Pinneberg
Kreis Pinneberg

Polizei hat die Biker im Visier

Verstärkte Kontrollen sollen Raser aus dem Verkehr ziehen. Motorradfahrer sollten Fahrtrainings absolvieren

Kreis Pinneberg. Das milde und überwiegend trockene Wetter der vergangenen Wochen hat bereits zahlreiche Motorradfahrer auf die Straßen in Schleswig-Holstein gelockt. Die meisten Biker haben den Fahrspaß auf zwei Rädern bislang ungestört genießen können, dennoch verzeichnet die Polizei schon jetzt mehrere Unfälle mit Bikern. 73 motorisierte Zweiradfahrer sind im Land bereits leicht verletzt und 20 schwer verletzt worden. Ein Fahrer wurde getötet. Der Kreis Pinneberg ist von solch schweren Unfällen bislang noch verschont, dennoch bereitet sich die Polizei vor und kündigt Verkehrskontrollen an, um die Zahl der Unfälle zu minimieren.

„Wir haben für den Sommer entlang der Haseldorfer Marsch Kontrollen geplant“, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. Das Gebiet sei bei Bikern beliebt und werde mit Beginn des Sommers stark frequentiert. Mit den Kontrollen will die Polizei Raser aus dem Verkehr ziehen, bevor es zu tödlichen Unfällen kommt, so wie im Juli 2013, als in Borstel-Hohenraden, Kaaksburg und Norderstedt gleich drei Motorradfahrer an einem Tag ums Leben kamen.

Laut der Polizei werden viele Unfälle, an denen Motorradfahrer beteiligt sind, von den Bikern verursacht oder mitverursacht. Hauptunfallursache war meistens überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit. „Das ist immer noch die Hauptursache. Aber auch Kurven werden oft nicht richtig eingeschätzt“, sagt Mohr. Ein weiteres Problem: riskante Überholmanöver an Stellen, die wenig übersichtlich sind, oder bei Gegenverkehr. Nicht selten würden Motorradfahrer die Geschwindigkeit des Gegenverkehrs unterschätzen. Aber auch ein Verschalten beim Überholen könne schnell zu einer riskanten Situation führen.

Auch wenn es schon 17 Mal in diesem Jahr in der Region gekracht hat – echte Biker-Unfallschwerpunkte gibt es im Kreis nicht. Das Risiko sei quasi überall gleich hoch oder niedrig, je nach Sichtweise. In Orten und Städten würden seit Jahren beinahe ebenso viele Unfälle registriert wie außerorts. Innerorts gehen die Unfälle zumeist aber glimpflicher aus. Dort würden zum Beispiel Kreuzungs- und Einmündungsbereiche immer wieder zum Problem für Biker, da diese dort oft von Auto- oder Lastwagenfahrern übersehen werden und ihnen somit die Vorfahrt genommen wird. Da hier aber deutlich langsamer als außerorts gefahren werde, sei das Verletzungsrisiko etwas geringer.

„Die Unfälle mit verletzten Motorradfahrern geschehen meist außerorts. Dort wird oft zu schnell gefahren“, sagt die Polizeisprecherin. Und aufgrund der höheren Geschwindigkeit sei das Verletzungsrisiko automatisch größer.

Gerade zu Beginn der Bikersaison mahnt die Polizei daher zu Vorsicht und Zurückhaltung im Straßenverkehr. Auch, weil vor allem größere und leistungsfähigere Motorräder nicht immer leicht zu beherrschen seien. Besonders die Wiedereinsteiger, überwiegend Männer und Frauen, die älter als 40 Jahre sind, sind laut der Polizei sehr oft mit PS-starken Maschinen unterwegs. Viele der Biker verfügen aber nicht über die für diese Maschinen notwendige Fahrpraxis. Daher sollten Zeit und Geld für entsprechende Schulungen investiert werden, rät die Polizei. Dadurch könnten Unfälle vermieden werden.

Daher bieten verschiedene Organisationen zum Teil in Zusammenarbeit mit der Landespolizei seit Jahren beispielsweise in Lübeck-Blankensee, in Lüneburg oder in Hohenlockstedt bei Itzehoe spezielle Sicherheitstrainings an, um möglichst viele motorisierte Zweiradfahrer für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr zu schulen.

Die Polizei rät Bikern auch, insbesondere darauf zu achten, dass sie für andere Verkehrsteilnehmer immer gut erkennbar sind. Motorräder müssen mit eingeschaltetem Abblendlicht oder Tagfahrleuchten fahren. Biker sollten auch in Teilen reflektierende Kleidung tragen. Die Technik, gerade die Bremstechnik, müsse ebenfalls in einem einwandfreien Zustand sein.

Im Jahr 2012 lag die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung motorisierter Zweiradfahrer landesweit bei 1613. 25 motorisierte Zweiradfahrer kamen dabei ums Leben, das ist mehr als ein Fünftel aller getöteten Verkehrsteilnehmer im Land. 1392 Zweiradfahrer wurden verletzt; davon 343 schwer. Im Jahr 2013 reduzierte sich die Zahl der Biker-Unfälle nur geringfügig: 1603 Mal lagen die Zweiradfahrer auf dem Asphalt oder im Graben. Dabei kamen 20 motorisierte Zweiradfahrer ums Leben, 1383 wurden verletzt, davon 387 schwer.

Die Polizei will deshalb nicht nur im Kreis Pinneberg, sondern landesweit gezielt an Unfallschwerpunkten den Verkehr kontrollieren. Dass diese Maßnahmen notwendig sind, daran besteht für die Polizei kein Zweifel, denn auf einem unfallträchtigen Abschnitt der B 203 in Höhe Hamdorf-Weide sind am vergangenen Sonntag zwei Motorradfahrer in eine Geschwindigkeitsmessung der Polizei gerast. Die Beamten aus Rendsburg maßen 210 beziehungsweise 238 km/h in der Tempo-100-Zone. Die beiden Fahrer erwartet nun ein Bußgeld von jeweils 600 Euro, vier Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.