Pinneberg
Uetersen

„Uetersen muss in die Region ausstrahlen“

Bürgermeisterin Andrea Hansen über Wahlkampf, Sparzwang und Zukunftspläne

Uetersen. Andrea Hansen, geboren 1958 in Hamburg, ist seit 2002 in der Uetersener Verwaltung tätig. Am 21.September 2008 wurde die Sozialpädagogin und SPD-Politikerin zur Bürgermeisterin der Stadt, in der sie auch wohnt, gewählt. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Im Abendblatt-Interview geht sie auf die Attacken ihres Herausforderers Andreas Faust, CDU, ein und auf die Frage, wie Uetersens Zukunft aussehen sollte. Am 21. September will sie sich wiederwählen lassen.

Hamburger Abendblatt:

Frau Hansen, die CDU hat für die kommenden Jahre die Mehrheit im Stadtrat, und die Union würde Ihre Amtszeit gerne sofort beendet sehen. Die politischen Rahmenbedingungen sind somit kompliziert. Wieso wollen Sie sich den Stress antun und noch einmal Bürgermeisterin werden?

Das ist positiver Stress, weil wir gemeinsam eine ganze Menge bewegen. Und es ist ja nicht so, dass die CDU die Mehrheit im Rat hat. In Uetersen gibt es schon länger keine absoluten Mehrheiten mehr, die Fraktionen müssen sie sich suchen.

Aber CDU, FDP und BfB treten fast immer als geschlossener Block auf.

Blockdenken ist mir fremd, ich arbeite mit Menschen. Alle Fraktionen schauen von Thema zu Thema, ob sie zusammen abstimmen oder nicht. 80Prozent aller Beschlüsse werden gemeinsam von allen Parteien gefällt. Das ist gut für die Stadt. Sicher haben wir jetzt mit dem Wahlkampf eine besondere Situation, aber das wird sich in einem halben Jahr wieder beruhigen. Wir sind auf einem guten Weg.

Was können und wollen Sie in Uetersen in den kommenden Jahren noch erreichen?

Meine Verwaltung soll bei allen Sparzwängen bürgernah und effizient bleiben. Uetersen wird weiter zukunftsfest gemacht, von Kitas und Schulen über moderne Bauvorhaben bis zur Wirtschaftsförderung. Ich stehe für eine starke und solidarische Stadt, die in die Region ausstrahlt. Aber vor allem geht es um die Programme der Ratsfraktionen.

Aber Sie können Akzente setzen...

Kann ich, das tue ich aber nach den Vorgaben der Volksvertreter. Wir sind uns einig, die Beteiligung der Bürger auszubauen, in der Stadtentwicklung und beim Integrationskonzept etwa. Es geht um bezahlbaren Wohnraum. Die Schulen werden modernisiert, das Ludwig-Meyn-Gymnasium gehört ja jetzt uns. Wir wollen den Bildungszweckverband. Ich hoffe, Tornesch will ihn auch. Die Fußgängerzone wollen wir aufwerten. Die Energiewende soll lokal unterstützt werden. Der Jugendbeirat braucht Hilfe für sein Projekt eines Jugendcafés, mit dem Seniorenbeirat werden wir an der Barrierefreiheit arbeiten. Uetersen soll eine Stadt sein, die zusammenhält und allen ein gutes Zuhause ist. Dazu brauchen wir die nötigen Mittel. Wir bringen gerade mit Hilfe der Landesregierung die Finanzen in Ordnung. Das klingt einfach, im Detail ist es aber schwer, weil viele sagen: Sparen ja, aber bitte nicht bei mir. Das wird also eine Herausforderung bleiben für die kommenden sechs Jahre und darüber hinaus.

Es wird also kräftig gespart?

Das Land will die Städte finanziell stärken, das hilft schon mal. Aber auch wir müssen uns weiter anstrengen und mit dem Land bis 2015 verhandeln, wo weitere Einsparungen oder Einnahmeverbesserungen möglich sind. Es geht noch um ein Volumen von 200.000Euro.

Wo wird denn dann gespart? Bei den Vereinen?

Nein, die Vereine sind nicht betroffen. Verwaltung und Rat halten an den freiwilligen Leistungen fest. Das ist richtig und gut. Wir müssen aber schauen, wo wir in Kooperationen Effizienz steigern und Ausgaben reduzieren können. Da sind alle gefragt.

Und welche Baustellen gilt es danach anzugehen?

Der Ausbau der Infrastruktur, von den Straßen bis zu den Netzen, ist ein Langzeitvorhaben. Das wird viele Jahre in Anspruch nehmen. Mit der K22 wollen wir endlich vorankommen, die braucht die ganze Region. Wir haben dreimal mit Tornesch über eine Verlobung gesprochen, es wird wohl auch noch ein viertes Mal geben. Uetersen wird sich noch stärker als Teil der Metropolregion Hamburg definieren.

Wie wollen Sie eigentlich Ihre Ideen durchsetzen, wenn die CDU nicht hinter Ihnen steht?

Mein Job ist es, die Verwaltung zu führen, Ratsbeschlüsse umzusetzen, für die Bürger da zu sein, Anstöße zu geben. Niemand ist alleine auf der Welt, auch nicht die CDU. Gewinnen und verlieren gehört dazu, für jeden. Die Lösungen der Zukunft entstehen aus den besten Ideen, Effizienz und Teamarbeit. Und in der Regel arbeiten wir ja gut zusammen. Wahlkampf ist ja nicht jedes Jahr.

Stichwort Wahlkampf: Ihr Herausforderer Andreas Faust wirft Ihnen vor, keine Fachkompetenz zu besitzen. Was entgegnen Sie?

Ich gebe der CDU einen kleinen Tipp: Miesmachen kommt nicht gut an. Seit zwölf Jahren arbeite ich erfolgreich mit dieser Verwaltung zusammen und möchte das auch gerne weiterhin tun. Denn Säen und Ernten gehören zusammen.

Was können Sie, was Herr Faust nicht kann, oder anders gesprochen: Warum sollten die Bürger ausgerechnet für Sie bei der Bürgermeisterwahl stimmen?

Weil sie mich und meinen hundertprozentigen Einsatz für die Stadt kennen.

Mehr Punkte gibt es nicht?

Hansen:

Das überlasse ich den Bürgern. Die kennen mich und können das sehr gut beurteilen.

Angenommen, Sie werden erneut gewählt, dann hätten sie mit Andreas Faust als Ersten Stadtrat einen Ihrer größten Kritiker weiterhin im Nacken. Ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Rathaus in einer solchen Konstellation überhaupt möglich?

Wir sind zur Zusammenarbeit verpflichtet. Und ich reiche sowieso lieber die Hand und nicht die Faust. Der Erste Stadtrat hat es momentan nicht ganz einfach. Er arbeitet sich noch in seine Aufgaben ein, zugleich muss er als Parteifunktionär Wahlkampf in eigener Sache machen. Nach der Wahl kann er sich auf eine Sache konzentrieren. Herr Bergmann von der CDU als Bürgervorsteher und ich harmonieren, wie ich finde, ganz hervorragend. Das setzt doch Maßstäbe für die Stadt, auch nach der Bürgermeisterwahl.