Pinneberg
Schenefeld

Geschmeide selber schmieden

Gudrun Maass unterrichtet ihr Handwerk im Kunsthaus Schenefeld. Dort stellt sie ihren Schmuck auch aus

Schenefeld. Die meisten Teilnehmer ihrer Kurse stehen der Arbeit mit dem Lötkolben etwas skeptisch gegenüber. Gudrun Maass hält dann helfend die Hand. „Löten lernt man nicht an einem Wochenende“, sagt die 59-Jährige. Wie man einen Ring oder eine Brosche fertigt, schon. In ihrem Atelier im Kunsthaus Schenefeld bringt sie Interessierten bei, wie aus Gold und Silber Geschmeide wird. Ihre Kurse sind gut besucht. „Einige Teilnehmer kommen seit 14 Jahren“, sagt die Goldschmiedin.

Damals begann sie an der Volkshochschule in Halstenbek und Pinneberg, ihr Können weiterzugeben. Allerdings vermisste sie die passenden Werkzeuge wie Säuregerät, Walze oder Zieheisen. „Ich machte mich auf die Suche nach neuen Räumen und wurde im Schenefelder Kunsthaus fündig“, sagt die Goldschmiedin, die seit 2001 ihre Werkstatträume in der ehemaligen Schlosserei an der Friedrich-Ebert-Allee hat. Paare kommen, um Eheringe zu schmieden, Betriebe buchen sie für Mitarbeiterausflüge, andere möchten sich einfach gern handwerklich und kreativ betätigen.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Hilde Leiss machte sie sich 1981 selbstständig, mit 2000 Mark in der Tasche und einer Menge Ideen und Idealismus. Am Haus für Kunst und Handwerk in St.Georg teilten sich die beiden Goldschmiedinnen Werkstatt und Galerie für vier Jahre. Dann eröffnete Gudrun Maass ihre eigene Galerie „Goldader“ in Hamburg-Eppendorf, organisierte zahlreiche Ausstellungen und Messen der Kunst- und Handwerkerszene.

Nach zehn Jahren gab Gudrun Maass ihre Galerie auf. Als alleinerziehende Mutter eines Sohnes entschloss sie sich, künftig von zu Hause aus zu arbeiten, um mehr Zeit für ihr Kind zu haben. Fünf Jahre später startete sie als freiberufliche Dozentin durch.

Anfänger beginnen in ihren Kursen mit Sägeübungen mit Messing und Kupfer, um ein Gefühl für Werkzeug und Material zu bekommen. Dann kommt der schwierigste Part – die kreative Findungsphase. „Der Teilnehmer muss sich entscheiden, was er schmieden will“, sagt Maass. Das kann dauern. „Ist die Entscheidung dann gefallen, fällt die Anspannung spürbar ab und das fröhliche Geschnatter während des Sägens, Schleifens, Biegens und Hämmerns geht los.“ Am besten beginnt man mit einem Ring. Auf einem länglichen Stück Silber wird ein Muster aufgezeichnet. Wellenlinie oder Efeuranke – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Das Muster wird ausgesägt, die Platte mit einem zweiten Stück Silber verschmolzen, gebogen und die Enden verlötet. Eine Arbeit, die an zwei Tagen zu schaffen ist.

Der Schmuck, den Maass herstellt, ist groß und auffällig. In den Vitrinen und Schubladen liegen Ohrringe, Ketten, Armreifen und Ringe, aufwendig gearbeitet und einzigartig. Einige Arbeiten liegen manchmal jahrelang unfertig in der Schublade, wie zum Beispiel ein zierlicher Parfumflakon. Maass experimentiert gern, verwirft Ideen auch wieder. Einzigartig ist jedes ihrer Stücke, ebenso wie die der Kursteilnehmer. Denn in jedem steckt viel Liebe und manchmal auch ein wenig Mut, wenn die Angst vor dem Lötkolben überwunden wurde. Zu sehen ist der Schmuck von Gudrun Maass in einer Ausstellung, die am Freitag, 14. November, 14 bis 19 Uhr, eröffnet wird. Termine und Preise ihrer Kurse im Internet auf www.goldschmiedekurse-info.de.