Pinneberg
Gartenzeit

Nach der Ernte ist vor der Ernte: Saat wartet in Gläsern auf Einsatz

Katy ackert: Zu Hause stapelt sich der reichliche Ertrag der Parzelle

Schnapsgläser? Die sind aus. Also im Prinzip besitze ich schon welche, sie sind bloß alle derzeit fremdvergeben. Denn mir fiel einfach kein besserer Aufbewahrungsort für die Saat ein, über die ich dank des Feldexperiments auf dem Appener Acker verfüge. Den teile ich mit mit anderen Städtern mit Gemüseanbaufimmel und Biobewusstsein jetzt seit Mai. Langsam neigt sich die Saison dem Ende entgegen und ich ernte fleißig meine Parzelle ab, bevor Schluss ist und die Gemüse-WG in die Winterpause geht.

Das klingt einfacher als es ist. Denn nach der Arbeit auf dem Feld folgt die Arbeit in der Küche. Gemüse, das man selbst gepflegt und gehegt hat, das man aufwachsen sah und selbst aus dem Boden grub, das gibt man ungern einfach her. Also wird das Essen zelebriert, das Feldgemüse aufwendig zu Gerichten verarbeitet. Dafür muss es ordentlich geschrubbt und von möglichst jedem Sandkorn befreit werden. Das Problem: Die trotz meiner rudimentären Anbaukenntnissen doch reichliche Ernte lässt sich so schnell nicht vertilgen – da helfen auch Freunde mit gutem Appetit einfach nicht weiter.

Also wird eingefroren, eingemacht, eingekocht und eingelagert. Im Tiefkühler ruhen Mengen an Kräutern, die ich zu Pesto verarbeiten kann. Pastinaken, Wurzeln und Rote Beete sollen sich in einem mit Sand gefüllten Eimer im Keller oder auf dem Balkon bis Weihnachten halten – so der Tipp der Projektinitiatoren aus Schenefeld. Meine neue Liebe, Pastinaken, zu Weihnachten auftischen? Das klingt zu gut, das muss ich einfach ausprobieren. Zwiebeln lassen sich getrocknet lange aufbewahren. Kürbis und Rote Beete kann man einmachen und Zucchini halten sich laut Initiatoren und Anbauexperten im vierten Erntezeitjahr bis Ostern, wenn man sie erst warm und dann kalt stellt.

Ich gestehe, dass mich die Arbeit nach der Arbeit auf dem Feld schlaucht. Und um die Ernte auch unter die Leute zu bringen, verschenke ich auch viel. Das macht dann tatsächlich doppelt Freude und verschafft mir auch ein paar Helfer. Für all diejenigen, denen die Ernte zu umfangreich ist oder die einfach etwas Gutes tun wollen, organisierten die Projektinitiatoren auch in diesem Jahr eine Ackerspende für die Schul-Tombola, die am vergangenen Mittwoch eingesammelt wurde.

Weil ich nicht mal eine Bohne, die für den Verzehr nicht mehr geeignet ist, wegwerfen kann, gleicht meine Fensterbank in der Küche einem Trockenlabor. Anschließend sitze ich vor einem Haufen Bohnen oder Zuckererbsen und pule. Die Vorstellung, einen Teil davon behalten zu können und vielleicht im kommenden Frühjahr in einem Topf oder wieder auf dem Appener Feld aussähen zu können, finde ich zu tröstlich, als sie wegzuwerfen oder auf dem Feld zurückzulassen. Weil mir anschließend nichts Besseres als Behälter einfiel, tummeln sich in Schnapsgläsern Bohnen verschiedener Art, Erbsen, Dillsamen, Bohnenkraut und Zucchini-Kerne. Und jedes Mal, wenn ich die Armee aus Schnapsgläsern im Regal sehe, freue ich mich schon auf den Frühling. Denn eines ist klar: In welcher Form auch immer, ich werde ausprobieren, ob diese Saat aus Schnapsgläsern etwas werden kann.