Pinneberg
Integration

Erfolgreiches Integrationsprogramm der VHS auf der Kippe

Foto: Constantin von der Decken

Überraschende Förderpause für die vom europäischen Währungsfonds finanzierten Kurse. Schock für Dozenten und Kursus-Teilnehmer an regionalen Volkshochschulen. Auch Integrationskurse für Migranten betroffen.

Pinneberg. "Berufsbezogener Deutschkurs (ESF-BAMF-Programm)". So heißt ein Kursus, der an ausgewählten Einrichtungen bundesweit angeboten wird, so auch in der Pinneberger und Elmshorner Volkshochschule (VHS). Er soll arbeitsuchenden Migranten durch Steigerung der berufsbezogenen Sprachkenntnisse den Einstieg in Ausbildung, Arbeit, Fortbildung oder Studium leichter machen. In sechs Monaten, 730 Kurseinheiten und einem vierwöchigen Praktikum werden sie auf das Berufsleben vorbereitet, und das mit durchschlagendem Erfolg – im Jahr 2013 fanden laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 46 Prozent der Teilnehmer eine anschließende berufliche Perspektive.

Wolfgang J. Domeyer, Leiter der VHS Pinneberg und Karen Wurr-Feldmann, Leiterin der VHS Elmshorn, sehen in dem Angebot das sinnvollste und erfolgreichste Integrationsprogramm überhaupt. "Motivierte Teilnehmer und qualifizierte Dozenten gewährleisten den Erfolg", so Domeyer. Am 1. April jedoch erreichte beide ein Brief, der der Euphorie ein jähes Ende setzte. Entgegen der zuvor getroffenen Aussage, Anfragen für Kurse seien noch bis Ende September einzureichen, datierte das Schreiben des BAMF die Frist zur Anmeldung neuer Kurse auf den 31. März, also in die Vergangenheit. Das Ende der ersten Förderperiode sei durch aufgebrauchte Geldmittel erreicht. Finanziert werden die integrativen Programme vom Europäischen Sozialfonds (ESF). Dieser verwaltet finanzielle Mittel, die in Europa für die Schaffung fairer Beschäftigungschancen und den Abbau von Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt sorgen sollen. So wird das Geld, weitergeleitet über das BAMF von den VHS bezogen, um integrative Kurse kostenlos anbieten zu können.

In der ersten Förderperiode von 2009 bis heute waren das 230 Millionen Euro. Potenzielle Teilnehmer gibt es viele, diese werden meist vom Arbeitsamt an die Kurse vermittelt, damit ist jetzt erst mal Schluss: "Aufgrund der plötzlichen Unterbrechung der Zuschüsse haben wir nur in Schleswig-Holstein ungefähr 500 Teilnehmer auf den Wartelisten, 40 davon allein in Pinneberg", so Domeyer.

Er und seine Kollegin aus Elmshorn sind irritiert, wie auch unzählige andere Träger des Programms. Zwar steht die nächste Förderperiode von 2015 bis 2018 für das Programm schon fest, bis dahin können aber keine weiteren Kurse begonnen werden. Von April bis Oktober 2014 laufen lediglich die Ausschreibungen für die nächste Förderperiode. Das heißt, dass bis Ende des ersten Quartals 2015 wahrscheinlich nicht angefangen werden kann, die Wartelisten abzuarbeiten.

"Während der fast ganzjährigen Pause können gut qualifizierte angestellte Dozenten ihren Vertrag nicht verlängert bekommen und Praktikumsplätze nicht von uns besetzt werden", sagt Wurr-Feldmann. Aufgrund der langen Unterbrechung werden Strukturen aufgelöst und müssten beim "zweiten Auftakt" der Initiative wieder neu geschaffen werden. Die Träger des Programmes, die seit fünf Jahren für ein flächendeckendes Angebot der erfolgreichen Kurse gesorgt haben, können die unerwartete Pause nicht nachvollziehen. Domeyer: "Wenn von uns eine verlässliche Struktur erwartet wird, müssen wir uns auch auf die Bundesregierung verlassen können."

Das Programm wird vor allem von jungen Menschen zwischen 20 und 30 angenommen, die geringe Abbrecherquote spricht dabei für sich. Allein an den Volkshochschulen Pinneberg und Elmshorn haben 200 Teilnehmer den Kursus absolviert, in Deutschland sind es, laut BAMF, sogar knapp 120.000 Menschen gewesen.

Doch es gibt Hoffnung: Christian Westhoff, stellvertretender Pressesprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sagte dem Abendblatt auf Anfrage, es stünden noch zusätzliche ESF-Mittel zur Verfügung. Diese stammen aus Überschüssen anderer ESF-Programme. Die Mittel sind zwar begrenzt, mit ihnen werde jedoch versucht, einen möglichst gleitenden Übergang zwischen den Förderperioden zu schaffen. Alle Anfragen könnten jedoch nicht bedient werden.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.