Pinneberg
Tornesch

Lisa Maries Eltern fühlen sich gestärkt

Mordprozess um Tat in Tornesch beginnt am 18. September – Vater des Opfers äußert sich im Radio

Tornesch. Für die Staatsanwaltschaft besteht kein Zweifel: Der 16-jährige Lukas M. hat im März in Tornesch die 18-jährige Lisa Marie heimtückisch getötet. Ab Donnerstag, 18. September, muss sich nun die Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe ihr Urteil bilden. Der Anklageerhebung ging ein psychiatrisches Gutachten voraus, das die Schuldfähigkeit des Jungen klären sollte. Die Gutachter halten Lukas M., der derzeit in der Jugendstrafanstalt Schleswig in Untersuchungshaft sitzt, für schuldfähig.

Wie die Staatsanwaltschaft sind auch die Eltern des Opfers überzeugt, dass der geständige 16-Jährige der Täter ist. Lisa Maries Vater, Nico Behrens, äußerte sich Dienstag im Radiosender R.SH zur Situation der Familie vor Prozessbeginn. „Ich denke, dass wir drei, die noch zu Hause sind – meine Frau, meine andere, 14 Jahre alte Tochter und ich –, relativ stark dabei sind“, sagte Behrens. „Wir warten jetzt ab, was die nächsten Tage bringen. Dann geht die Verhandlung los, und wir müssen sehen, wie wir damit klarkommen.“ Die Familie werde durch die Kriminalitätsopferhilfe Weißer Ring betreut. „Die sind immer für uns da“, so Behrens. „Wenn wir Probleme haben, können wir uns sofort bei denen melden.“

Eltern reichten Rechnung für Beerdigung bei Radiosender ein

Die Familie hatte sich im Rahmen der Aktion „R.SH zahlt ihre Rechnung“ gemeldet, bei der die Radiomacher mehrmals täglich eine von Hörern eingereichte Rechnung ziehen und sich die Teilnehmer anschließend innerhalb von drei Songs telefonisch melden müssen. Dann übernimmt der Sender den Rechnungsbetrag. Familie Behrens hatte die Bestattungskosten für Lisa Marie in Höhe von 5.101,40 Euro eingereicht, die nun der Privatsender trägt. Es sei der richtige Weg über das Geschehene zu sprechen, sagte Behrens. „Wir versuchen, so gut es geht, damit umzugehen.“

Die Ermordung von Lisa Marie hatte bundesweit Trauer und Entsetzen ausgelöst. Das Mädchen war am Abend des 19. März nicht nach Hause gekommen. Es folgte eine groß angelegte Suchaktion nach der Auszubildenden, die – wie auch der mutmaßliche Täter – aktives Mitglied der Tornescher Feuerwehr war. Lukas M. hatte sich Polizei und Medien gegenüber zunächst als besorgter Kumpel von Lisa Marie präsentiert. Er berichtete, die junge Frau hätte ihm am Tag ihres Verschwindens nachmittags noch erzählt, sie habe Probleme mit ihrem Freund gehabt.

Fünf Tage später wurde Lisa Maries Leiche dann hinter Lukas M.s Elternhaus auf einem Acker gefunden, der Junge kurz darauf festgenommen. Er gestand nach seiner Verhaftung, die 18-Jährige von hinten umfasst und erwürgt zu haben. Über die Hintergründe der Tat ist bisher wenig bekannt.

Nach dem Prozessauftakt in der kommenden Woche sind zwei weitere Verhandlungstage für den 6. und den 13. Oktober angesetzt. Abgeschlossen werden könnte das Verfahren, das komplett nicht öffentlich stattfindet, am 15.Oktober. Lukas M. droht im Falle voller Schuldfähigkeit und einer Verurteilung wegen Mordes laut Jugendstrafrecht eine Höchststrafe von zehn Jahren. Möglich ist auch eine Jugendstrafe in Verbindung mit einer Einweisung in eine psychiatrische Klinik.