Pinneberg
Schenefeld

Sportler setzen Zeichen für Kinderschutz

Blau-Weiß beugt Missbrauch vor mit Vertrauensperson, Ehrenkodex und Schulungen

Schenefeld. Wir schauen nicht weg, wir schauen hin: Das ist es, was die Sportler von Blau-Weiß 96 mit ihrer Aktion Mitgliedern und Besuchern ganz deutlich machen wollen. Um ein Zeichen für den Kinderschutz zu setzen, werden in den kommenden Tagen in Zusammenarbeit mit der Schenefelder Stadtverwaltung an Umkleideräumen und Turnhallentüren Schilder angebracht. Darauf steht: „Aktiv im Kinderschutz“ und die Internetadresse www.sportjugendsh.de/kinderschutz, auf der sich Informationen und mögliche Ansprechpartner finden.

Die Idee stammt vom Landesverband und wurde von den Blau-Weißen dankend aufgenommen. Denn der Schenefelder Sportverein widmet sich bereits seit Jahren dem heiklen Thema. Das Anbringen der Schilder ist damit auch mehr ein symbolischer Akt, der nach außen trägt, was der Sportverein bereits intern praktiziert. Vertrauenspersonen, Ehrenkodex, Infoveranstaltungen: „Das Thema ist uns besonders wichtig“, erklärt Frank Böhrens, Geschäftsführer von Blau-Weiß. „Es muss nicht erst etwas passieren, damit man sich damit beschäftigt.“

Besonders intensiv widmete sich der Verein dem Thema, als Missbrauchsvorwürfe die katholische Kirche erschütterten. Hinzu kam, dass 2010 ein Schenefelder, der nicht Mitglied im Verein war, wegen des Verdachts auf Verbreitung von kinderpornografischem Material festgenommen wurde. „Wir haben uns gefragt, was wir tun können, und wie würden wir mit Missbrauchsvorwürfen umgehen? An wen könnten sich Betroffene wenden?“, berichtet Böhrens. Das Ergebnis der Überlegungen war die Einrichtung einer neuen Anlaufstelle. 2011 wurde sie installiert. Seitdem ist UteStöwing, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Vertrauensperson des Vereins. Bei ihr können sich Eltern, Kinder und Betreuer melden. Was laut Stöwing auch in Anspruch genommen wurde.

Durch die Zusammenarbeit zwischen Sportverein und Stöwing tauchte auch die Frage auf, wie Blau-Weiß 96 mit Bildern umgeht. Wer darf, wann, wen fotografieren? Sind überhaupt Aufnahmen während des Trainings erlaubt? Und was für Bilder und Videos dürfen veröffentlicht werden? Die dazugehörigen neuen Datenschutzrichtlinien sind in der Satzung kürzlich festgeschrieben worden. Zudem gibt es einen neuen Passus im Aufnahmeantrag des Sportvereins.

Eine Vorreiterrolle nahm der 3100 Mitglieder große Sportverein, in dem 1600 Kinder und Jugendliche atkiv sind, auch in Sachen Ehrenkodex ein. Lange bevor der Dachverband es vorschrieb, hatten schon alle Trainer und Betreuer bei Blau-Weiß 96 einen Ehrenkodex unterzeichnet. Damit verpflichten sie sich schriftlich dazu, die Intimsphäre und die persönlichen Schamgrenzen der ihnen anvertrauten Kinder zu respektieren, ihre Rechte auf körperliche Unversehrtheit zu achten und keine Form der Gewalt, sei sie physischer, psychischer oder sexueller Art, auszuüben.

Von den verschiedenen Aktionen versprechen sich Böhrens und Co., dass potenzielle Täter abgeschreckt und alle Vereinsmitglieder für das Thema sensibilisiert werden. „Es ist sehr gut, dass der Verein zeigt, dass man ein Auge darauf und ein Ohr für Betroffene hat. Dies macht es Betroffenen leichter, ihr Anliegen vorzubringen“, sagt Stöwing, die weiß, dass es für viele Eltern immer noch ein Tabu-Thema ist. Man wolle Trainer und Betreuer natürlich nicht in Verruf bringen, und so falle der Schritt schwer, etwas zu unternehmen, wenn man das Gefühl habe, es stimme etwas nicht. Umgekehrt gebe es auch Unsicherheiten bei Betreuern. Umso wichtiger sei es, sich deutlich zu positionieren und mit dem Thema auseinander zu setzen.

Deshalb sind laut Böhrens auch Schulungen für Trainer geplant. Auch an andere Interessierte richtet sich eine Veranstaltung mit Dr. Nadine Wilke, die noch im ersten Halbjahr organisiert werden soll. Dabei stellt die Gerichtsmedizinerin ein Hilfesystem für häuslicher Gewalt vor und erklärt, wie auch Trainer blaue Flecken bei Kindern richtig einordnen können.