Pinneberg
Rellingen

Brandstifter von Rellingen gefasst

Zivilfahnder nehmen André M. auf frischer Tat fest. Der 26-Jährige machte 2007 als „Apfelfest-Bomber“ Schlagzeilen

Rellingen. Er hat es wieder versucht, nur diesmal war die Polizei zur Stelle: Der Brandstifter von Rellingen ist gefasst. Der 26-Jährige wurde in der Nacht zu Dienstag beim Versuch, zwei nebeneinander stehende Wagen in Brand zu setzen, auf frischer Tat ertappt. Es handelt sich nach Abendblatt-Informationen um André M., der bereits vor mehreren Jahren Rellingen terrorisierte. Er machte 2007 als einer der Apfelfest-Bomber Schlagzeilen.

Die Festnahme erfolgte gegen 23.30 Uhr. Offenbar hatte André M. im Ortskern Papier unter ein parkendes Fahrzeug geschoben und dieses angezündet. Als er flüchten wollte, sah sich der 26-Jährige plötzlich mehreren Zivilfahndern gegenüber. Ihnen gelang es, den Täter zu überwältigen und das Feuer zu löschen, so dass nur geringer Schaden entstand. Am Tatort standen zwei Fahrzeuge nebeneinander. Offenbar sollten beide Raub der Flammen werden.

Der Mann befand sich nach Abendblatt-Informationen bereits länger im Visier der Ermittler. Ob die zivilen Kräfte den jungen Mann beschattet hatten und deshalb Zeuge der Brandstiftung wurden oder ob sie einen Hinweis auf die Straftat erhalten haben, will die Polizei nicht mitteilen. André M. verbrachte die Nacht in Polizeigewahrsam und wurde am Dienstagnachmittag dem Haftrichter vorgeführt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erging Haftbefehl. Er lautet auf versuchte Brandstiftung. „Der Täter steht im Verdacht, für die jüngste Serie von Brandstiftungen und Sachbeschädigungen in Rellingen verantwortlich zu sein“, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr.

Die Polizei ermittelt, für welche Taten André M. die Verantwortung trägt

Welche Taten dem Rellinger zugerechnet werden können, muss noch ermittelt werden. Am Abend des 30. Juni stand im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses ein Kinderwagen in Flammen, nachdem bereits in der Nacht zuvor ein Altpapiercontainer vor dem Haus angezündet worden war. Am Morgen des 1. Juli brannte erneut eine Flasche mit einer brennbaren Flüssigkeit im Treppenhaus des Gebäudes in der Straße An der Rellau. Auch ein Pkw-Brand am Morgen des 2. Juli am Falkengrund passt in das Schema. In der Nacht zum 28. Juli gingen das Jugendmobil der Gemeinde, das hinter dem Rathaus parkte, sowie kurze Zeit später ein Ford Fiesta in einem Carport an der Schmiedestraße in Flammen auf. Nur eine Nacht darauf traf es zwei Autos an der Straße Gaselhorn. In der Nacht zum 4. August brannten weitere vier Fahrzeuge, diesmal im Bereich An der Rellau. In den Folgetagen meldete sich der angebliche Brandstifter in einem sozialen Netzwerk zu Wort. Ob der jetzt festgenommene André M. hinter den Bekennerschreiben steckt, ist ebenfalls noch Gegenstand der Ermittlungen.

Er war 2007 von einem bewaffneten Spezialkommando der Polizei festgenommen worden, weil er mit einem Komplizen angeblich einen Bombenanschlag auf das Rellinger Apfelfest geplant hatte. Der Prozess vor dem Landgericht Itzehoe endete jedoch am 2. Juli 2008 mit einem Freispruch in diesem Anklagepunkt. Verurteilt wurde das Duo trotzdem – und zwar wegen mehr als 100 einzelner Straftaten. Darunter Brandstiftungen, Sachbeschädigungen, Reifenstechereien, ein Buttersäureanschlag und die Sprengung eines Zigarettenautomaten. Der angerichtete Schaden lag bei deutlich über 70.000 Euro. André M. wurde zu einer dreieinhalbjährigen Jugendstrafe und der Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik verurteilt, kam dann vor einiger Zeit wieder frei.

Festgenommener verbüßte bereits Haftstrafe, verbrachte Zeit in Psychiatrie

Die Festnahme des Feuerteufels löste auch im Rathaus der Gemeinde Erleichterung aus. „Mir ist eine unglaubliche Last von den Schultern gefallen“, sagt Bürgermeisterin Anja Radtke. Alle Bürger Rellingens könnten nun wieder ruhig schlafen, so die Verwaltungschefin weiter. „Unser großes Lob gebührt der Kripo Pinneberg und den Polizisten der Rellinger Wache.“

Sie hoffe sehr, dass nun alle Vorfälle der vergangenen Monate „restlos aufgeklärt werden können“. Auch der Zeitpunkt der Festnahme kommt für Radtke genau zur richtigen Zeit. „Am 26. September findet das diesjährige Apfelfest und das 40-jährige Bestehen des Musikzuges statt. Jetzt können wir alle unbeschwert dieses große Familienfest feiern.“