orkane waren heftig. Helfer kamen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Zuerst wurden Wege und Gebäude frei geräumt“, erinnert sich Jan Wittek, Chef seines Forstbetriebs. Der Kreis Pinneberg kam dagegen verhältnismäßg glimpflich davon.

Etwa 3000 Hektar sind im Kreis Pinneberg Forst- oder Waldfläche. Der kleinste Anteil davon gehört dem Bund, wie beispielsweise Kasernenflächen oder entlang von Wasser-und Bundesstraßen. Der Rest zählt entweder zu den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten oder ist in kommunaler oder privater Hand. Im Kreis Pinneberg haben sich Kommunen und viele private Eigentümer zu einer Forstbetriebsgemeinschaft zusammengetan. Für diese etwa 800 Hektar Wald ist der Pinneberger Bezirksförster Christian Rosenow verantwortlich.

Rosenow beziffert den bis heute entstandenen Sturmschaden in seinem Revier auf etwa 4000 Festmeter. „Das ist wenig im Vergleich zu dem was Xaver und Christian weiter nördlich angerichtet haben. Dort sind ganze Wälder verschwunden.“ Im Kreis Pinneberg seien dagegen nur einzelne Bäume umgeworfen worden. Das bestätigte auch Ditmar Langer. Er ist Chef der Försterei Kummerfeld und damit für eine Fläche von 1700 Hektar im Kreisgebiet zuständig, die im Besitz des Landes sind. „1500 Festmeter sind durch die Windumwürfe durch die Stürme entstanden. Das ist nicht viel“, so Langer. Trotzdem konnte er erst Anfang Oktober die letzten Schäden in den Wäldern beheben. „Die Kräfte wurden gebündelt. Alles ist gen Norden gefahren und wir mussten eben warten.“

Das musste auch die Stadt Wedel. Die jetzigen Forstpflegearbeiten sowie die Beseitigung der Sturmschäden seien bereits vor längerem in Auftrag gegeben worden. „Aber es waren keine Firmen einsetzbar“, sagt Bettina Parszyk aus der Bauabteilung des Wedeler Rathauses. Nachdem im Norden die Lage im Griff ist, würden die Firmen nun in andere Gegenden ausschwärmen. „Jetzt räumen wir die letzten Ecken auf“, bestätigt Wittek. Das sei auch wichtig, weil die umgeknickten Bäume ein gefundenes Fressen für Borkenkäfer seien. „Wenn sie sich vermehren, befallen sie auch die gesunden Bäume, bevorzugt Fichten.“

Mit den Arbeiten in Wedel sind dann im Kreis Pinneberg laut Rosenow die fertig letzten Schäden in seinem Revier ausgeräumt. Ein Teil des Holzes aus dem städtischen Wald soll in diesem Jahr erst einmal auf dem Bauhof gesammelt und an einem Tag, der noch bekannt gegeben wird, an private Interessenten verkauft werden. Die Nachfrage nach Kaminholz steigt enorm, der Preis grundsätzlich auch. Allerdings in diesem Jahr nicht. Denn die Folgen von Christian und Xaver wirken sich auch auf das Portemonnaie von Feuerholzkäufern aus. Durch das viele auf dem Markt vorhandene Material bleibt der Preis trotz steigender Nachfrage stabil. Für Händler ist er sogar gesunken.

Laut Rosenow kostet das fünf Meter lange Holz aus dem Standardsortiment, was auch immer am Wegesrand lagert, derzeit zwischen 73 bis 75 Euro den Festmeter. Es waren schon einmal knapp zehn Euro mehr. Rosenow vermittelt auch zwischen Kaufinteressenten und Waldbesitzern. Wer selbst in den Wald geht und sägt, zahlt derzeit laut Rosenow 30 Euro.

Bequemer ist es da in Bullenkuhlen. Hier verkauft das Landesforstamt bereits getrocknetes und passend geschnittenes Kaminholz. Der Schüttraummeter Buche oder Esche geht hier laut Langer für 80 Euro an Selbstabholer weg. Als zusätzlicher Service wird das Holz auch bei Bedarf nach Hause geliefert – allerdings gegen Aufpreis.