Abnutzung

Rätselhafte Verkehrssignale sorgen für Verwirrung

Abgefahrene Situation im Kreis Pinneberg: Richtungspfeile, Markierungen und Zeichen sind oft unkenntlich. Kreisverwaltung stellt teilweise gravierende Mängel fest. Doch den Kommunen fehlt es an Geld.

Kreis Pinneberg. Verblichene Richtungspfeile, abgefahrene Fahrbahnmarkierungen und Piktogramme, bis zur Unkenntlichkeit zerbröselte Radfahrerfurten: Wer im Kreis Pinneberg mit dem Auto oder per Fahrrad unterwegs ist, muss oft genug raten, welche Signale ihm die Verkehrsbehörden mit den sich auflösenden Straßenmalereien wohl geben wollen.

Ob es sich nun um Bundes- und Landesstraßen handelt oder ob der Kreis sowie Städte und Gemeinden als sogenannte Straßenbaulastträger zuständig sind: Auf allen Ebenen sind die Verkehrsverbindungen vielerorts im Laufe der Jahre mehr und mehr heruntergekommen. Und dabei geht es noch nicht einmal um die Fülle der nicht oder nur notdürftig geflickten Schlaglöcher, sondern schlicht um die vernachlässigte Oberflächen-Kosmetik, die allerdings einen amtlichen Anstrich hat. Denn Richtungspfeile sind, wie auch andere Fahrbahnmarkierungen, Bestandteil der Straßenverkehrsordnung.

Dazu ein paar Beispiele, wie es nicht sein soll: Wer auf der Elmshorner Straße in Pinneberg die Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße ansteuert, weiß nicht, ob er auch aus der mittleren Spur nach links abbiegen darf. Der Richtungspfeil ist verblasst. Ortsunkundige könnten meinen, sie müssen geradeaus fahren. Tatsächlich ist jedoch das zweispurige Abbiegen zulässig.

Ähnlich abgefahren ist die Situation im Stadtteil Thesdorf. Auch dort sind die abgenutzten Pfeilmarkierungen Gegenstand eines Ratespiels geworden: Muss ich nun rechts herum oder darf ich auch geradeaus fahren?

Zwischen Halstenbek und Rellingen gibt es auf der Autobahnbrücke im Verlauf der Landesstraße 104 schon seit Jahren eine völlig verblasste Schraffierung der Straßenmitte im Bereich der Anschlussstelle Halstenbek/Rellingen. Ortsunkundige könnten das blass umrandete Feld für eine Nothaltebucht in zentraler Lage halten.

In der Halstenbeker Wohnmeile erfreuen sich die Autofahrer an Hinweisschildern, deren Bedeutung wegen der verblichenen Buchstaben ebenso zur Quizaufgabe wird. Mit gutem Willen und Kombinationsgabe lassen sich „Rellingen“ und „Ortsmitte“ entziffern.

Um Tempolimits Nachdruck zu verleihen, werden in vielen Kommunen zusätzlich Zahlen auf den Asphalt aufgetragen. So einst auch auf dem Baumschulenweg in Rellingen. Allerdings ist mittlerweile die Markierung dermaßen verblasst, dass nur noch die Ziffer Null zu erkennen ist.

Mit rot eingefärbten Radwegfurten an Kreuzungen wurde Pinneberg in den 80er-Jahren zum Vorreiter im Bemühen, die Sicherheit des Radverkehrs zu verbessern. Später wurden die roten Radwege mit den weißen Fahrrad-Piktogrammen auch von anderen Städten und Gemeinden übernommen.

Doch auch hier ist der „Lack“ längst ab. Die Markierungen sehen aus wie ein Flickenteppich, so zu sehen an der Schauenburgerstraße. Pinnebergs Stadtbaudirektor Klaus Stieghorst sagt, die rot eingefärbten Beschichtungen seien besonders teuer.

Generell sei das Budget der Stadt zu schmal, um alle Markierungen auszubessern. So beschränke man sich auf die Fälle, in denen Abhilfe notwendig ist, um die Sicherheit zu gewährleisten. Bezahlt werden muss aus dem Budget für laufende Straßenunterhaltung. Aus diesem Topf bedient die Stadt sich aber auch, um Fahrbahnschäden zu beseitigen.

Auch Michael Zisack, Leiter des Fachdienstes Straßenbau und Verkehrssicherheit beim Kreis, gibt zu, dass eigentlich mehr getan werden müsste. Die Kreisverwaltung ist Verkehrsaufsichtsbehörde für alle Kommunen bis zu einer Größe von 20.000 Einwohnern. Größere Städte stellen selbst die Verkehrsaufsicht. Alle zwei Jahre sind die Aufseher des Kreises unterwegs.

„Häufig sind die Mängel so gravierend, dass wir darauf verzichten, einzelne Straßen zu benennen“, sagt Zisack. Stattdessen erhalten die Kommunen die Anordnung, das gesamte Straßennetz zu überprüfen und unzureichende Markierungen auszubessern. Zisack räumt allerdings ein, dass seine Behörde meist personell nicht in der Lage ist, dies nachzuprüfen.