Pinneberg
Elmshorn

Werner kämpft mit den Tücken des Alltags

Klappmaulpuppe Werner Momsen, bekannt geworden als NDR-Reporter, zeigt im Elmshorner Haus 13 sein neues Soloprogramm „Mensch bleiben!“

Elmshorn. Er ist wohl das bekannteste Stück Schaumstoff im Norden. Als neugieriger NDR-Reporter hat Klappmaulpuppe Werner Momsen sich mit Einsätzen unter Wasser und zwischen Rodeo-Reitern eine wachsende Fangemeinde erspielt. Am Dienstag, 4., und Mittwoch, 5. Februar, gastiert dieser freche Herr mit dem Soloprogramm „Mensch bleiben!“ im Elmshorner Haus13. Das Hamburger Abendblatt sprach mit Momsen-Erfinder und -Spieler Detlef Wutschik über diese besondere Männerbeziehung.

Hamburger Abendblatt:

Warum ist Werner Momsen Rentner und ausgerechnet 67 Jahre alt?

Detlef Wutschik:

Werner ist ein Produkt aus dem Programm „Männergestalten“. In einer Szene brauchten wir einen alten Mann, der sich mit den Widrigkeiten einer Bedienungsanleitung herumschlägt. Dafür haben wir Herrn Momsen gebaut, und im Laufe der Jahre habe ich mich immer mehr in ihn verliebt.

Was mögen Sie denn so gern an Werner?

Wutschik:

Er lässt sich einfach sehr gut spielen, er ist als Puppe nicht so festgelegt. Jeder hat irgendwie einen Werner, den er kennt, ob als Onkel Heinz oder Onkel Walter.

Er ist aber manchmal ein ganz schöner Besserwisser und verspottet manchmal seine Altersgruppe regelrecht – oder?

Wutschik:

Ich glaube, dass Werner schon ein Sympathieträger ist, weil er über sich selbst lachen kann. Wenn er sich über Dinge und Menschen lustig macht, dann bezieht er sich immer mit ein. Das ist ganz wichtig für ihn und auch für mich.

Was darf der Momsen sagen, das der Wutschik nicht sagen dürfte?

Wutschik:

Ich würde natürlich nicht „Muddi“ zu jemandem sagen, oder „scharfes Gerät“. Aber ich kann nicht so schnell so nahe an die Menschen rankommen wie Werner.

Hat Werner eine Botschaft?

Wutschik:

Ich bin ein Freund dieser norddeutschen Einstellung „Leben und leben lassen“. Toleranz, Wahrnehmung des Gegenübers ist sehr wichtig.

Ergibt sich das spontan am Wegesrand, in den Gesprächen mit Passanten, wenn Werner freche Sprüche macht? Oder ist das geplant?

Wutschik:

Das ist 100 Prozent spontan, da ist nichts geplant, gar nichts.

Was kann man von Herrn Momsen lernen?

Wutschik:

Ich glaube, Herr Momsen sieht die Welt durch die Momsen-Brille ziemlich unverbrämt. Er kann das Wesentliche erkennen und ist ein Verfechter pragmatischer Gedanken.

Er ist ja eine Generation älter als Sie. Möchten Sie später auch so sein wie er?

Wutschik:

Ich bin ja jetzt schon ein bisschen so, weil er ja quasi mein älteres Ich ist. Er ist schon ein Guter, ich mag ihn.

Spielen Sie immer noch mit dem Ur-Momsen?

Wutschik:

Nein, der Ur-Momsen hat schon das dritte Gesicht und mehrere Körper. Aber es gibt immer nur einen Momsen, und der wird ständig erneuert.

Sie haben ja auch eine Ausbildung als Maler und Lackierer gemacht und sind fertig studierter Gewerbelehrer. Hilft das auch beim Puppenbau?

Wutschik:

Auf jeden Fall. Ich mag die Kombination aus Bühne und Handwerk. Deshalb ist auch das Puppentheater so spannend. Je nachdem, wozu man mehr Lust hat, kann man den Schwerpunkt setzen. Mehr bauen, mehr ins Spiel gehen oder beides miteinander kombinieren.

Welche Vorbilder haben Sie?

Wutschik:

Ich bin kein Mensch, der groß auf Vorbilder achtet. Geprägt haben mich Sachen wie die Muppetshow. Das sind die Könige, die haben die funktionsfähigsten Klappmaulfiguren gebaut. Daran wird man gemessen.

Warum singt Herr Momsen?

Wutschik:

Weil er gerne singt, und weil Gesang eine Möglichkeit ist, Dinge ganz anders rüberzubringen als man das durch Sprache tun kann.

Wie entwickeln Sie denn Ihre Programme, gerade die Soloshow, die jetzt in Elmshorn ansteht?

Wutschik:

Ich gucke mir sehr genau mein Leben und meine Umwelt an. Wenn mir Dinge auffallen, mache ich mir Notizen. Ich hab mehrere Gedankenbücher, ich schneide mir Zeitungsmeldungen aus. Dann gucke ich: Was spricht mich an? Fange an zu schreiben, merke: Bei dem geht was, bei dem nicht.

Woran merken Sie das? Spielen Sie das einem Testpublikum vor?

Wutschik:

Ich lege es meiner Frau vor, die guckt, ob das lustig ist. Ich habe ein paar Kollegen, die das gut beurteilen können, die kriegen es auch zu sehen. Das Beste kommt in die Show.

Welche Themen können die Zuschauer in Elmshorn erwarten?

Wutschik:

Ich zeige ein paar von den NDR-Reportagen, dann geht’s unter anderem um das Thema Zeit. Was wir mit Zeit machen, wie wir uns verändern. Werner betrachtet die Dinge immer auch aus seinem Puppen-Blickwinkel, weil er ja kein Mensch ist. Er springt da hin und her.

Gibt es Themen, die in Elmshorn besonders gut funktionieren?

Wutschik:

Das Haus 13 hat den Vorteil, dass es ein kleiner Spielort ist, wo das Publikum fast auf der Bühne sitzt. Man ist extrem nah dran am Publikum, man kann gut kommunizieren.

Nehmen Sie das Publikum beim Spielen eigentlich wahr?

Wutschik:

Wegen der schwarzen Maske auf dem Kopf sehe ich eher wenig. Aber ich spüre, ob im Saal etwas passiert. Sitzen die Zuschauer nur und hören zu oder machen sie mit, arbeiten sie mit, sind sie dabei, machen wir etwas zusammen. Wenn das geschieht, dann ist so ein Zauber im Raum. Dann spiele ich mich in einen Rausch, dann ist es ein Traum.

Hat Momsen eine politische Meinung?

Wutschik:

Ja, hat er. Aber Werner verarbeitet in seinen Programmen eher die Politik des Alltags. Anstatt Witze über Merkel zu machen, kann es auch mal witzig sein, darüber nachzudenken, warum die Menschen Lachyoga machen, um zu sich selbst zu finden.

Es gibt viele freche Puppen, Schildkröte und Echse etwa. Warum braucht die Welt auch noch Herrn Momsen?

Wutschik:

Herr Momsen hat den Vorteil, dass er zwischen Mensch und Puppe steht. Er kann die Dinge aus zwei Blickwinkeln betrachten, das ist das Spannende daran.