Pinneberg
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Senioren fordern ihre grauen Zellen

Beim Heiteren Gedächtnistraining in Pinneberg trifft die ulkige Ulla auf den rüstigen Robert – und alle haben Spaß

Pinneberg. Es wird viel gelacht an diesem Vormittag im Treffpunkt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Pinneberg. 11 Senioren zwischen 60 und 85 Jahren – sieben Frauen und vier Männer – sind zusammengekommen, um etwas Gutes für sich und ihre Gesundheit zu tun. „Heiteres Gedächtnistraining“ heißt der Kursus, zu dem das DRK dienstags alle zwei Wochen in die Berliner Straße 11 einlädt. „Unter dem Motto ‚Lachen ist die beste Medizin‘ sollen die grauen Zellen gefordert aber nicht überfordert werden“, sagt Susi Wohlers, 60, zweite Vorsitzende des DRK Pinneberg. „In netter Runde wollen wir Freude an Aha-Erlebnissen wecken und die Neugier sowie die Kommunikation fördern.“

Punkt 10 Uhr sitzen die sieben Frauen und vier Männer an einem Tisch. Die Hamburgerin Hannchen Schröder-Paschilk, 64, Gedächtnistrainerin vom Bundesverband für Gedächtnistraining, leitet die Runde. „Wir duzen uns ja alle“, sagt die Gruppenleiterin, „und wollen uns erst einmal vorstellen. Wir können uns die Namen besser merken, wenn wir sie mit einem Eigenschaftswort verknüpfen.“ Und so stellen sich vor: die „ulkige Ulla“, die „heitere Helga“, die „großartige Gudrun“, die „rege Regina“, die „humorvolle Heidi“ und der „gutgläubige Gerd“. Die Senioren müssen teilweise herzhaft lachen, als sie die Wortkombinationen hören. Robert nennt sich der „ratlose Robert“. Aber die anderen motivieren ihn, „etwas Positiveres“ auszuwählen, und so wird aus dem „ratlosen“ der „rüstige Robert“.

Dann geht es an die erste Aufgabe an diesem Tag. „Bildet bitte so viele Begriffe wie möglich, die mit dem Wort Sonnen anfangen wie zum Beispiel Sonnenbrille“, sagt Hannchen Schröder-Paschilk. Die Senioren haben fünf Minuten Zeit, die Wörter zu notieren. Die Ergebnisse sind ganz unterschiedlich: Manche kommen auf fünf Begriffe, die beste, Ulla, 71, notiert 36 Begriffe vom Sonnenrad über Sonnenallergie und Sonnenbrand bis zu Sonnenexplosionen. „Mit zunehmenden Alter vergisst man viel“, sagt die Seniorin. „Aber ich löse zu Hause viele Rätsel. Es macht mir Spaß auszutesten, ob ich die Aufgaben noch knacken kann oder nicht.“

Und auch bei dieser Übung geht es heiter zu: „Sonnenstich“ ließt Helga als ein Beispiel vor. „Den wollen wir ja eigentlich vermeiden“, lautet der saloppe Kommentar von Hannchen Schröder-Paschilk, und alle elf Teilnehmer fangen an zu lachen. Die Analyse der Gedächtnistrainerin: „Wenn ihr euch erst mal so richtig in die Aufgabe hineindenkt, dann sprudelt es auch. Wenn man das Gehirn fordert, dann arbeitet es auch.“

Die Gedächtnistrainerin hat an diesem Vormittag auch zehn Tastsäckchen mitgebracht. Die Senioren sollen in die Säckchen hineingreifen, Gegenstände ertasten und den Begriff notieren. So ertasten die Frauen und Männer einen Sektkorken, einen Stein, eine Muschel, eine Dose, eine Wäscheklammer und einen Pinsel. Auch eine Kassette ist in einem Säckchen, was Heidi zu einer Bemerkung hinreißen lässt, die die Gruppe wieder zum Lachen bringen wird: „Wir sind ja alle nicht mehr so ganz frisch, wir wissen ja noch, was eine Kassette ist.“

Auch Schröder-Paschilk muss schmunzeln. „Wichtig ist, dass die Frauen und Männer, die ja freiwillig zu uns kommen, Spaß und Freude bei den Übungen haben. Deshalb ist es schön, dass viel gelacht wird. Wichtig ist auch, dass wir keine Schulsituation erzeugen. Ich versuche, immer positiv auf die Leute zuzugehen.“

Bei der folgenden Pantomimeübung müssen die Frauen und Männer sich von ihren Plätzen erheben und sich bewegen. In drei Gruppen sollen sie Begriffe nachahmen, die auch mit dem Sommer zu tun haben wie eine Strandburg bauen oder auf der Strandpromenade flanieren. Robert haut sich dabei mit den Händen auf Arme und Beine – „das sind die Mücken, die ich verscheuche“, sagt der 78-Jährige zur Erbauung der restlichen Teilnehmer.

Ganzheitliches Gedächtnistraining, sagt Schröder-Paschilk, beziehe alle Sinne und beide Gehirnhälften mit ein. „Es werden neue Informationen in bestehende Wissensstrukturen integriert und sinnvolle Zusammenhänge hergestellt. So wird die Sprachfähigkeit und die soziale Kompetenz gefördert. Die Aktivierung des gesamten Organismus hebt das körperliche und geistige Wohlbefinden.“

Robert lebt allein, seine Frau ist im Pflegeheim. „Ich habe sonst wenig gesellschaftlichen Kontakt“, sagt der Flugzeugbauer im Ruhestand. „Früher bin ich mit meiner Frau gesegelt und ins Theater gegangen. Heute komme ich mir manchmal vor, dass ich langsam verblöde. Diese Gruppe tut mir gut.“

Weitere Informationen: DRK Pinneberg, Susi Wohlers, Telefon: 04101/22229.