Pinneberg
Moment mal!

Wahlkampf – jede Menge Wirrwarr

Eine Glosse von Rainer Burmeister

Wenn ich in diesen Tagen mit dem Auto auf dem Thesdorfer Weg in Pinneberg fahre, springen mir im Zehntelsekundentakt Dutzende Porträts einer mir bislang unbekannten Frau ins Auge. Erst auf den zweiten Blick ist der Name Ulrike Rodust abzulesen. Kaum noch zu erkennen ist am unteren Rand der Slogan „Europa neu denken – SPD”.

Richtig! Am 25. Mai ist Europawahl. Und jeder Wahlberechtigte sollte vom seinem Recht zur Wahl des Europäischen Parlaments Gebrauch machen. Das ist ja wohl klar. Ob allerdings die Fülle der wie Scheuklappen am Straßenrand platzierten Stellschilder dem Wähler die Auswahl leichter macht, bezweifele ich. Von banal bis verwirrend reichen die Präsentationen der Parteien und Kandidaten.

Dem Denkanstoß der Sozialdemokraten setzt die CDU das Motto „Gemeinsam erfolgreich in Europa” entgegen. Da muss man erst mal drauf kommen! Immerhin ist mir die abgebildete Politikerin ein Begriff: Es handelt sich um Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die ist in der CDU, kandidiert allerdings nicht für das Europaparlament.

Mal sehen, was die anderen so drauf haben: „NSA – Gegen unbegrenzte Abhörmöglichkeiten“ ist auf einem Plakat am Bahnhof Halstenbek zu lesen. Nanu: Kandidiert jetzt die National Security Agency der USA schon fürs Europaparlament? Mit Sicherheit nicht. Und die NSA war doch bisher eigentlich eher nicht gegen das Abhören. Immerhin: Im unteren Teil des Plakats sind noch die Grünen vermerkt.

Was macht eigentlich die FDP? Die Liberalen fordern „Praxisnähe für Europa“. Na bestens. Umso mehr, wenn sich – wie in Pinneberg – nur wenige Meter vom Poster der Freien Demokraten entfernt ein Hinweisschild auf eine Kleintierpraxis befindet. Wie heißt es doch so schön: Kleinvieh macht auch Mist.

Krönender Abschluss meiner Wahlplakat-Tour sind Stellschilder mit dem Slogan „Cash – und ewig rauschen die Gelder”. Na, wenn das nicht für Europa passt! Von wegen: Beim „Cash” handelt es sich um eine Komödie des Theaters Schenefeld. Die machen zwar viel Theater, kandidieren aber nicht für Europa.