Pinneberg
Holm

Momente in Metall und Farbe

Die Pinneberger Künstlerin Anja Badners zeigt ihre Werke unter dem Titel „Betrachte den Moment“ in Holm

Holm. Eine rauschende Welle türmt sich auf. Weißer Schaum rollt über das Wasser. Der Moment, kurz bevor sie sich am Strand bricht, ist in Acryl auf einer Leinwand festgehalten. Fast ist das Rauschen der Wellen, die Sprache des Wassers, zu hören. Wie passend, dass das Gemälde in der Kantine der Holmer Firma Secumar hängt, die Rettungswesten für die Schifffahrt produziert. Momente wie dieser stehen im Mittelpunkt der Bilder, die die Pinneberger Künstlerin Anja Badners seit Anfang September bei „Ars Secumaris“ am Bredhornweg ausstellt.

Die Schau trägt den Titel „Betrachte den Moment“. Die etwa 60 Werke aus den vergangenen vier Jahren zeigen die künstlerische Reise, den Weg, den Badners während dieser Zeit in ihrem Schaffen zurückgelegt hat. „Die Ausstellung zeigt, was ich bisher gemacht habe und wie sich meine Arbeiten im Laufe der Zeit gewandelt haben“, sagt die 40-Jährige. Der überwiegende Teil der Werke sind Acrylmalereien. „Ich experimentiere aber auch mit anderen Materialien wie zum Beispiel Metall.“

Im Eingangsbereich des Ars-Secumaris-Gebäudes hängen zwei Autotüren und die Dachverkleidung eines 50 Jahre alten Trabant-P50. Diese Stücke liegen der Künstlerin, die zehn Jahre in Wedel lebte, bevor sie nach Pinneberg zog, besonders am Herzen. „Bei diesen Arbeiten geht es weniger um das Auftragen als um das Freilegen von Farbe“, sagt sie. Mit Schmirgelpapier rückte sie den Lackschichten zu Leibe, und so offenbart sich dem Betrachter ein kleines Stück, eine Momentaufnahme der Geschichte der alten P50-Teile. Da ist es wieder, das Thema „Momente“.

Anja Badners stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. 1993 kam die gelernte Krankenschwester nach Wedel, um im dortigen Krankenhaus zu arbeiten. Seit zehn Jahren lebt sie mit ihrem Lebenspartner und ihren zwei Kindern in Pinneberg. Gemalt und gezeichnet habe sie eigentlich schon ihr Leben lang, sagt sie, mal mehr, mal weniger. Seit etwa sieben Jahren widmet sie sich der Kunst der Acrylmalerei, 2010 stellte sie ihre Arbeiten erstmals im Elmshorner Klinikum aus. „Ich male, wenn die Kinder in der Schule sind, bei mir zu Hause. Ich habe dort meinen Raum, in den ich mich dann zurückziehen kann“, sagt Badners.

Ihre Inspiration holt sie sich dagegen meist im Freien. „Es geht mir dabei gar nicht um Objekte oder bestimmte Motive sondern viel mehr um Strukturen und Oberflächen. Wenn ich draußen bin, kann ich einfach den Kopf ausschalten und die Gedanken schweifen lassen. Dann kommen mir viele Ideen“, sagt Badners.

Fundstücke von ihren Streifzügen fließen auch in ihre Werke mit ein. So hängt in den Holmer Firmenräumen auch ein Bilderpaar, das ganz und gar aus Seilen, Eisen und Holz besteht. In beiden Rahmen tauchen dieselben Komponenten auf, allerdings in unterschiedlicher Anordnung. „Die Komposition soll zum Nachdenken anregen“, sagt die Künstlerin. „Woher kommt dieses Stück Holz, welche Funktion hatte es, was ist seine Geschichte?“

Anders als bei diesen beiden Werken ist bei einigen neueren Bildern, in die Badners alte Metallteile eingearbeitet hat, die ehemalige Funktion dieser Teile nicht mehr ersichtlich. Das Blech ist rostig, porös und brüchig. Trotzdem strahlen die Bilder eine gewisse Kraft aus, eine Beständigkeit. „Ich stelle mir gerne vor, dass dieses Stück Metall nie wieder so sein wird wie in diesem Moment“, sagt Badners. „Diese Vergänglichkeit durch natürliche Prozesse finde ich sehr interessant, gerade bei Metall.“ Viele ihrer Bilder zeigen maritime Motive, andere sind abstrakt gehalten. Auch figürliche Arbeiten wie die Ergebnisse einer Akt-Studie aus dem Sommer 2014 sind in der Schau zu finden.

„Die Ausstellung ist die umfangreichste, die ich bis jetzt gemacht habe. Für mich ist das eine schöne Möglichkeit, zu sehen, wie sich meine Arbeit in den vergangenen fünf Jahren verändert hat. Das Jetzt ist ja immer das Ergebnis aus dem, was vorher war. Und im Nachhinein hat man einfach einen anderen Blick“, sagt die Künstlerin. Ihre Arbeitsweise werde durch den Kontakt mit anderen Künstlern beeinflusst. Deshalb nimmt sie in Schenefeld an Kunstkursen teil, tauscht sich mit den Teilnehmern aus, probiert verschiedene Materialien und Techniken aus.

Auch in ihrer Freizeit dreht sich für Anja Badners vieles um die Kunst. Denn zusätzlich zu ihrer eigenen Arbeit engagiert sie sich seit zwei Jahren als Vorsitzende des Förderkreises Reepschlägerhaus in Wedel. „Da bin ich ganz nah dran an den Künstlern und ihren Arbeiten“, sagt Badners. Ab und zu bleibe da schon etwas hängen und beeinflusse ihre eigene künstlerische Arbeit. Seit 15 Jahren ist sie dem Wedeler Reepschlägerhaus verbunden, besuchte schon vor ihrer Tätigkeit im Förderkreis regelmäßig die Ausstellungen. Vor zweieinhalb Jahren stellte sie dann ihre eigenen Bilder im Reepschlägerhaus aus. „Das war besonders schön“, sagt Badners. „Aber jede Ausstellung motiviert mich aufs Neue. Das ist immer ein tolles Gefühl.“

Bis zum 15. Dezember sind die Bilder von Anja Badners unter dem Titel „Betrachte den Moment“ montags bis donnerstags von 8 bis 16.30 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr bei Secumar, Bredhornweg 39 in Holm, zu sehen. Weitere Informationen unter www.anjabadners.de im Internet.