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Elmshorn

Durch Konsum die Welt etwas besser machen

„Faire Woche“: Inder erklärt in Elmshorn, warum Deutsche mit Sorgfalt einkaufen sollten

Elmshorn. Anurag Mittal tourt zwei Wochen durch Deutschland. Der Inder ist kein Popstar, sondern Geschäftsführer. Er wirbt für sein Projekt Pushpanjali – eine der ältesten Fair-Trade-Organisationen in Indien – und berichtet an Schulen, welche Auswirkungen es am anderen Ende der Welt haben kann, wenn der Deutsche mit Sorgfalt konsumiert. Mittal besucht auch Weltläden, wie zum Beispiel den in Elmshorn, der auch Produkte von seinen Handwerkern im Sortiment hat.

Anlass für seinen Besuch ist die „Faire Woche“, eine Aktion, mit der Händler und Produzenten die Öffentlichkeit von den Vorzügen des fairen Handels überzeugen möchten. Der wird allerdings immer wieder durch Berichte über schwarze Schafe der Branche erschüttert: Geflügel aus Massentierhaltung, das mit Biosiegel versehen teurer verkauft wird, Kaffeehändler, die mit selbst entworfenem Logo für angeblich fairen Handel werben oder asiatische Garnelenzüchter, die sich trotz Geldspritze aus Entwicklungsprojekten nicht an Umweltvorgaben halten, verunsichern die Konsumenten. Viele stellen sich die Frage: Wie fair ist fairer Handel wirklich?

Mittal will Transparenz schaffen. Schließlich hängen der Erfolg von Pushpanjali – was so viel heißt wie Opfergabe von Blumen und Tanz an die Götter – und das Wohlergehen vieler Familien in und um Agra im Bundesstaats Uttar Pradesh von der Gunst der deutschen Konsumenten ab. Die Kooperative wurde 1982 mit fünf Produzenten gegründet. Die Idee war, sozial und wirtschaftlich Benachteiligten zu helfen. „Handwerkende Menschen gehören in Indien der niederen Kaste an und leben in Slums“, sagt Mittal. „Ihnen sollte ein besseres Leben ermöglicht werden.“ Mittlerweile verhilft seine Kooperative 200 Produzentenfamilien zu mehr Lebensqualität.

Ein Beispiel für die Arbeit von Pushpanjali sind zwölf Frauen aus Ajam Para in Agra. Seit rund drei Jahren sind sie bei guter Auftragslage von Montag bis Freitag sieben Stunden lang mit der Qualitätskontrolle und der Verpackung von Schals beschäftigt, während ihre Kinder in die Schule gehen. So können sie ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen und sind finanziell unabhängig, was für die Region ungewöhnlich ist. Andere stellen Waren aus Glas, Eisen, Holz oder Speckstein her.

Neben dem Fairen Handel ermöglicht Pushpanjali Sozial- und Umweltprojekte für die Gemeinden der Handwerker. Seit neun Jahren gibt es das „Medical Camp“. In einer Dorfschule nahe Agra werden am 18. jeden Monats circa 200 Patienten kostenlos behandelt. Wenn eine Operation in der Klinik in Agra notwendig ist, wird auch diese von dem Projekt finanziert. „5400 Menschen konnten so bisher erfolgreich am Grauen Star operiert werden“, sagt Mittal. Einmal im Jahr organisiert Pushpanjali Veranstaltungen, um die Öffentlichkeit für Umweltthemen zu sensibilisieren. Dann werden junge Bäume verschenkt und Flyer mit Informationen zu Themen wie Müllentsorgung verteilt. „Außerdem ermöglichen wir den Töchtern der Arbeiter, zur Schule zu gehen“, sagt Mittal. Denn viele kinderreiche Familien könnten es sich nicht leisten, allen Kindern Zugang zur Bildung zu ermöglichen. „Traditionell werden dann die Jungen in die Schule geschickt.“

Importiert und an Weltläden ausgeliefert werden die Produkte unter anderem vom Fair-Trade-Partner Globo mit Sitz in Beckedorf, 35 Kilometer von Hannover entfernt. Manfred Winkler hat das Unternehmen, das Mitglied im Forum Fairer Handel ist, 1973 gegründet und treibt seitdem die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern in Afrika und Asien voran. „Ich stehe im direkten Kontakt mit den Produzenten“, sagt Winkler, der Mittal auf seiner Deutschlandreise begleitet. „Wir versuchen, uns ein möglichst umfangreiches Bild von einem Betrieb zu machen.“

Angemessene Bezahlung, soziale Absicherung, keine Kinderarbeit, ökologisch sinnvolle Produktion, partnerschaftliche Handelsbeziehungen auf Augenhöhe sind ein Muss. Sein Leitmotiv: Wie kann er den Arbeitern am besten zu einer gerechten Bezahlung, einem gesünderen Lebensumfeld und zu mehr Raum für individuelle Entfaltung verhelfen? Die Aufnahme der Produkte in den Vertrieb beinhaltet auch immer konkrete Projektentwicklungen – wie die von Pushpanjali.

Weitere Infos zu den Projekten finden Sie unter www.pushpanjali.in und www.globo-fairtrade.de