Pinneberg
Appen

Appens Rüttelpiste bleibt bis 2018

Auskunft des Landesbetriebs für Straßenbau bringt Bürgermeister Banaschak auf die Palme. Erneute Risse entdeckt

Appen. Das ist keine gute Nachricht für die Appener und Tausende von Autofahrern, die täglich durch die Gemeinde fahren: Die vor etwa einem Jahr nach einer misslungenen Fahrbahnsanierung im Volksmund zur „Appener Rüttelpiste“ umgetaufte Hauptstraße wird laut Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Itzehoe nicht vor 2018 repariert. Appens Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak, CDU, befürchtet, dass der weitere Verfall der Hauptstraße schneller fortschreitet als die Prioritätenplanung des Landesbetriebs. „Die ersten Rollsplittstreifen weisen schon wieder Risse auf“ , sagt Banaschak.

Normalerweise läuft das so ab: Auf einer vielbefahrenen Straße sind im Laufe der Jahre diverse Fahrbahnschäden entstanden. Die zuständige Straßenverwaltung stellt zunächst wegen der Risse und Unebenheiten Warnschilder auf. Wenn das nicht mehr ausreicht, sorgt die Behörde dafür, dass die Schäden beseitigt werden. Der Fahrzeugverkehr hat wieder freie Fahrt, die Warnschilder werden nicht mehr benötigt.

In Appen ging das anders: Dort wurden vor etwa einem Jahr Risse und Aufbrüche auf der Landesstraße 106 im Abschnitt der Ortsdurchfahrt Hauptstraße provisorisch ausgebessert. Zur Beseitigung der Fahrbahnschäden setzten die Straßenbauer eine Bitumen-Emulsion ein, die anschließend mit Rollsplitt abgestreut wurde. Gewöhnlich ist das nach Auskunft von Burkhard Kötter, dem stellvertretenden Leiter des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr in Itzehoe, ein bewährtes Verfahren, um das Eindringen von Wasser und daraus resultierende Frostschäden in der Winterperiode zu vermeiden.

Allerdings wurde in der Appener Ortsdurchfahrt offenkundig zu dick aufgetragen. Dies ist auch der Grund dafür, dass entlang der Hauptstraße noch immer ein Dutzend Warnschilder mit der Aufschrift „Straßenschäden“ stehen. Schöner als mit solchen Signalen lässt sich der Abschluss einer verpatzen Baumaßnahme wohl nicht krönen. „Eigentlich sollten die Straßenschäden doch wohl beseitigt und die Schilder überflüssig sein“, meint auch Banaschak. Doch die Verkehrszeichen sind auch weiterhin dringend erforderlich. Denn nachdem die Straßenmeisterei Elmshorn die zahlreichen Schäden geflickt hatte, verwandelte sich die Fahrbahn in eine kilometerlange Holperpiste. Die längs und quer verlegten Rollsplittstreifen sorgen schon seit mehr als einem Jahr für ein einzigartiges Fahrgefühl. Je nach Federung, Stoßdämpferabstimmung und Fahrzeugtyp werden die Insassen der Autos in knüppelharte bis sanft schwingende Auf- und Abwärtsbewegungen versetzt. Banaschak beklagte schon kurz nach Abschluss die mangelhafte Ausführung der Bauarbeiten: „Das rüttelt hier wie auf einem Massagebett!“

Die heftigen Vertikalbewegungen bringen nicht nur den Bürgermeister, sondern auch Tausende Autofahrer auf die Palme. Es hagelte Proteste der Anwohner ebenso wie der zahlreichen Benutzer der Hauptverkehrsverbindung zwischen Pinneberg und Uetersen. Die meisten Beschwerden landeten bei Banaschak, der nun wirklich nichts für die Appener Wellenpiste kann. Er machte Druck bei den Straßenbauern des Landes. Doch erreicht hat er bislang wenig - außer einer nicht näher konkretisierten Zusage, man werde sich im Zuge eines Einzelprojekts die Ortsdurchfahrt erneut vornehmen.

Doch Banaschak ist damit noch nicht zufrieden. Denn nach wie vor wollen die Bürger wissen, wann die ungeliebte Rüttelpiste endlich erfolgreich saniert wird. „In jeder Gemeinderatssitzung melden sich während der Einwohnerfragestunde Bürger zu Wort, die sich über den schlechten Zustand der Hauptstraße beklagen.“ Vor wenigen Tagen fragte er deshalb erneut per E-Mail beim Landesbetrieb an. Eine Antwort steht noch aus.

Auch die Redaktion der Abendblatt-Regionalausgabe Pinneberg hakte in Itzehoe nach. Das Ergebnis der Recherche dürfte die Appener noch mehr auf die Palme bringen. „Im Landesstraßen-Erhaltungsprogramm für 2014 bis 2017 ist eine Reparatur oder Sanierung der Ortsdurchfahrt Hauptstraße nicht vorgesehen“, sagt Burkhard Kötter.

Demnach könne die Ortsdurchfahrt nicht vor 2018 in eine Prioritätenliste des Erhaltungsprogramms aufgenommen werden. Wenn überhaupt. Darüber werde wohl erst 2017 entschieden. Damit ist laut Kötter auch das zunächst anvisierte Einzelprojekt vom Tisch. Ursache für die Verschiebung seien die viel zu knappen Haushaltsmittel des Landes – Appen bleibt die Rüttelpiste wohl noch länger erhalten.