Pinneberg
Schenefeld

Mit voller Energie zur Musterstadt

100 Prozent Ökostrom, neue LED-Straßenlaternen, Schulzentrum sanieren: Schenefeld arbeitet kräftig an Energiebilanz

Schenefeld. Eins nimmt Jochen Ziemann gleich vorweg: „Von der Musterkommune ist Schenefeld noch weit entfernt.“ Und er muss es wissen. Denn der gelernte Elektroingenieur ist Chef eines Sachverständigenbüros für Windenergie- und Solaranlagen in Hamburg. Zudem übernahm der Schenefelder vor einem Jahr den Vorsitz des städtischen Ausschusses für Energie, Wasser und Abwasser. In dieser Funktion ist der Grüne eine der treibenden Kräfte, die derzeit mit Hochdruck daran arbeiten, dass sich Schenefelds Energiebilanz merklich verbessert, die Stadt tatsächlich einmal als Musterkommune dasteht. „Momentan bildet Schenefeld eher das Schlusslicht, wir müssen erst einmal aufholen“, zieht Ziemann die ernüchternde Bilanz.

Doch seitdem die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht ist, wird in punkto Energieeffizienz ordentlich Tempo gemacht. Sogar in der politischen Sommerpause ruhen sich die Mitglieder des Ausschusses für Energie, Wasser und Abwasser nicht aus. An diesem Donnerstag, 24. Juli, stehen gleich zwei weichenstellende Themen zur Abstimmung. Zum einen geht es um die Ausschreibung der Stromversorgung für öffentliche Gebäude. Der bisherige Vertrag läuft zum Jahreswechsel aus. Geht es nach den Grünen, soll vom kommenden Jahr an die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und durch ihre Leitungen 100 Prozent Ökostrom fließen lassen. Mit den Sozialdemokraten haben sie auch bereits einen starken Befürworter an ihrer Seite. Zusammen könnten sie die Ökostromlieferung von 2015 an auf den Weg bringen.

Das würde die Stadt dann auch etwas kosten. 2013 gab Schenefeld laut Stadtverwaltung 275.000 Euro für die Stromversorgung aus. Darin ist die Straßenbeleuchtung noch nicht inbegriffen. Sie wird über einen gesonderten Vertrag abgerechnet und steht derzeit nicht zur Debatte. Laut ersten Schätzungen würden sich die Kosten für die Stadt bei einem Ökostromvertrag um etwa sechs Prozent erhöhen. Das wären also etwa 16.000 Euro mehr, wenn die städtischen Gebäude so viel verbrauchen wie 2013. Genau das soll sich auch ändern und ist der zweite Punkt, mit dem sich der Energieausschuss an diesem Donnerstag befasst.

Die Kommunalpolitiker wollen ran an den größten Strom- und Kostenfresser der Stadt, der in öffentlicher Hand ist. Laut dem neuen Energiebericht Stadt, der in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur dena erstellt wurde, handelt es sich dabei um das Schulzentrum. Im Vergleich ähnlich aufgebauter Einrichtungen anderer Städte verbraucht das Schenefelder Schulzentrum sehr viel mehr Energie. Die Experten gehen davon aus, dass 32 Prozent Heizkraft und sogar 49 Prozent Strom eingespart werden könnten.

Neue dreifachverglaste Fenster, Erneuerung der Beleuchtung, Dämmung der Außenwände und/oder Dachsanierung? Was, wann und wie zum gewünschten energetischen Erfolg führt, soll jetzt ein Gutachter klären und ein Sanierungskonzept vorlegen. Der dafür nötige Auftrag und die Rahmenbedingungen sowie die Zieldefinition müssen die Kommunalpolitiker jetzt festzurren. Ziemann kann sich darüber hinaus vorstellen, dass man auch Anreize für Lehrer und Schüler schafft, bewusst Energie zu sparen.

„Wir müssen auch das Nutzerverhalten ändern“, verdeutlicht Ziemann, der sich eine abgewandelte Form oder Neuauflage des Programms Fifty/fifty vorstellen könnte, bei dem Kommunen Schulen belohnen, indem bei der Kostenreduzierung halbe-halbe gemacht wird. Sprich: Spart eine Schule 50 Prozent ein, bekommt sie 25 Prozent vom gesparten Geld zur eigenen Verwendung.

Während das noch Zukunftsmusik ist, kann Ziemann auch schon einiges von seiner Liste abhaken. Unter anderem hat die Stadt begonnen, im großen Stil die Straßenbeleuchtung auf LED umzustellen. Langfristig erhofft man sich dadurch eine Energieersparnis von 70 Prozent und 150.000 Euro weniger Kosten pro Jahr. Mehr Geld bringt jetzt auch die neue städtische Solaranlage. Die Anlage auf dem Schenefelder Sporthallendach ging 2013 voll in den Besitz der Stadt über. Die übernahm von E.on auch die Wartung und den Betrieb und erhält damit auch die vollen 17.000 Euro, die die Anlage erwirtschaftet. Dadurch spart die Stadt mehrere Tausend Euro.

Überhaupt soll es in Sachen Photovoltaik in Schenefeld vorwärts gehen. Die Grünen haben bereits einen Antrag gestellt, mit dessen Hilfe sie Schenefeld zur Solarstadt machen wollen. Das Paket umfasst die Prüfung aller öffentlichen Gebäude auf Potenzial für mögliche neue Anlagen, die Unterstützung und finanzielle Förderung von neuen Solaranlagen, die Erstellung eines Katasters, das Hauseigentümern zeigt, ob ihr Dach jeweils geeignet ist, ein Sonderkreditprogramm in Zusammenarbeit mit örtlichen Geldinstituten sowie Informationsveranstaltungen wie zum Beispiel eine Solarmesse. Den Vorschlag beraten jetzt die anderen Fraktionen. Klar ist bereits, dass der zweite Schenefelder Bürgerkongress am 22. November dem Thema „Energie“ gewidmet wird. Ziemann nahm am ersten Bürgerkongress teil und fand so den Weg in die Politik.