Pinneberg
Quickborn

Hundehasser streuen Gift auf Auslauffläche im Wald

Polizei und Ordnungsamt ließen den Platz an der Hamburger Straße sperren, weil ein Hund Schneckenkorn gefressen hatte. Er überlebte nur knapp. Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Quickborn/Henstedt-Ulzburg. Hundehasser haben in Quickborn zugeschlagen. Der Auslaufplatz an der Hamburger Straße bleibt vorerst gesperrt, weil ein Hund auf dem etwa 1,5 Hektar großen Waldgelände das hochgiftige Schneckenkorn gefressen hat. Der fünf Jahre alte belgische Schäferhund wurde in der Norderstedter Tierklinik behandelt. Er überlebte knapp. Bisher ist unklar, ob noch mehr Gift ausgestreut wurde.

Der Auslaufplatz für Hunde liegt an der Grenze von Quickborn zu Henstedt-Ulzburg und wird überwiegend von dortigen Hundehaltern genutzt. Auch die Besitzerin des betroffenen Schäferhundes kommt aus Quickborns Nachbargemeinde. Die 35-Jährige besuchte das Gelände am Mittwoch vergangener Woche. Gegen 20 Uhr lief der belgische Schäferhund in ein Gebüsch, wo er augenscheinlich etwas fraß.

Am nächsten Morgen stellte die Frau fest, das mit dem Tier etwas nicht stimmte. Der Hund war bewegungsfaul und völlig desorientiert, gegen 8.30 Uhr brach er zusammen. Die Besitzerin suchte sofort einen Tierarzt auf, der dem Tier den Magen auspumpte. Dabei wurden Reste entdeckt, die der Mediziner als Schneckenkorn identifizierte. Mit dem Gift halten Gartenbesitzer ihr Gelände schneckenfrei. Es ist in kleineren Mengen frei verkäuflich.

Schneckenkorn wird nicht nur in Hausgärten, sondern teilweise auch in größeren Mengen in der Landwirtschaft verwendet. Frisst ein Hund Schneckenkorn, sind die Symptome erst mehrere Stunden danach sichtbar: Speicheln, Atemgeräusche, Lähmung der Atemmuskulatur, Lungenödem, Atemnot, enge Pupillen, Zittern, Schwitzen, steifer Gang, Lähmungen, Erbrechen, Koliken, Durchfall, unkontrollierter Harnabsatz, langsamer Herzschlag, Angst, Unruhe, Krämpfe, und schließlich Koma. Dieser Hund konnte mit Hilfe eines Gegengiftes gerettet werden, er kam nach der Erstbehandlung in eine Tierklinik. Dort war man zunächst pessimistisch, was die Überlebenschance des Tieres anging. Inzwischen ist der belgische Schäferhund über den Berg.

Die Hundehalterin erstattete am folgenden Tag Anzeige auf der Polizeiwache in Henstedt-Ulzburg. Beamte entdeckten bei der Absuche des Hundeplatzes Fleischpelle, die offenbar ausgewürgt worden war. Daher besteht die Vermutung, dass mehrere Tiere die vergifteten Fleischköder gefressen haben könnten. Die Polizei sperrte den Hundeplatz ab. Sie versiegelte die Eingangstür und befestigte ein bedrucktes Blatt Papier daran, um Besucher zu warnen: „Vorsicht Giftköder. Polizeilich gesperrt.“ Auf einer danebenstehenden Tafel haben Passanten es drastischer formuliert: „Vergiftete Hundeköder gefunden!“ Darüber hat jemand einen Totenkopf gemalt. Die Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wird inzwischen von der Quickborner Wache bearbeitet.

„Der Eigentümer ist für die Gefahrenabwehr zuständig“, sagt Helga Lohse, Chefin des Quickborner Ordnungsamtes. Der Hundeauslaufplatz, der bereits seit mehreren Jahrzehnten besteht, liegt am Rande des Rantzauer Forstes, Eigentümer sind die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF). Sebastian Bohne, Revierleiter der Försterei Tangstedt, der für diesen Teil des Waldes zuständig ist, wurde vom Ordnungsamt über den Vorfall informiert. „Tatsächlich gibt es immer mal wieder Warnungen von Hundebesitzern, die glauben, irgendwo Gift entdeckt zu haben.“ Meistens jedoch erwiesen sich die Angaben als nicht zutreffend. In einem Fall konnte der Forstbeamte sogar nachweisen, dass die vermeintlichen Giftkörner nichts anderes waren als Holzmehl, das beim Bohren von Käfern in Baumstämmen entstanden war. Die Bedrohung der Hunde auf der Freifläche im Wald an der Hamburger Straße nimmt er jedoch ernst.

Für Lina Baasch aus Henstedt-Ulzburg, die den Hundetummelplatz mit ihrem Australian Shepard Percy, 7, regelmäßig besucht, ist es schwer verständlich, dass Menschen Giftanschläge auf Hunde verüben könnten. „Ich habe schon häufiger mal gehört, dass irgendwo Gift ausgelegt wurde, auch in diesem Waldbereich“, sagt sie. Allerdings hätten sich die Gerüchte bisher nie bestätigt. Bis jetzt.