Pinneberg
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Eine Institution verlässt die Fußgängerzone

Meyer’s Frischemarkt schließt nach 15 Jahren den Standort an der Dingstätte und eröffnet im Juni neu an die Friedrich-Ebert-Straße

Pinneberg. Der Abschied fällt allen irgendwie schwer. Den Kunden. Den Angestellten. Und den Chefs. Nach 30 Jahren in der Pinneberger Innenstadt schließt Meyer’s Frischemarkt am heutigen Mittwoch um 17 Uhr in der Fußgängerzone Dingstätte für immer seine Pforten. Die schwedische Modekette H&M übernimmt die Räume des Frischemarktes, der Anfang Juni einen neuen, größeren Standort an der Friedrich-Ebert-Straße beziehen wird.

15 Jahre lang hatte der Pinneberger Bert Meyer seine Lebensmittel am Fahltskamp angeboten, zunächst dort, wo heute der Drogeriemarkt Budnikowsky sein Geschäft hat. Dann war er rund 30 Meter weiter in die Dingstätte gezogen, nachdem das Kaufhaus Karstadt Pinneberg verlassen hatte.

An diesem Mittwoch weicht eine drei Jahrzehnte währende Institution im Herzen der Kreisstadt, die viele treue Kunden und viele Mitarbeiter hat, die seit vielen Jahren zu Diensten sind. So wie Einzelhandelskauffrau Uta Schröder, 39, aus Quickborn. Sie arbeitet seit 17 Jahren für Bert Meyer –zwei Jahre im Fahltskamp und 15 Jahre in der Dingstätte. Die gebürtige Greifswalderin erinnert sich noch genau an den ersten Arbeitstag im Frischemarkt an der Dingstätte: „Die Truhen waren vollkommen leer. Wir standen davor und haben nach und nach die Joghurtbecher eingeräumt. Wir waren alle total happy und in Aufbruchstimmung.“

Damals firmierte der Laden noch unter der Marke Spar, seit 2005 heißt er Edeka. „Es ist ein schreckliches Gefühl, dass wir nach 15 Jahren den Laden schließen“, sagt Uta Schröder. „Ich war ja von Anfang an dabei. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich alles noch einmal gerne von vorne erleben wollen, auch die stressigen Zeiten.“

Bert Meyer, 65, geht am Tag vor dem letzten Tag noch einmal durch seinen Laden am Lindenplatz. Viele Süßigkeiten und Säfte sind schon nicht mehr vorrätig, die Gemüseabteilung und die Frischetheke sind dagegen noch frisch und prall gefüllt. Viele Kunden kennen Bert Meyer und grüßen ihn. Viele bedanken sich. Und viele sagen „bis bald“ am neuen Standort.

„Wir ziehen hier schon mit einem weinenden Auge aus“, sagt Bert Meyer. Der Standort an der Dingstätte war mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche doppelt so groß wie der Spar-Markt am Fahltskamp. „Vor 15 Jahren war unser neuer Markt an Dingstätte sehr gut besucht“, sagt Bert Meyer. Doch im Laufe der Jahre kamen Marktkauf nach Prisdorf und Famila ins Rosenfeld. „Der Kunde möchte heute mit dem Auto vorfahren, problemlos möglichst ebenerdig einen Parkplatz finden und dann einkaufen“, sagt Bert Meyer. „Der Standort an der Dingstätte hatte keine profitable Zukunft mehr und war schon die letzten Jahre nicht mehr rentabel.“ Aber da ist auch ein lachendes Auge, mit dem Bert Meyer den letzten Tag seines Frischemarktes begleitet. Der 65-Jährige freut sich auf seinen neuen Edeka-Markt an der Friedrich-Ebert-Straße. 2500 Quadratmeter Verkaufsfläche warten ab Anfang Juni auf die Kunden – verantwortlich für den Markt wird Bert Meyers Sohn Jörg, 46, sein; Vater und Sohn sind Geschäftsführer.

„Ein moderner Edeka-Markt benötigt 800 Artikel auf Aldi-Preisniveau und einen großen Getränkemarkt", sagt Bert Meyer. Der neue Getränkebereich an der Friedrich-Ebert-Straße wird allein 300 Quadratmeter groß, die Frischetheke mit Fleisch, Wurst, Käse und Salaten 30 Meter lang sein.

„Keiner unser 40 Mitarbeiter in der Dingstätte wird seinen Arbeitsplatz verlieren“, sagt Bert Meyer. „Im Gegenteil: Wir werden am neuen Standort 15 neue Mitarbeiter einstellen.“ Der künftige Marktleiter an der Friedrich-Ebert-Straße wird den Pinnebergern wohl bekannt sein: Es ist Carlo Reiners, 29, aus Hamburg-Lokstedt, der seit Juli 2011 Marktleiter an der Dingstätte war. Reiners ist seit August 2000 im Unternehmen und hat bei Bert Meyers Tochter Susann im Frischemarkt am Tibarg in Hamburg-Niendorf gearbeitet.

Bert Meyer bedauert indes, „dass wir es nicht hinbekommen, eins zu eins von der Dingstätte in die Friedrich-Ebert-Straße umzuziehen“. Der Mietvertrag in der Dingstätte läuft Ende März aus. Aber der Neubau an der Friedrich-Ebert-Straße hat sich um zwei Monate verzögert: Die Tiefgarage mit 62 Plätzen ist erst Anfang Mai befahrbar. Hinzu kommen 120 Parkplätze im Freien. Aber Bert Meyer zeigt Verständnis für die Verzögerungen: „Bei jedem Bau muss man damit rechnen, dass etwas länger dauert.“

Offen bleibt derweil die Frage, ob alle Edeka-Stammkunden aus der Dingstätte auch künftig bei Meyer in der Friedrich-Ebert-Straße einkaufen werden. Stammkundin Inge Zühlsdorff, 75, ist auf einen Rollator angewiesen und seit Jahren täglich mit dem Taxi vom Quellental zum Frischemarkt in der Fußgängerzone gefahren – für 18 Euro hin und zurück. „Ich kaufe pro Woche 15 Zeitschriften bei Edeka“, sagt Inge Zühlsdorff. „In Zukunft werde ich wahrscheinlich bei Penny einkaufen. Der neue Edeka-Markt an der Friedrich-Ebert-Straße ist mir zu groß.“