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Experten warnen: Beim Thema Porno gelassen bleiben

Sexualpädagogen der Beratungsstelle Wendepunkt geben in Elmshorn Lehrern Tipps zum Umgang mit Folgen des Internetzeitalters. Vermehrter Pornokonsum führe nicht zu mehr Gewalt, so das Fazit der Experten.

Kreis Pinneberg. Der Zugang zu pornografischen Inhalten ist durch das Internet leichter geworden. Gleichwohl habe dies noch nicht zu einer Verrohung zwischen den Geschlechtern oder gar vermehrten sexuellen Übergriffen gegen Mädchen und Frauen geführt, zitierte Bernd Priebe aus wissenschaftlichen Untersuchungen. Der Bereichsleiter für sexuell auffällige Kinder und Jugendliche der Elmshorner Beratungsstelle Wendepunkt hielt am Montag vor 65 Lehrern, Erziehern und Jugendbetreuern einen Vortrag zum Thema: „Pornografie 2.0“.

So riet der Sexualpädagoge den Jugendpädagogen zu Gelassenheit, wenn beispielsweise Schüler Filme und Videos mit pornografischen Inhalten auf ihrem Smartphone herumzeigten und damit andere Mitschüler brüskierten oder peinlich berührten. Vorfälle, wie sie dem Wendepunkt etwa einmal wöchentlich angezeigt würden, wie Priebes Kollege Dirk Jacobsen sagte.

„Ganz wichtig ist es, dieses Thema nicht tot zu schweigen oder es gar zu tabuisieren“, betonte Priebe. „Das wäre der schlechteste Weg, damit umzugehen.“ Die Mitarbeiter der Elmshorner Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch waren auf Einladung des Netzwerkes Medienkompetenz im Kreishaus, das die Jugendschützer der Kreisverwaltung, Silvia Stolze und Jörn Folster, vor einem Jahr mit verschiedenen Schulen, Medien und der Polizei im Kreis Pinneberg ins Leben gerufen haben.

Nach einem ersten Symposium zu Datenschutz und Cybermobbing, das im Frühjahr an gleicher Stelle stattfand, sollte es dieses Mal um Pornografie im digitalen Medienzeitalter gehen. Die überall und jederzeit über das Internet abrufbaren sexuellen Inhalte suggerierten, dass Kinder und Jugendliche davon zunehmend abgestumpft, pervers oder gar zu sexuellen Straftätern werden könnten, fasste Priebe ein oft geäußertes Vorurteil zusammen. Doch diese Schlüsse ließen sich wissenschaftlich nicht belegen. Im Gegenteil: „Untersuchungen zeigen, dass Jungs ganz überwiegend konventionelle heterosexuelle Praktiken bevorzugen und alles, was eher abnormal ist, als pervers ablehnen.“

Darum sei es wichtig, dass sich die Pädagogen darüber informierten und austauschten und es an jeder Schule und jeder Jugendeinrichtung ausgewiesene Experten gebe, die wüssten, wie angemessen darauf zu reagieren sei, falls es einen Vorfall an der Schule oder im Jugendzentrum gebe. Denn der vermehrte Konsum von Pornografie dürfe natürlich nicht dazu führen, dass sich möglicherweise Gewaltphantasien, Erniedrigungen gegen Frauen oder stereotype Sexualpraktiken in den Denkweisen der Kinder und Jugendlichen manifestierten, sind sich Priebe und Jacobsen des Problemfeldes bewusst.

Für das Netzwerk Medienkompetenz sollte diese zweite Veranstaltung ein weiterer Baustein auf dem Weg sein, Jugendliche im Zeitalter des Internets zu schützen und Pädagogen so aufzuklären, dass sie jederzeit Eltern und Jugendlichen raten können, was sie tun oder lassen sollten. „Wir werden dieses Netzwerk weiter ausbauen“, kündigte Kreis-Jugendschützerin Silvia Stolze an.