Pinneberg
Elmshorn

Kirche plant ihr neues Zentrum

4000-Quadratmeter-Bau in Elmshorn kostet 6,9 Millionen Euro. 2016 soll er fertiggestellt sein

Elmshorn. Im Herzen der Stadt soll Elmshorns neues kirchliches Zentrum entstehen. Mit einem viergeschossigen Neubau an der Kirchenstraße 1 bis 3 möchte der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf kirchliche Dienste in zentraler Lage vernetzen und vereinen und so die Bedeutung des Kirchenstandortes Elmshorn stärken.

Auf 4000 Quadratmetern entstehen auf vier Stockwerken Büros für kirchliche Dienstleistungen, ein Treffpunkt und 23 Wohnungen für Menschen mit und ohne Behinderungen sowie Gewerbeflächen. Der Kirchenkreis investiert 6,9 Millionen Euro in den Neubau neben dem Haus der Diakonie und der historischen Kirche St.Nikolai.

Das Jugend- und das Frauenwerk, die Ökumenische Arbeitsstelle, die Arbeitsstelle Strategisches Fundraising und die Kita-Fachberatung werden vom Jahr 2016 an dort Büros beziehen. Platz ist auch für die Kirchengemeinde St.Nikolai, die Pfarrstelle Evangelische Bildungsarbeit und Spiritualität, den Kirchenkreis und den Kirchengemeindeverband Elmshorn.

„Wir halten diesen Neubau für eines der wichtigsten Vorhaben des Kirchenkreises in diesem Jahrzehnt“, sagt Propst Thomas Bergemann, der dem Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf vorsteht. Er leitet seit 2012 das Bauvorhaben. „Die Finanzierung steht und unsere Synode hat den Weg mit einem positiven Entschluss geebnet“, sagt er. Es gehe nicht darum, die Büros in anderen kirchlichen Gemeinden aufzugeben, sondern eine Doppelstruktur zu schaffen. Dann könnte sich jeder Bürger beispielsweise einen Kirchenschein in dieser zentralen Anlaufstelle abholen, was bisher nur am Wohnort möglich war, so Bergemanns Vision.

Im Erdgeschoss entsteht ein neuer Gemeindesaal an derselben Stelle, an der sich der heutige befindet. Es wird ein Übergang zum Diakoniecafé am Markt geschaffen, das seine Fläche vergrößert und auch das Angebot erweitert, indem es zum Beispiel bei Veranstaltungen im Haus das Catering übernimmt. Außerdem soll es familienfreundlicher werden. Während der Bauarbeiten sollen die Beratungsstellen der Diakonie und auch das Café weitgehend geöffnet bleiben. „Wir gehen davon aus, dass es lediglich für drei Monate schließen muss“, sagt Thomas Ritscher vom Architektenbüro „GRS Reimer Architekten“, das mit der Planung beauftragt wurde. Der Betrieb soll dann vorübergehend in andere Räume ausweichen.

„Wir verstehen uns als Kirche für andere und wollen einen lebendigen Austausch fördern“, sagt Bergemann. Dies werde sich in der baulichen Form widerspiegeln. Der Gemeinschaftssaal soll nicht nur kirchlichen Zwecken, sondern allen Menschen offenstehen. Er kann durch das Öffnen der Trennwänden mit dem Foyer verbunden und so vergrößert werden. Im Erdgeschoss sind auch Gewerbeflächen geplant. Wer oder was dort einzieht, ist noch offen.

Auf der dritten und vierten Etage entstehen 18 Ein-Zimmer-, drei Zwei-Zimmer- und zwei Vier-Zimmer-Wohnungen. Zehn davon sind Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen vorbehalten, wovon wiederum fünf Wohnungen rollstuhlgerecht sind. Der Kirchenkreis kooperiert mit den Glücksstädter Werkstätten, die zur Gruppe Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie gehören. Die gemeinnützige Organisation verfolgt das Ziel, Menschen mit Behinderungen eine Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen.

Da es sich um sozialen Wohnungsbau handelt – der Quadratmeter kostet 5,50 Euro Kaltmiete –, müssen potenzielle Mieter einen Berechtigungsschein nach Paragraf fünf vorlegen. Wer auf Hilfe angewiesen ist, kann auf Fachkräfte zurückgreifen, denen ein Büro im Haus zur Verfügung gestellt wird. Dort soll es auch eine Schlafmöglichkeit für eine Nachtwache geben, die bei Bedarf gerufen werden kann. Die Glückstädter Werkstätten übernehmen die Koordination und Vermietung, können neben anderen Anbietern auch Pflegeleistungen anbieten. „Das ist als zusätzliches Angebot zu verstehen“, sagt Christoph-Emanuel Gaenslen, Gesamtleiter der Glückstädter Werkstätten. Es gehe darum, Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. „Inklusion endet nicht mit der schulischen Ausbildung“, sagt er.

„Wir werden noch in diesem Frühjahr die Anwohner ausführlich informieren“, sagt Projektmanager Sven Vierenklee. Im Sommer soll der Bauantrag vorliegen. Dann könnte Anfang 2015 mit dem Abriss des maroden Gebäudes aus den 60er-Jahren begonnen werden. Sofern die Planung von den Behörden bestätigt wird, kann das kirchliche Zentrum in Elmshorn im Jahr 2016 seine Arbeit aufnehmen und die Wohnungen können bezogen werden.

2011 war der Architektenwettbewerb ausgerufen worden. Seitdem wurden die Pläne zweimal überarbeitet und die Baumasse aus Kostengründen um 1000 Quadratmeter reduziert. Das Projekt sollte zunächst acht Millionen Euro kosten. Nun wurde auf ein Pastorat und auf eine Tiefgarage verzichtet. Dafür entstehen im Innenhof 20 Parkplätze.

In einem ersten Entwurf war zudem geplant worden, einen Kindergarten zu integrieren. Auch davon sind die Planer abgerückt. Ein Grund ist die ungeklärte Raumsituation der Evangelischen Kindertagesstätten St.Nikolai an der Kirchenstraße und Stiftskirche an der Fritz-Reuter-Straße in Elmshorn. Sie sollen aus den maroden und zum Teil den Brandschutzbestimmungen nicht genügenden Gebäuden ausziehen. Wohin und ob es eventuell eine Zusammenlegung gibt, stehe noch nicht fest, so der Propst. Die Kirche werde auf keinen Fall Kindergartenplätze abbauen.