Pinneberg
Interview

Elbtonal haut auf die Pauke

Percussion-Gruppe tritt in Elmshorn auf. Musiker Andrej Kauffmann aus Pinneberg über Leidenschaft und Filmmusik

Pinneberg/Elmshorn. Wenn es um Rhythmus geht, dann sind die Mitglieder von „Elbtonal Percussion“ gefragte Experten: Für den Film „Baader-Meinhof-Komplex“ hat das Hamburger Schlagzeug-Quintett die Musik produziert und mit Drum-Legende Stewart Copeland ein Album aufgenommen. Dazu kommen diverse DVD- und CD-Veröffentlichungen sowie jährlich etwa 50 Auftritte im In- und Ausland.

Mit ihrer Show „Faszination Schlagwerk“ wollen die Musiker Andrej Kauffmann, Jan-Frederick Behrend, Stephan Krause, Sönke Schreiber und Wolfgang Rummel am Sonnabend, 1.November, von 20 Uhr an auch das Publikum im Elmshorner Saalbau, Adenauerdamm 2, begeistern. Im Gepäck haben sie ein Repertoire, das von Klassik über Jazz bis Rock reicht und stets von einer Prise Humor gewürzt ist.

Vor dem Auftritt spricht Ensemble-Mitglied Andrej Kauffmann, 41, der in Pinneberg lebt und erste Bühnenerfahrungen als Uetersener Chorknabe sammelte, über Vorurteile, Pläne und Motivation.

Hamburger Abendblatt:

Die Mitglieder von Elbtonal sind Experten für Percussion. Was ist das eigentlich?

Andrej Kauffmann:

Percussion ist der Oberbegriff für alle Schlaginstrumente. Wer also nur an ein Drum Set denkt, greift zu kurz. Zu Percussion zählen alle Arten von Trommeln, aber auch Instrumente wie Xylofone, Marimbas, Vibrafone und Triangeln

Abendblatt:

Kann eine Gruppe, die ausschließlich aus Schlagzeugern besteht, überhaupt melodiöse Musik machen?

Kauffmann:

Da sprechen Sie ein Vorurteil an, gegen das wir anzukämpfen haben. Viele Leute erwarten von Percussion nur stupides, sich wiederholendes, wenig farbenfrohes Getrommel. Aber das ist nicht so. Wir erleben oft, dass die Menschen in den Pausen oder nach dem Konzert zu uns strömen. Sie sagen uns, dass sie überrascht sind, wie ergiebig so ein Schlagzeugabend sein kann.

Abendblatt:

Ist es möglich, durch Percussion in Trance verfallen?

Kauffmann:

Auch das mit der Trance gehört in den Bereich der Vorurteile. Es gibt zwar eine Afro-Trance-Percussion, aber das ist nicht unser Ding. Wir sind ausgebildete Musiker mit Hochschuldiplom. Wir spielen Konzerte, die den gleichen Anspruch wie Orchester- oder Jazzkonzerte haben.

Abendblatt:

Was gehörte bisher zu den Höhepunkten Ihrer Arbeit?

Kauffmann:

2012 haben wir mit Stewart Copeland, dem Schlagzeuger und Gründer der Gruppe „Police“, das Album „Plays Stewart Copeland“ aufgenommen. In den Niederlanden sind wir auch mit ihm aufgetreten. Copeland war und ist für viele Schlagzeuger ein Idol. Nicht wenige haben versucht, den Stil nachzuahmen. Wir sind stolz, dass wir mit so einer Koryphäe zusammenarbeiten konnten.

Abendblatt:

Sie komponieren auch Filmmusiken, oder?

Kauffmann:

Wir haben an mehreren Filmen teilgenommen – als Kreative oder Ausführende. Angefangen hat das 2008 mit dem „Baader Meinhof Komplex“, dann kam nach kurzer Zeit Doris Dörries „Kirschblüten – Hanami“. Zuletzt haben wir an „Sein letztes Rennen“ mit Dieter Hallervorden mitgewirkt.

Abendblatt:

Der britische Schlagzeuger und Musiker Phil Collins hat heute ein Hörproblem. Tragen Sie beim Arbeiten Gehörschutz?

Kauffmann:

Das haben wir uns abgewöhnt. Wir stecken uns höchstens etwas ins Ohr, wenn wir lange stupide für uns allein üben. Ich bin davon überzeugt, dass man ein Gehör fordern kann, wenn man ihm danach Ruhe gönnt. Schlagzeug ist übrigens eines der Instrumente, mit dem man am leisesten spielen kann. Bläser können da nicht mithalten.

Abendblatt:

Was erwartet die Besucher am 1. November in Elmshorn?

Kauffmann:

Die Bühne wird vollgestellt sein mit mehr als 100 Instrumenten. Und wir werden einen großen musikalischen Bogen spannen: Stücke mit und ohne Melodie und Harmonie gehören zu unserem Programm. Außerdem werden wir Musik auf Alltagsgegenständen machen, zum Beispiel mit Leitern, Eimern und Regentonnen. Das Stück „Lift Off“ ahmt das Startgeräusch von Hubschraubern nach.

Abendblatt:

Was planen Sie für 2015?

Kauffmann:

Die zweite Folge unseres Kinderhörspiels „Tom der Trommler“ wird im Frühjahr erscheinen. Auch eine DVD, die wir im Saalbau produziert haben, und das Album „The Art of Marimba“ kommen auf den Markt. Wir werden außerdem wieder viel auf Konzertreisen sein. Eventuell gehen wir eine Kooperation mit der Orchesterakademie des Schleswig-Holstein-Musikfestivals ein. Ein Konzertabend mit den jungen Musikern ist im Gespräch.

Abendblatt:

Empfinden Sie nach so vielen Jahren als Drummer noch Leidenschaft für Ihren Job?

Kauffmann:

Konzertkarten kosten im Vorverkauf elf und 18 Euro, an der Abendkasse 15 und 23 Euro. Tickets gibt es an allen Vorverkaufsstellen in Elmshorn sowie bei Sabine Petera in Moorrege unter der Telefonnummer 04122/902700.